Bibliotheks-, Archiv- und Dokumentationswesen

Ob es um die Erfassung juristischer Prozessakten für künftige Gerichtsentscheidungen geht, Gesundheitsdaten für die Medizin zur Verfügung stehen sollen, eine freie Tondatenbank augebaut wird oder Kriegsverbrechen für die spätere Nachverfolgung dokumentiert werden müssen:  Unsere heutige Wissensgesellschaft bringt es mit sich, dass in fast allen Bereichen des öffentlichen Lebens, riesige Mengen an Daten anfallen, die erfasst, verarbeitet und systematisiert werden müssen. Archivar*innen, Bibliothekar*innen oder Dokumentar*innen nehmen sich dieser Arbeit an. Sie erfassen Medien, Quellen und Fakten, werten diese aus, bereiten sie auf und machen sie anderen zur Nutzung zugänglich. 

Dabei pflegen und kategorisieren nicht nur Archive und Bibliotheken ihre Bestände, sondern auch Unternehmen, Museen, Kirchen oder Behörden, woraus sich eine große Vielfältigkeit hinsichtlich der möglichen Arbeitsgebiete ergibt. Neben der Vielfältigkeit an Themen, die zukünftigen Mitarbeiter*innen in diesem Bereich potentiell begegnen können, ist auch die Art der zu verwaltenden Medien sehr unterschiedlich und reicht von Büchern, Zeitschriften, Manuskripten und Akten hin zu elektronischen Beständen wie Bild- und Tondokumenten. Auch Arbeitgeber*innen jenseits der klassischen Wissens- und Informationseinrichtungen stellen für Ihre Bestände Archivar*innen, Dokumentar*innen oder Wissensmanager*innen an. So kann z. B. eine Personalvermittlungsagentur jemanden zur Verwaltung der eingereichten Bewerbungsunterlagen und Personalakten suchen oder ein Autokonzern seine Produktgeschichte dokumentieren, u.s.w. Je nach Einsatzgebiet legen die Stellen mal einen größeren Fokus auf inhaltliche, mal auf die verwalterische Arbeit. Neben der Bestandspflege bilden vor allem organisatorische bzw. administrative Aufgaben, das Abklären rechtlicher Belange, die Digitalisierung von Medien oder Recherchetätigkeiten den Tätigkeitsschwerpunkt. Doch auch eigene inhaltliche Forschung, Auswertung und Aufbereitung der Daten zählen zum Aufgabenfeld. Im Zuge der Digitalisierung gewinnen zudem durch künstliche Intelligenz gestützte Text- und Datamining-Verfahren zur automatisierten Auswertung und Kategorisierung von Medien an Bedeutung, so dass IT-Anwendungen heute zum Basis-Know-How des Berufs zählen und auch viele Mischtätigkeiten zwischen IT-Entwicklung und Archivierung entstehen. In jedem Fall unabdingbar sind Erfahrungen im Umgang mit Daten- und Content-Management-Systemen.
Ebenfalls wichtig ist außerdem die Beratung und Unterstützung von Nutzer*innen der jeweiligen Einrichtungen. So stellen Archivar*innen (oder auch Bibliothekar*innen) die notwendigen Medien bereit und stehen bei Fragen und Unklarheiten zur Verfügung. Auch die Zusammenarbeit mit externen Akteuren aller Art um weitere Quellen und Daten zu sammeln und zu erschließen sind Teil des Berufsbildes. 

Für wissenschaftliche Stellen zusätzlich zum Fachstudium noch eine weiterführende Ausbildung nötig

Um nach dem Studium in diesem Bereich zu arbeiten, bieten sich mehrere Möglichkeiten an - grundsätzlich ist aber so gut wie immer eine Zusatzqualifikation bzw. weiterführende Ausbildung notwendig. So kann man nach dem Studium an der Archivschule in Marburg die Ausbildung zur Archivar*in für den höheren oder gehobenen Archivdienst absolvieren. Ausbildungsträger sind dabei die Ausbildungsarchive des Bundes und der Länder. Alternativ bietet sich ein weiterführendes Studium der Bibliotheks-, Dokumentations- oder Informationswissenschaften an. Dieses wird von ausgewählten Universitäten und Fachhochschulen als Bachelor– oder Masterstudiengang, sowohl in Voll- als auch in Teilzeit angeboten, wobei allerdings zum Teil auch höhere Ausbildungsgebühren anfallen können.

Eine weitere Variante ist ein Einstieg als Wissenschaftliche*r Dokumentar*in. Hauptaufgabe von wissenschaftlichen Dokumentar*innen ist es, fachwissenschaftliche Informationen und Inhalte zu recherchieren, aufzubereiten und in Datenbanken zu organisieren. Auch diese Qualifikation schließt an ein universitäres Fachstudium an. Zum Teil gelten dabei die gleichen Zugangsvoraussetzungen wie im Archiv- oder Bibliotheksdienst, häufig werden aber auch eigene Volontariate oder Traineeships angeboten. Die Ausbildungen dauern in der Regel zwei Jahre und werden im Unterschied zu den (weiterführenden) Bachelor- und Masterstudiengängen - vergütet. 
Lediglich im Wissensmanagement weniger wissenschaftlicher Akteure wie z. B. Unternehmen ist auch eine Anstellung ohne zusätzliche oder spezielle (Zusatz-)ausbildung möglich, da es sich hier meist um weniger komplexe Wissensbestände und Ordnungssysteme handelt. Stellenbezeichnungen lauten hier z. B. Dokumenten-Controller*in, Wissens- oder Knowledge-Manager*in, Mitarbeiter*in Registratur, Datenerfasser*in oder Dokumentar*in. Auch wenn diese Stellen hinsichtlich des wissenschaftlichen Anspruchs meist nicht mit den klassischen Archiv- oder Bibliotheksstellen vergleichbar sind, können sie Interessierten auch ohne entsprechende Qualifizierung einen Zugang in die Dokumentenverwaltung oder das Wissensmanagement bieten.

 

Fabian Fürste

Fabian Fürste

arbeitet in der Abteilung „Onlinedienste und IT-Entwicklung (onIT)“ der Universitätsbibliothek der TU Berlin

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