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Journalismus

In einer Wissensgesellschaft wie der unseren sind wir kontinuierlich mit einer Flut an Informationen konfrontiert, die es aufzunehmen, zu verarbeiten und aufzubereiten gilt. Während wir die Neuigkeiten, die uns im Privaten über persönliche Gespräche oder social media erreichen, selbst einordnen müssen, übernehmen in den eingebetteten professionellen Medien Journalist*innen diese Aufgabe für uns.

Ihr Auftrag ist es, Informationen zu sammeln, diese zu bündeln, zu bewerten, aufzuarbeiten und in Form von Texten, Bildern oder Videos zu veröffentlichen. Dies kann über verschiedene Kanäle wie Printmedien, Hörfunk, Fernsehen oder auch online über Ticker, Blogs, etc. geschehen. Neben Redakteur*innen fallen auch Moderator*innen, (Auslands-)korrespondent*innen oder Video-Reporter*innen unter den Begriff. Die sogenannten „Allrounder“ decken dabei die gesamte Themenpallette ab, während sich Fachjournalist*innen auf ein einzelnes Ressort oder einen Themenbereich spezialisieren und nicht selten auch für spezielle Fachmedien arbeiten.
Für ihre Recherche nutzen Journalist*innen eine Vielzahl an Quellen. Persönliche Gespräche, eigene Recherchen und Telefoninterviews stehen dabei neben Pressemitteilungen und den Meldungen der Nachrichtenagenturen wie z. B. der dpa (Deutsche Presse-Agentur) im Vordergrund.

Mit fortschreitender Digitalisierung gewann auch der Online-Journalismus in der Branche mehr und mehr an Bedeutung. So unterhalten mittlerweile alle großen Redaktionen zusätzlich zu ihren sonstigen Produkten  News-Ticker oder Twitterkanäle. Auch Social-Media-Inhalte selbst werden immer häufiger zur Recherche genutzt. Im Gegensatz zu klassischen Zeitungen, die zum Abend hin Redaktionsschluss haben, gibt es in Online-Redaktionen keine festen Produktionszeiten oder –orte und Informationen müssen so schnell wie möglich verbreitet werden. Medienübergreifende Darstellungsformen (crossmedia) gewinnen dabei an immer größerer Bedeutung, so dass die user*innengerechte Aufbereitung von Texten, Bildern, Infografiken und Fotos sowie die Nutzung von Social-Media und SEO heute zum normalen Aufgabenportfolio von Journalist*innen gehören. Häufig arbeiten Infografiker*innen, Software-Entwickler*innen, Videoproduzent*innen oder Designer*innen, etc. dabei in crossmedialen Teams zusammen.

Vielzahl an Berufsbildern und Zugangswegen - frühe journalistische Erfahrung immer ein Muss

Analog zur Ausdifferenzierung im Feld steigt auch die Vielzahl der möglichen Berufsbezeichnungen. So findet man Stellen als Executive Editor, Polizeiredakteur*in, Realisator*in, Content Manager*in oder technische*r Redakteur*in, um nur einige zu nennen. Begleitend zur Diversifizierung der Berufsbilder, verwischen auch die Grenzen zwischen den medienbezogenen Stellen zusehends. Während klassische Festanstellungen als Redakteur*in bei Zeitungsredaktionen oder Radiosendern abnehmen, erlangen artverwandte Berufe wie die von Pressesprecher*innen, Pressereferent*innen, in der Unternehmenskommunikation (auch in den Medienhäusern selbst) oder als Social-Media-Redakteur*innen mehr Bedeutung.Auch ganz neue Berufsbilder, wie das der Community-Manager*innen oder der Datenjournalist*innen entstehen. Neben Interessierten aus den zu erwartenden Geistes-, Sprach-, Kultur- und Medienwissenschaften, haben gerade in diesen neuen Formaten auch Absolvent*innen anderer Disziplinen, bei entsprechenden sprachlichen Fähigkeiten und journalistischen Vorerfahrungen gute Chancen, z. B. in Fachzeitschriften, wissenschaftlichen Journalen und anderen Wissenschaftsformaten. Hier ist von der Physiksendung im Fernsehen über Health-Care-Portale bis hin zum Psychologie-Magazin alles denkbar. So steht vor allem seit Beginn der Corona-Krise der erwähnte Datenjournalismus (engl.: data-driven journalism) verstärkt im Fokus informierender Medien (man denke nur an Fallzahlen, Inzidenzen oder den sogenannten R-Wert). Dieser umfasst jene Berichterstattung, die vorrangig auf quantitativen Werten bzw. Zahlen basiert, die beispielsweise in Form von Tabellen, interaktiven Karten oder Diagrammen visualisiert und kontextualisiert werden. Auch hier handelt es sich um eine interdisziplinäre Tätigkeit, da es auf ein Zusammenspiel von Journalismus, Statistik und Design ankommt (auch interessant: Wissenschaftskommunikation).

Journalist*in kann man auf verschiedene Art werden – es gibt keine vorgeschriebenen Ausbildungswege. Frühe eigene journalistische Erfahrungen sind ein Muss, der Einstieg gelingt häufig über ein klassisches journalistisches Volontariat. Auch der Besuch einer zumeist kostenpflichtigen Journalist*innenschule kann ein Weg sein, ist aber keine Voraussetzung.
Unabhängig vom Ausbildungs- und Fachhintergrund ist es aufgrund der oben beschriebenen Entwicklungen von Vorteil, neben dem Texten, noch weitere Medientechniken (Bildbearbeitung, Videoproduktion, Social-Media,…) zu beherrschen. Da feste Anstellungen bei Zeitungen, etc. rar sind, arbeiten viele Journalist*innen freiberuflich. Häufig verdienen sie bedeutend weniger als ihre festangestellten Kolleg*innen und müssen neben ihren journalistischen noch weitere Tätigkeiten (z. B. in der PR-Arbeit oder als Dozent*innen) wahrnehmen und viel Zeit in die Auftragsakquise und Pflege ihres Netzwerks stecken. Für den Einstieg in die Branche ist es daher empfehlenswert, frühzeitig eigene Kontakte in die Medienwelt aufzubauen und notfalls noch einen Plan „B“ bzw. ein zweites Standbein bereit zu halten.
 

Portrait Janna Degener-Storr

Janna Degener-Storr

arbeitet als freie Journalistin

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