Ein Modell zur Gestaltung digitaler Lernräume
Layered Scaffolding in Immersive Learning Environments (LS-ILE) ist ein theoretisches und empirisch fundiertes Modell zur Gestaltung digitaler und immersiver Lernumgebungen. Es beschreibt, wie digitale Ebenen („Layer“) so strukturiert und aufeinander abgestimmt werden können, dass sie Lernprozesse unterstützen, Orientierung bieten und kognitive Überlastung vermeiden.
Ausgangspunkt des Modells ist die Beobachtung, dass digitale Lernumgebungen zunehmend komplexe Informations- und Interaktionsräume darstellen. In XR-basierten und räumlichen Lernsettings treffen Lernende häufig gleichzeitig auf multiple Inhalte, Interfaces und Handlungsoptionen. Ohne geeignete Strukturierung kann dies zu Desorientierung, erhöhter kognitiver Belastung und reduzierter Lernwirksamkeit führen.
LS-ILE adressiert dieses Problem, indem es digitale Lernräume als geschichtete Ordnungen versteht, deren Ebenen gezielt gestaltet und koordiniert werden müssen.
Die Layer-Logik
Das Modell unterscheidet mehrere funktionale Layer, die unterschiedliche Aspekte des Lernprozesses adressieren, darunter:
- Orientierungs-Layer, die räumliche und inhaltliche Orientierung ermöglichen,
- Aufgaben- und Prozess-Layer, die Lernhandlungen strukturieren,
- Kognitive Entlastungs-Layer, die Informationsverarbeitung unterstützen,
- Konzeptuelle und strategische Layer, die Verständnis und Transfer fördern,
- Reflexions-Layer, die metakognitive Prozesse anregen.
Ergänzt werden diese Ebenen durch einen übergreifenden Meta-Layer, der Adaptivität, Dynamik und situative Anpassung ermöglicht. Dieses erweiterte Referenzmodell wird als LS-ILE-RM (Reference Model) bezeichnet.
Abgrenzung und Beitrag
LS-ILE unterscheidet sich von klassischen Scaffolding-Ansätzen und XR-Designheuristiken dadurch, dass es:
- nicht einzelne Interventionen betrachtet, sondern die Gesamtstruktur digitaler Lernräume,
- kognitive, räumliche und didaktische Perspektiven systematisch integriert,
- sowohl für virtuelle als auch für hybride und ortsbezogene Lernumgebungen anwendbar ist.
Das Modell dient damit nicht nur als didaktisches Gestaltungswerkzeug, sondern auch als Analyse- und Forschungsrahmen für digitale Lernräume in Bildung, Arbeit und öffentlichen Kontexten.
Anwendung im Spatial Context
Im Rahmen des Digital Spatial Lab wird LS-ILE auf reale Orte übertragen, etwa auf Campusbereiche, schulische Lernumgebungen oder urbane Lernräume. Digitale Layer werden dabei nicht isoliert eingesetzt, sondern als Bestandteil einer räumlich und didaktisch strukturierten Umgebung verstanden.
So bildet LS-ILE die konzeptionelle Grundlage für die Gestaltung und Evaluation digitaler Räume im Übergang von formalen, non-formalen und informellen Lernkontexten.
Bedeutung für Forschung, Lehre und Transfer
LS-ILE ist:
- theoretischer Kern des Forschungsprogramms,
- didaktische Grundlage projektorientierter Lehrformate,
- Referenzrahmen für Reallabore und Transferprojekte.
Das Modell ermöglicht es, digitale Lernräume systematisch zu entwerfen, empirisch zu untersuchen und verantwortungsvoll weiterzuentwickeln.
Hinweis: Das Modell „Layered Scaffolding in Immersive Learning Environments (LS-ILE) “ befindet sich derzeit in der wissenschaftlichen Weiterentwicklung und wird im Rahmen laufender Forschungsarbeiten empirisch untersucht.
