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Unterwegs in den Anden – Tag 6: Extreme Ereignisse

Geoforschende auf Exkursion in Argentinien
Auf dem Foto ist das Tal von La Poma zu sehen, das 1930 von einem Erdbeben erschüttert wurde. Das Foto ist von Bodo Bookhagen.
Photo : Bodo Bookhagen
Scheinbare Idylle auf 3000 m im Tal von La Poma, das 1930 von einem Erdbeben erschüttert wurde.

„El temblor de la otra vez no ha sido nada comparado con este“ - Das Beben vom letzten Mal war nichts im Vergleich zu diesem Erdbeben (Don José Maíz Peréz, in R. Alonso, 2019. El Terremoto de La Poma 1930). 

Nach einigen Vorbeben im Jahr 1930 zerstörte ein verheerendes Erdbeben Weihnachten 1930 die alte Adobe-Stadt La Poma im nördlichsten Zipfel des Calchaquí-Tals auf einer Höhe von über 3.000 Metern, wobei 36 Menschen starben und mehr als 100 verletzt wurden. Ganze Familien kamen ums Leben oder verloren die Basis ihres Einkommens. Wir fahren heute nach La Poma und wollen die Störungszonen dieser erdbebenaktiven Region studieren, die durch die plattentektonischen Prozesse gesteuert werden.

Das Epizentrum des Erdbebens mit der Magnitude 6 lag bei 24° 41' 59" südlicher Breite und 66° 30' 00" westlicher Länge, während das Hypozentrum in etwa 30 Kilometern Tiefe in der Störungszone auf der westlichen Seite des Tals lag und Schäden verursachte, die einem Erdbeben der Mercalli-Skala VIII entsprechen und somit zur nahezu vollständigen Zerstörung der in Adobe-Bauweise errichteten Häuser führte. Um eine Vorstellung davon zu bekommen, was das bedeutet: Eine Magnitude 6 entspricht der Explosion von etwa 6.270 Tonnen Dynamit oder dem jährlichen Energieäquivalent einer Kleinstadt in einem Industrieland. Neben den Privathäusern wurden die Kirche, die Gebäude der Gemeindeverwaltung, das Postamt sowie Geschäfte zerstört. Es bildeten sich große Risse im Erdboden, der sich an einigen Stellen sogar verflüssigte.

Die Zerstörung hatte schwere wirtschaftliche Schäden zur Folge, denn La Poma war ein wichtiger Ort für den Zugang zu dem ressourcenreichen Hochland der Anden, wo während der Inka-Regierung und später zu Kolonialzeiten Waren transportiert und Maultiere und Esel für den Verkauf an die Bergbauindustrie gehandelt wurden. Während der Herrschaft der Spanier wurden im Schnitt 25.000 Esel und Maultiere pro Jahr nach Norden getrieben. Während des Erdbebens von 1930 wurden die aus Adobeziegeln bestehenden Einfriedungen der Alfalfa-Weiden zerstört, sodass viele Nutztiere sofort die Flucht ergriffen. Ihre wilden Nachkommen streifen heute zu Hunderten durch das Calchaquí-Tal. Das Erdbeben führt uns nochmals die ganz unterschiedlichen und sehr komplexen Aspekte seismischer Aktivität und die Auswirkungen auf Mensch und Umwelt in diesem Teil der Anden vor Augen.

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