Skip to main content

Kunst am Bau – Mit magnetischen Translokationen und Tape-Art machen Studierende des neuen Fachs Kunst im Lehramt auf sich aufmerksam

Magnetische Translokationen auf dem Uni-Campus. Das Foto ist von Tobias Hopfgarten.
Tape-Art am Potsdamer Kesselhaus. Das Foto ist von Antje Horn-Conrad.
Maja Dierich-Hoche vor dem Kesselhaus. Das Foto ist von Antje Horn-Conrad.
Photo : Tobias Hopfgarten
Magnetische Translokationen auf dem Uni-Campus.
Photo : Antje Horn-Conrad
Tape-Art am Potsdamer Kesselhaus
Photo : Antje Horn-Conrad
Maja Dierich-Hoche vor dem Kesselhaus

„Wo Eisen ist, da kann auch Kunst sein“, behauptet Ruppe Koselleck. Der erfahrene Konzeptkünstler macht die Probe aufs Exempel und veranstaltet mit den ersten Studierenden des neuen Fachs Kunst im Lehramt sogenannte „Magnetische Translokationen“. Das sind Fotocollagen, Zeichnungen und Malereien, die, auf magnetische Folien gedruckt, in immer wieder neuen Kontexten im öffentlichen Raum gezeigt und fotografiert werden können. „Es funktioniert an Wänden, Türen, Zäunen, sogar an Fahrzeugen“, meint der Künstler, und „klebt“ das magnetische Abbild einer Zifferntastatur – eine Arbeit der Studentin Joulia Hoppen – unter die Öffnung eines Mülleimers.

Koselleck, der aktuell die Vertretungsprofessur für Künstlerische Praxis innehat, freut sich über den Verwandlungseffekt. Er löst die Tastatur wieder ab und heftet sie im nächsten Moment an die Rostfassade von Haus 31, dem Gebäude der Inklusionspädagogik in Golm. Dort nämlich hat er zum 30. Geburtstag der Universität eine temporäre Ausstellung organisiert, bei der die Studierenden eine erste künstlerische Visitenkarte abgeben konnten. Lilly Hubatsch zum Beispiel. Sie schuf aus Fotografien verschiedener Hauttypen eine Collage, die wie Camouflage auf der rostbraunen Außenhaut des Gebäudes haftet. Erst bei näherem Hinsehen, wenn die Poren zu erkennen sind, offenbart sich die Verletzlichkeit der menschlichen Hülle und die Härte des Kontrasts zum eisernen Untergrund.

Fast alle der bislang 27 Studierenden waren im Sommer zur Präsentation ihrer „Magnetischen Translokationen“ nach Golm gekommen. „Manche sahen sich hier zum ersten Mal“, sagt Ruppe Koselleck und erinnert an die schwierigen Bedingungen für das im Corona-Winter gestartete Fach. „Wir hatten lange darauf hingearbeitet, dass die Kunst in der Lehrkräftebildung und auch in der Bildungsforschung wieder angemessen vertreten ist“, sagt Nadine Spörer, überzeugt davon, dass „das Fach viel frischen Wind an die Uni bringen wird“. Mit steigenden Studierendenzahlen komme es jetzt jedoch drauf an, genügend Räume und Ateliers für die kreative Arbeit bereitzustellen, so die Dekanin. Immerhin beginnen in diesem Herbst 70 Erstsemester ihr Studium. Mit der Kunstwissenschaftlerin Melanie Franke wurde inzwischen auch die zweite Professur besetzt.

Von Anfang an dabei ist Andreas Brenne. Der Professor für Kunstpädagogik und Kunstdidaktik ist froh, für die praktische Arbeit jetzt erst einmal die verwaiste Golmer Universitätsdruckerei als Werkstatt nutzen zu können. Zusätzlich besorgte er einen Projektraum im Potsdamer Kunst- und Kreativhaus Rechenzentrum, in dem nicht nur Kontakte zu Künstlern geknüpft, sondern auch Arbeiten von Studierenden gezeigt werden können. In der Kunstszene der Stadt sichtbar zu sein, ist Andreas Brenne wichtig. Das Museum Barberini hat Interesse an einer Kooperation angemeldet. Und zu Jahresbeginn wird es im Kunstraum an der Schiffbauergasse sogar schon eine erste Ausstellung Studierender geben.

Dort, im Erlebnisquartier, haben die Kunstpädagogen der Universität bereits erste Farbspuren hinterlassen, die nicht so schnell verblassen werden: Gemeinsam mit dem Berliner Künstlerkollektiv „KlebeBande“ sind sie dem Kesselhaus am Waschhaus mit Tape-Art zu Leibe gerückt. Die zwischen verschiedenen Rottönen changierenden Streifen haben der Fassade des tristen Gebäudes ein weithin sichtbares Muster aufgedrückt, das das Zeug dazu hat, ein Markenzeichen des Quartiers zu werden.

„Dabei sah es lange nicht so aus, dass wir unsere Idee umsetzen können“, berichtet Initiatorin Maja Dierich-Hoche. Die Künstlerin und Kunstpädagogin, die seit dem Beginn des neuen Studiengangs an der Universität lehrt, hatte hartnäckig mit dem Denkmalschutz verhandeln müssen, um mit Klebeband und Pinsel etwas mehr Farbe in das historische Industriebau-Ensemble bringen zu dürfen.

Als dann endlich das Gerüst stand und die „KlebeBande“ ihr Werk begannen, lud die Kunstpädagogin eine Woche lang Schulklassen an den Ort des Geschehens, um mit ihnen gemeinsam die Tape-Art-Technik zu studieren und selbst auszuprobieren. Rund 150 Potsdamer Schülerinnen und Schüler, von der Grundschule bis zum Kunst-Leistungskurs eines Gymnasiums, haben an den Workshops teilgenommen, die von Lehramtsstudierenden betreut wurden. Was dabei herauskam, ist eine Woche lang im Kesselhaus ausgestellt worden: Tape-Art-Miniaturen im A3-Format, so vielfältig und verschieden wie die Kinder und Jugendlichen selbst. „Uns ist es wichtig, allen die Möglichkeit zu geben, ein Interesse an Kunst zu entwickeln“, sagt Maja Dierich-Hoche. „Wir wollen die kulturelle Teilhabe fördern, vor allem auch bei denjenigen, die zu Hause eher wenig damit in Berührung kommen“, so die Pädagogin. Immer wieder beobachtet sie, wie die Kinder in der eigenen Kreativität nicht nur sich selbst ausdrücken, sondern auch einander besser kennen- und verstehen lernen.

Um von den wertvollen Praxiserfahrungen dieser Woche auch in Zukunft noch profitieren zu können, haben die Studierenden die Workshops gefilmt und ein Tutorial erstellt, das auf der Website des Kunstbereichs allen Lehrenden und Lernenden auch außerhalb der Universität zur Verfügung steht.

 

Dieser Text erschien im Universitätsmagazin Portal - Zwei 2021 „Familie und Beruf“ (PDF).