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Quereinstieg in den Lehrerberuf – Ergebnisse einer Studiengangsevaluation veröffentlicht

Um den Lehrkräftemangel an Berliner Grundschulen zu begegnen, wurde an der Humboldt-Universität zu Berlin 2018 ein neuartiges Studienangebot geschaffen: Der sogenannte Q-Master richtet sich an Hochschulabsolventinnen und -absolventen mit einem Studienabschluss außerhalb des Lehramts und bietet ihnen die Möglichkeit, sich über den Master-Abschluss für eine Lehrtätigkeit im Grundschulbereich zu qualifizieren. Eine Studie der Universität Potsdam hat nun gezeigt, dass sich Studierende des Q-Master-Studiengangs in ihren Kompetenzen und Einstellungen kaum von ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen im regulären Lehramtsmaster unterscheiden. „Diese Ergebnisse sprechen aus unserer Sicht dafür, das Q-Master-Studium im Grundschullehramt fortzuführen und in ähnlichen Strukturen auch an anderen Hochschulen einzurichten“, sagt Prof. Dr. Dirk Richter. Der Potsdamer Bildungsforscher hat mit seinem Team über zwei Jahre den Quereinstiegsstudiengang für das „Lehramt an Grundschulen“ der Humboldt-Universität evaluiert.

In der Studie wurden Masterstudierende, die das Lehramt an Grundschulen im Fach Sachunterricht anstreben, seit Beginn des Wintersemester 2019/20 befragt. Mit Tests zur Fachdidaktik des Sachunterrichts wollten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler herausfinden, welche fachlichen Kompetenzen sich die Studierenden aneignen konnten. Darüber hinaus untersuchten sie die Motivation für die Studienwahl, die bisherigen Lehr- und Unterrichtserfahrungen und die Einstellungen zum Lehren und Lernen. Die Studie wurde in Kooperation zwischen der Bertelsmann Stiftung, der Humboldt-Universität zu Berlin und der Universität Potsdam durchgeführt. Am 5. April stellte das Team den Abschlussbericht an der Humboldt-Universität vor.

Die Studie zeigte, dass sich die Q-Master-Studierenden in ihren berufsbezogenen Voraussetzungen und Kompetenzen zu Beginn des Studiums kaum von den regulären Studierenden des Lehramtsmasters für die Grundschule unterscheiden. Dies deutet darauf hin, dass Studierende trotz unterschiedlicher Bachelor-Abschlüsse in ähnlicher Weise vom Studiengang „Lehramt an Grundschulen“ profitieren. Die Q-Master-Studierenden scheinen keine Nachteile bei der Entwicklung von Kompetenzen in den hier untersuchten Aspekten zu haben. „Der Q-Master-Studiengang sichert die fachlichen Standards wie in einem regulären Lehramtsstudium und trägt zu einer Reduzierung des Lehrkräftemangels an Grundschulen bei“, so Prof. Richter.

Die Ergebnisse finden Sie hier zusammengefasst:

Zu Beginn des Studiums unterscheiden sich Q-Master-Studierende und reguläre Studierende weder im gesellschaftswissenschaftlichen noch im naturwissenschaftlichen fachdidaktischen Wissen signifikant voneinander. Für den gesellschaftswissenschaftlichen Fachdidaktiktest zeigen sich deutliche Zuwächse für beide Studierendengruppen. Für den naturwissenschaftlichen Fachdidaktiktest ist dies jedoch nicht der Fall. Es lässt sich zudem erkennen, dass die regulären Studierenden im naturwissenschaftlichen Wissen am Ende des Studiums einen Vorsprung gegenüber den Q-Master-Studierenden haben.

Im Vergleich zum Beginn des Studiums vertreten beide Gruppen am Ende des Studiums deutlich häufiger die Überzeugung, dass Lernen im Fach Sachunterricht ein Prozess der aktiven Auseinandersetzung mit bereits bestehenden Vorstellungen ist. Zudem fühlen sich beide Studierendengruppen nur mäßig auf den Lehrberuf vorbereitet. Große Unsicherheit berichten die befragten Studierenden in der Arbeitsorganisation und im Zeitmanagement, im Umgang mit Unterrichtsstörungen sowie in der fachlichen Förderung von lernschwachen Schülerinnen und Schülern. Q-Master-Studierende fühlen sich im Bereich zur Kommunikation und im Umgang mit Konflikten im Kollegium sowie im Umgang mit Unterrichtstörungen signifikant sicherer als reguläre Studierende.

Q-Master und reguläre Studierende verfügten bereits vor Aufnahme des Masterstudiums über vielfältige praktische pädagogische Vorerfahrungen: etwa in der Schülernachhilfe, in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Freizeitbereich oder in einer beruflichen Tätigkeit. Dabei bringen Q-Master-Studierende häufiger pädagogische Vorerfahrungen aus der Arbeit mit Erwachsenen mit. Beide Studierendengruppen entscheiden sich aus ähnlichen Gründen für den Lehrberuf. Sie betonen als Grund für die Studienwahl die Freude an der Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen sowie das Leisten eines sozialen Beitrags. Ferner wird von beiden Gruppen berichtet, dass die Freude am Unterrichten sowie die Gestaltung der Zukunft von Kindern und Jugendlichen ausschlaggebende Gründe waren. Insgesamt bestätigt das Ergebnis, das beide Studierendengruppen vor allem aus altruistischen und intrinsischen Motiven den Lehrberuf ergreifen und das Studium nicht vorrangig aufgrund der günstigen Arbeitsbedingungen und des Einkommens gewählt wird.

Q-Master-Studierende und reguläre Studierende berichten über eine eher hohe Zufriedenheit mit dem Studium und schätzen die thematische Vielfalt der Seminare und die Zusammenarbeit mit den Dozierenden positiv ein. Als Verbesserungsvorschläge nennen die Studierenden eine stärkere Verknüpfung zwischen theoretischen und schulpraktischen Aspekten, eine Vereinheitlichung und Digitalisierung der organisatorischen Prozesse sowie die Aufstockung von personellen Ressourcen.

Beide Studierendengruppen berichten über eine hohe Zufriedenheit mit dem Praxissemester. Gleichzeitig empfanden viele Studierende beider Gruppen die Planung ihres eigenständigen Unterrichts und damit einhergehend die Etablierung eines erfolgreichen Klassenmanagements als herausfordernd. Ebenso betont eine Vielzahl der regulären und Q-Master-Studierenden die Schwierigkeit, erfolgreich mit Unterrichtsstörungen oder Disziplinproblemen der Schülerinnen und Schüler umzugehen. Besonders schwierig war es für die Studierenden, die Arbeitsanforderungen und Seminare seitens der Universität zeitlich und arbeitsumfänglich mit den Aufgaben und Anforderungen der Schule zu vereinbaren. Die Studierenden erkennen Verbesserungsbedarf bei den vorbereitenden und begleitenden Seminaren zum Praxissemester.

Die Mehrheit der Q-Master-Studierenden verfügt über ein abgeschlossenes Bachelorstudium und studierte vor Aufnahme des Q-Masters häufig sozialwissenschaftliche, pädagogische sowie sprachliche und künstlerische Fächer.

Zum ausführlichen Abschlussbericht.

Kontakte:
Universität Potsdam: Prof. Dr. Dirk Richter, Professor für Erziehungswissenschaftliche Bildungsforschung
Telefon: 0331 977-2133
E-Mail: dirk.richteruni-potsdamde
Internet: www.uni-potsdam.de/de/erziehungswissenschaftliche-bildungsforschung/prof-dr-dirk-richter.html

Humboldt Universität zu Berlin: Prof. Dr. Detlef Pech, Professor für Grundschulpädagogik mit dem Schwerpunkt Sachunterricht
Telefon: 030 2093-66808
E-Mail: detlef.pechhu-berlinde

Bertelsmann Stiftung: Dr. Dirk Zorn
Telefon: 05241 8181-546
E-Mail: dirk.zornbertelsmann-stiftungde