Skip to main content

„Kraft, Ausdauer und die richtige Technik“ – Die Potsdamer Studentin Maren Völz rudert in der Nationalmannschaft

Maren Völz steht in einer Bootshalle.
Zwei Ruderinnen auf dem Wasser.
Photo : Sandra Scholz
Die Studentin Maren Völz in der Bootshalle am Olympia-Stützpunkt in Berlin.
Photo : Yannick Schurwanz
Maren Völz (l.) und Leonie Menzel im Doppelzweier beim Weltcup 2023 in Varese

„Es ist ein schönes Gefühl, übers Wasser zu gleiten“, schwärmt Maren Völz. Die Ruderin weiß aber aus langjähriger Erfahrung, dass es für diesen Flow im Boot viel braucht. „Rudern ist auf allen Ebenen ein anspruchsvoller Sport: Man benötigt nicht nur Kraft und Ausdauer, sondern auch die richtige Technik. Es ist eine komplexe Bewegung aus vielen Einzelteilen, die gefühlt nie perfekt ist.“

Maren Völz studiert an der Universität Potsdam und ist Leistungssportlerin. Ihr Verein ist der „Ruder-Club Potsdam e.V.“, doch als Kaderathletin in der Nationalmannschaft des Deutschen Ruderverbandes trainiert sie am Olympia-Stützpunkt im Jungfernheideweg in Berlin-Charlottenburg. Die junge Sportlerin kann bereits auf einige Erfolge zurückblicken: Bei der Europameisterschaft im slowenischen Bled 2023 holte sie den 5. Platz im Doppelzweier und 2020 landete sie bei der U23-Europameisterschaft mit ihrem Team im Doppelvierer ganz oben auf dem Siegerpodest.

Ein ganz normaler Tag für die 23-Jährige, die sich derzeit auf die Olympischen Sommerspiele 2024 in Frankreich vorbereitet: Noch vor acht Uhr gibt es Gymnastik und Mobilisation. Dann beginnt das Rudertraining auf dem Hohenzollernkanal: Nach Osten geht es zu einer Schleuse, nach Westen führt er zur Havel und zum Tegeler See. „Das Gelände ist recht weitläufig.“ Mittags werden die Athletinnen von einer Köchin versorgt. „Essen ist wichtig“, sagt Völz und lächelt. Nachmittags folgt eine weitere Einheit Rudern, Krafttraining oder Radfahren. Um ihre Technik zu perfektionieren, nutzen die Ruderinnen außerdem Videoanalysen. „Das Blatt im richtigen Winkel ins Wasser zu setzen, es effizient zu bewegen und ohne Verluste auszuheben, ist ein Prozess, der jahrelanges Training braucht.“ Zwischen 14 Uhr und 17 Uhr geht es nach Hause.

Nach dem Training ist vor dem Pauken: Wenn sie nicht gerade rudert, bereitet sich Maren Völz auf Prüfungen an der Uni vor. Derzeit lernt sie für eine Klausur, zu der sie vor zwei Jahren die Vorlesung besucht hat. Seit dem Wintersemester 2020/21 ist die Athletin im B.A. Psychologie eingeschrieben. „Ich studiere bewusst langsamer“, sagt die 23-Jährige. Schließlich ist die Mannschaft auch am Wochenende viel unterwegs, in Trainingslagern oder bei Wettkämpfen. „Die Corona-Zeit kam mir eigentlich zugute“, erzählt sie. Denn viele Lehrveranstaltungen konnte sie digital vor- und nachbereiten. Präsenz-Vorlesungen besucht Völz im Moment nicht. Jetzt dreht sich alles um Olympia.

Die Havel ist der Athletin übrigens von Kindheit an vertraut. Denn ihre sportliche Karriere begann im Wanderruderverein im brandenburgischen Lehnin, wo Maren Völz aufgewachsen ist. „Ein Nachbar hat mich zum Verein mitgenommen, da war ich ungefähr neun Jahre alt.“ In der Grundschule wurde sie dann von der Sportschule Potsdam „Friedrich Ludwig Jahn“ fürs Rudern gesichtet, mit Erfolg. So begann sie in Potsdam mit dem Leistungssport. Heute studiert sie hier – auch wegen einer Kooperation des Olympiastützpunktes mit der Hochschule. Diese ermöglicht ihr eine Art Nachteilsausgleich, sodass sie Prüfungen individuell ablegen und Trainings- und Stundenplan besser vereinbaren kann. Vom Kapitel Sport der Potsdamer Universitätsgesellschaft erhielt sie außerdem 2021 als vielversprechendes Nachwuchstalent und als Studentin mit herausragenden Leistungen das Spitzensport-Stipendium. Wie es ihr gelingt, neben dem Rudersport auch noch hervorragende Prüfungen abzulegen? „Wenn ich eine Klausur schreibe, bin ich gut vorbereitet, sodass die Leistung stimmt“, sagt Maren Völz pragmatisch. Das Stipendium der Unigesellschaft wurde im Anschluss um ein Jahr verlängert.

An ihrem Studienfach gefällt ihr, dass ihr damit viele berufliche Wege offenstehen. Welchen sie einschlagen wird, hat Völz jedoch noch nicht entschieden. Nach Olympia möchte sie Praktika absolvieren, um Einblicke in die Praxis zu erhalten, und sich dann in einem Master spezialisieren. Nun hofft sie erst einmal, dass sie sich überhaupt für die Spiele qualifizieren wird. Acht Frauen sind im olympischen Kader, doch höchstens sechs von ihnen werden in Paris „an Bord“ sein. Für das Team eine besondere Herausforderung: „Wir trainieren erst seit Mitte Mai zusammen. Unsere Gegner fahren teilweise schon seit Jahren gemeinsam Kilometer. Aber wir finden immer besser zusammen.“

Bei der Ruder-WM im September 2023 in Belgrad gab es für sie und ihre Teamkollegin im Doppelzweier einen ersten Rückschlag. „Wir waren im Hoffnungslauf ein paar Hundertstel zu langsam, um jetzt schon das Olympia-Ticket zu sichern“, sagt Völz enttäuscht. „Ich blicke jetzt trotzdem motiviert auf die Vorbereitung Richtung nächstes Jahr. Unser Team hat zumindest den Doppelvierer qualifizieren können, wo es jetzt gilt, die bestmögliche Besetzung für die olympischen Spiele zu finden.“ Zudem besteht die Chance, den Doppelzweier im nächsten Mai nachträglich zu qualifizieren.

Klar ist bei so viel Druck die Konkurrenz auch innerhalb des Teams groß. „Aber das spornt an und macht uns besser“, erzählt die Studentin. Und sie verstehen sich trotzdem privat gut. Alle wohnen in der Nähe des Stützpunktes. Ein großer Vorteil, denn Zeit ist im Leben der Ruderinnen knapp. „In der Saison habe ich selbst kaum freie Tage. Da fällt es schon schwer, meine Eltern zu besuchen.“ Völz’ Freund rudert übrigens in der Nationalmannschaft der Männer in Dortmund – auch hier ist gemeinsame Zeit ein Kunststück.

Doch Maren Völz ist keine, die aufgibt – ob im Studium oder im Sport. Noch im Februar 2021 hatte sie einen Bandscheibenvorfall, war mehrere Monate in der Reha und trainierte danach viel allein. Sie kämpfte sich erfolgreich zurück und im Herbst 2022 gelang ihr nicht nur der Einstieg in den Erwachsenenbereich, sondern auch in die Nationalmannschaft.

 

Dieser Text erschien im Universitätsmagazin Portal - Zwei 2023 „Mentale Gesundheit“ (PDF).