Prof. Dr. Ottmar Ette

Professur für französisch- und spanischsprachige Literatur

 

Veranstaltungen

<< zurück zur Übersicht

ArabAmericas. Literatures without a fixed abobe.  Conference schedule | Reading and Roundtable | Contact     Location | Ethnologisches Museum, Arnimallee 23, 14195 Berlin (Entrance: Junior-Museum, 1. Fl.)

ArabAmericas.

TransAtlantisch.

16.-17. Juni 2005

Zentrum Moderner Orient, Kirchweg 33, 14129 Berlin

 

Teilnehmer | Ziele | Arbeitsfelder | Kontakt

Es gibt eine Verflechtung arabisch-amerikanischer Literaturen, die in Europa noch nicht wahrgenommen wird. In der europäischen Forschung ist noch nicht nach der produktiven Rezeption latein- und US-amerikanischer Literaturen in arabischen Ländern oder nach den arabisch-stämmigen bzw. arabophonen Literaturen in den nord- und südamerikanischen Ländern gefragt worden.

nach oben

Teilnehmer

Luis Fayad (Kolumbien)
Nathalie Handal (USA)
Alberto Ruy-Sanchez (Mexiko)
Lisa Suhair Majaj (USA)
Susana Romano-Sued (Argentinien)
Ottmar Ette (Potsdam)

nach oben

Ziele

Der geplante Workshop intendiert jenseits essentialistischer Identitätskonzepte und nationalstaatlicher Grenzziehungen neue Modelle transkultureller Dynamiken im transatlantischen Beziehungsgeflecht zu entwickeln.

Ziel ist die Umkehrung der Perspektive. Die bislang vorherrschende Sichtweise der Forschung orientiert sich noch immer an fest eingrenzbaren politischen, historischen oder literarischen Phänomenen und betrachtet als Ausnahme, was sich derart fixierten Kategorien entzieht. Was bislang als „Ausnahme“ erachtet wurde, soll im Kontext globalisierter und teilweise asymmetrisch ablaufender Kommunikationsprozesse ins Zentrum der Beobachtung gestellt werden und damit als „Regel“ aufgefasst werden.

Arabisch-amerikanische Austauschprozesse und Konfliktzonen sollen aber nicht nur illustriert und analysiert werden, sondern vielmehr besteht das Ziel darin, den Mehrwert des Zusammenwirkens unterschiedlicher Literaturen und Literaturtraditionen und ihrer wechselseitigen Durchdringung kultureller und politischer Art begrifflich fassbar zu machen.

Da diese Gesellschaften und ihre Literaturen im arabisch-amerikanischen Spannungsfeld zunehmend folgenreiche Veränderungen unterliegen, kann nicht länger auf ein feststehendes Repertoire von Analyseverfahren, Deutungsmustern und Terminologien zurückgegriffen werden. So sind etwa im Bereich der Literatur Begriffe wie „Nationalliteratur“ oder „Weltliteratur“ europäischer Provenienz nur begrenzt und in spezifischen Kontexten anwendbar. Es geht vielmehr um die Zwischenräume und Bewegungsräume des Lokalen, Nationalen und Globalen.

Vergleichbar mit der Zielsetzung des West-östlichen Diwan soll das Spektrum der in Deutschland wahrgenommenen Literatur erweitert, Kontakte unter Autoren gefördert und Deutschland (Europa) als ein Ort bestärkt werden, der kulturelle Vielfalt und Kommunikation willkommen heißt.

nach oben

Arbeitsfelder

Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich die geplante Tagung mit der Genese und Tranformation der arabischen Immigrantenliteratur Al-Mahjar in Lateinamerika und in den USA und sieht drei Arbeitsfelder vor:

Werke: Im Jahr 1999 ist eine der wichtigsten polyphonen Anthologien Post Gibran. Anthology of New Arab American Writing (Mattawa/Akash) erschienen. Sie kommentiert die Prozesse der kulturellen Mobilität in der arabisch-amerikanischen Literatur. Die Vielfalt an Genres und Stimmen, die hier zusammengetragen wurden, dokumentiert sich in Dichtung, Theater, Romanen, Tagebüchern, Zeitschriften, kritischen Essays und Memoiren, geschrieben von Männern und Frauen unterschiedlicher Generationen, von arabischen Emigranten, arabisch-amerikanischen Bürgern, die in den USA geboren wurden und nicht-Arabern, die sich zur arabischen Welt hingezogen fühlen. Es handelt sich hier nicht mehr um eine Nischenliteratur. In diesem Arbeitsfeld werden Fragen nach polyphonen Schreibstilen, Besonderheiten ästhetischer Kategorien, die sich aus den wechselseitigen Bewegungen zwischen den arabischen und amerikanischen Einflüssen gebildet haben sowie der Vergleich der arabisch-amerikanischen Literaturen mit arabischen Literaturen im arabischen Raum behandelt. Eine intensive Betrachtung dieser Literaturen gibt Hinweise auf die Verbindung von arabischen und amerikanischen Literaturtraditionen hinsichtlich ihres ästhetischen und intertextuellen Formates. So wird sichtbar, dass sich gerade die vielen Frauen unter den Künstlern auf arabische Vorbilder stützen und sich freimütig arabischer Erzähltraditionen bedienen, diese aber mit ihren eigenen Erfahrungen vor Ort aufladen.

Autoren: Charakteristisch für Exil- und Immigrationsliteraturen ist die Aufarbeitung von Einwanderungs- und Diaspora-Erfahrungen. Häufig werden diese literarisch in generationsübergreifenden Familiengeschichten und Reisebeschreibungen verarbeitet. Am Beispiel der arabisch-amerikanischen Literaturen lassen sich verwandte Fragen nach dem Verhältnis von Identität und Alterität, Tradition und vermeintlicher Heimatlosigkeit stellen. So ist zu untersuchen, welchen Bezug die Autoren zu ihren jeweiligen Herkunftsländern herstellen. Die arabisch-amerikanischen Schriftsteller und Schriftstellerinnen stammen aus allen Teilen der arabischen Welt, einschließlich Nordafrika und dem Golf.

Gefragt werden muss nach orientalischen Exotismen, der Verarbeitung vor allem negativer Erfahrungen durch Flucht und Vertreibung, Integration in die neuen Gesellschaften und die imaginäre Wiederbegegnung mit der alten Heimat. Auffallend häufig finden sich politische Bezüge z.B. zum Golfkrieg im Irak, zur Intifada oder zu Beispielen patriarchaler Gesellschaftsstrukturen. Gleichzeitig stehen die Literaturen in einem amerikanischen Kontext und die Autoren integrieren ihre aktuelle Lebenswelten in ihre literarischen Arbeiten. Die Themenfelder sind nicht auf Fragen nach der Kultur und Identität beschränkt, sondern sind viel weitreichender. Sie schließen sozialkritische und politische Themen, die ihren Alltag berühren, aber auch Erinnerung und Nostalgie ein.

Publikum: Es liegt auf der Hand, danach zu fragen, wer die arabisch-amerikanische Literatur liest. Während es einige arabisch-amerikanische Autoren schaffen, die globalen Märkte zu erobern, werden die meisten literarischen Werke von der heterogenen arabisch-amerikanischen Gemeinschaft gelesen und rezipiert. Hier erfüllt die Literatur die Aufgabe der Vermittlung zwischen verschiedenen Lebenswelten. Im arabischen Raum finden sie jedoch kaum Resonanz.

Es gilt daher zu untersuchen, aus welchen Gründen es ein Rezeptionsgefälle von den arabischen Regionen in die amerikanische Hemisphäre gibt. Ein differenzierter Literaturvergleich könnte Antworten auf die Frage geben, in welchen Prozessen sich die wechselseitige literarische Imagination tatsächlich entfaltet.

Ferner gilt es herauszuarbeiten, in welchem Maße arabisch-amerikanische Literaturen im nicht-arabischen Umfeld sichtbar sind und nicht nur als Beitrag einer ethnischen Nische wahrgenommen werden. Hier gilt es, das Verhältnis von Arabismen zu Americana, von Konservierung arabischer Traditionen zu Assimilation, von Xenophobie zu Integration zu analysieren.

nach oben

Kontakt

externer link Wissenschaftskolleg zu Berlin // institute for advanced study

Der Workshop steht im Kontext der Projekte Arbeitskreis Moderne und Islam und Wege des Wissens. Transregionale Studien am Wissenschaftskolleg zu Berlin. Er ist Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit neuen theoretisch-analytischen Fragestellungen und findet statt in Kooperation mit dem Zentrum Moderner Orient, das die Konferenzräume für die Tagung zur Verfügung stellt. Die Ergebnisse der Tagung sollen in den Projekten am Wissenschaftskolleg vertieft werden.

 

Prof. Dr. Ottmar Ette

Kontakt

Universität Potsdam
Institut für Romanistik

Prof. Dr. Ottmar Ette
Komplex I, Haus 19, Raum 425

Am Neuen Palais 10
D-14469 Potsdam

Tel.: +49-331-977-4191
Fax: +49-331-977-4252

Sekretariat:
Gabriele Penquitt (Raum 431)
Tel.: +49-331-977-4250
Fax: +49-331-977-4252

Bild mit Studenten auf dem Campus