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Kuba-Schweifblume - Anthurium cubense
Photo: M. Burkart

Kuba-Schweifblume - Anthurium cubense

Pflanze des Monats Mai 2010

Englers Erben

 

Die Flamingoblumen (Anthurium scherzerianum und A. andraeanum) mit ihren leuchtend roten Blütenständen sind bekannte Schnittblumen und Topfpflanzen aus der Familie der Aronstabgewächse. Anthurium ist mit rund 800 Arten die größte Gattung in der Familie. Die weniger auffällig blühenden Anthurien heißen auf deutsch Schweifblumen, die wörtliche Übersetzung der wissenschaftlichen Gattungsbezeichnung (gr. anthos - Blüte und oura - Schwanz), die sich auf den langgestreckten, dicht mit kleinen Einzelblüten besetzten Blütenkolben bezieht.

Als Adolf Engler 1889 im Alter von 45 Jahren Direktor des Botanischen Gartens in Berlin-Schöneberg wurde, gehörte er bereits zu den führenden Botanikern Europas. Schon 18 Jahre zuvor hatte er in seiner Zeit als Wissenschaftler in München begonnen, sich intensiv mit der Familie der Aronstabgewächse zu beschäftigen, was er bis an sein Lebensende beibehielt. Er bearbeitete diese Familie auch in seinem größten Werk, "Die natürlichen Pflanzenfamilien", das schließlich 23 von vielen Spezialisten bearbeitete Bände umfasste und bis heute ein weltweit benutztes Standardwerk ist, und verfasste zahlreiche weitere Arbeiten zu diesem Thema, so 1898 eine detaillierte Darstellung der Gattung Anthurium mit damals schon über 300 bekannten Arten aus dem tropischen Amerika. Darin beschrieb er auf der Grundlage eines aus Dänemark erhaltenen Pflanzenbelegs die Kuba-Schweifblume als Anthurium cubense Engl. neben zahlreichen weiteren Arten neu für die Wissenschaft. Von anderen Schweifblumen ist sie an ihrem gedrungenen, nach oben verjüngten violetten Kolben an kurzem Stiel gut zu unterscheiden. Das Namenskürzel "Engl." verweist auf den Autor.

Engler wurde, kaum in Berlin angekommen, mit Umzugsplänen konfrontiert. Zunächst skeptisch, stimmte er schließlich der Verlegung des Botanischen Gartens nach Dahlem zu, weit vor die Tore der damaligen Stadt. Der Umzug und erhebliche Finanzmittel ermöglichten es Engler, seine damals höchst modernen Vorstellungen von einer geografisch gegliederten Gartenanlage auf 42 ha unbebauter Fläche zu verwirklichen. Das Ergebnis, "die ganze Welt in einem Garten", nämlich im bis heute drittgrößten Botanischen Garten der Welt, feiert in diesem Jahr seinen hundertsten Geburtstag in Dahlem. Dazu und auch zu der gelungenen Ausstellung "Humboldts Grüne Erben", in der diese 100 Jahre dargestellt sind, gratulieren wir ganz herzlich.

Der Pflanzenwelt Kubas sind die Dahlemer Botaniker heute besonders verbunden, denn sie sind maßgeblich an der noch laufenden Erarbeitung einer modernen "Flora de la República de Cuba" beteiligt. Anthurium cubensewurde bereits in einem der ersten erschienenen Bände behandelt. Die Art kommt außerdem auch in Mittelamerika, Kolumbien und Venezuela vor.

Kuba-Schweifblume - Anthurium cubense
Photo: M. Burkart