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Brandenburger Antike-Denkwerk (BrAnD)

Gefördert von der Robert Bosch Stiftung im Rahmen des Förderprogramms Denkwerk

 

www.BrAnd2.

Wille. Würde. Wissen. Zweites Brandenburger Antike-Denkwerk

Laufzeit: 2014-2017

Die Robert Bosch Stiftung hat in ihrem Förderprogramm „Denkwerk“ Geld für Projekte an der Schnittstelle zwischen Geisteswissenschaften und Schulen zur Verfügung gestellt. Bei „Denkwerk“ sollen sich Geisteswissenschaftler, Lehrer und Schüler vernetzen und gemeinsam an dauerhaften Projekten arbeiten. Es ist uns gelungen, mit der Weiterentwicklung unseres Brandenburger Antike-Denkwerks (BrAnD) umfangreiche Drittmittel für drei Jahre einzuwerben.

1. Kurzvorstellung

Die Frage nach Entwicklung und Status menschlicher Identität ist wichtiger denn je. Mediale Explosion und Flexibilitätsforderungen des Alltags beeinträchtigen den Diskurs zwischen Jung und Alt, Heute und Vergangenheit. Wir wollen mit jungen Menschen die Gedankenwelt der Antike zu großen Themen menschlicher Existenz befragen. Das Projekt baut auf dem großen Erfolg des Brandenburger Antike-Denkwerks auf. Es will Schüler für Latein und Geisteswissenschaften allgemein begeistern. Hierbei sollen mit Blick auf die übergeordneten Themen Wille, Würde, Wissen Grundkonstanten menschlichen Lebens in ständigem Vergleich zwischen Antike und Heute reflektiert werden. Die Schüler werden angeregt, über bedeutsame Fragestellungen eigenständig zu forschen. In dem Projekt arbeiten Schule, Studienseminar und Universität auf innovative Weise zusammen. Dauer und Umfang des Projekts (Großveranstaltungen, Schülerakademien, Publikationen) machen eine finanzielle Unterstützung unabdingbar.

2. Konzeption

Schüler, Studenten, Referendare, Lehrer und Dozenten vernetzen sich.
Schüler erhalten Einblick in die Aktualität altertumswissenschaftlicher Forschung, werden wissenschaftspropädeutisch angewiesen, forschen eigenständig und üben sich in wissenschaftlicher Präsentation. Studenten erhalten Impulse für eigene didaktische und wissenschaftliche Arbeit. Referendare/Studenten arbeiten fachübergreifend und sammeln Projekterfahrungen. Lehrer reaktivieren universitäre Erfahrungen und treten in den Diskurs mit ihren universitären Partnern in Lehre und Forschung. Dozenten erhalten Rückmeldung zur Lehrerausbildung. Der Wettbewerb ermöglicht die Teilnahme verschiedener Schulen und fördert die Qualität.

3. Ablauf

  1. Vorstellung des jeweiligen Themas (1. Jahr: Wille; 2. Jahr: Würde; 3. Jahr: Wissen)
    auf dem Potsdamer Lateintag an der Uni Potsdam
    (etablierte Großveranstaltung mit wiss. Vorträgen, Schnupperseminaren, Lehrerworkshops).
    Einladung zur Projektbeteiligung an Schulen im Land Brandenburg
  2. Bewerbungsphase der Schulprojekte; Auswahl von 5 Projekten
  3. Festlegung der aktuellen Themen, Arbeitsvorhaben und Konstituierung der Teams
    (Schülergruppe, Lehrer, Student/Referendar, Dozent)
  4. Einarbeitung in die Themen an den verschiedenen Standorten
  5. Zusammenführen der Ergebnisse auf einer mehrtägigen Schülerakademie
    (Vorträge, Workshops, Präsentation bei Schülerkongress), die die Klassische Philologie der
    Uni Potsdam ausrichtet
  6. Auswertungs- und Veröffentlichungsphase
    (incl. Publikation durch die Klass. Philologie der Uni Potsdam)
  7. Präsentation der besten Leistungen auf dem folgenden Lateintag

4. Wissenschaftliche Methoden und Fragen

Die Schüler werden mit den zentralen Techniken wissenschaftlichen Arbeitens auf geisteswissenschaftlichem Gebiet vertraut gemacht:
Einführung in grundlegende literatur- und kulturwissenschaftlicher Methoden, Finden und Eingrenzen einer wissenschaftlichen Fragestellung, Literaturrecherche, Erarbeitung eines Zeitplans und einer Gliederung für das jeweilige Arbeitsvorhaben, Erlernen der korrekten Zitationsweise, Anlegen eines Literaturverzeichnisses, Realisierung der Arbeit nach Maßgabe der aktuellen formalen Konvention, Berücksichtigung der wissenschaftlichen Fachsprache, Präsentation (Vortrag, PowerPoint, Handout u.a.) und Verteidigung bzw. Diskussion der Ergebnisse auf einem Schülerkongress.
Zu Wille, Würde und Wissen könnte jeweils gefragt werden:

1. Wille

1.1. Welche Bezeichnungen finden wir in der lateinischen Sprache? Wo lesen wir inhaltliche Definitionen? Verändern die Begriffe ihre Bedeutung in den verschiedenen Epochen? Gibt es Entsprechungen in den modernen Sprachen?
1.2. Wie haben sich die großen Philosophenschulen der Antike über den Willen geäußert? Wie entsteht z.B. der Wille? Wurde dies biologisch erklärt? Welche Rolle spielt dabei die Seele? Wie kann z.B. die Stoa von einem Schicksal sprechen, den Menschen aber dennoch für sein Handeln verantwortlich machen? Wie sieht die Ideengeschichte aus? Lassen sich diese Vorstellungen auf unsere Zeit übertragen? Welche Antworten gibt die moderne Philosophie oder die Hirnforschung?
1.3. Welche Rolle spielte die Vorstellung des menschlichen Willens in Politik und Gesellschaft? Wer konnte wie seinen Willen in die Gesellschaft tragen (Männer, Frauen, Kinder, Bürger, Sklaven, Freigelassene)? Welche Möglichkeiten und Grenzen der Umsetzung gab es in den antiken Gesellschaftsordnungen? Welche Rolle spielt der Wille des Individuums heute?
1.4. Wie wird Wille in der antiken Literatur thematisiert? Welche Willensfreiheit hat der Mensch z.B. in der Aeneis: Folgt Aeneas nur dem Auftrag der Götter, übernimmt er ihn bewusst, oder findet das Schicksal verantwortungsbewusste Träger, so dass es sich erfüllen kann? Wie ist das Verhältnis von Wille und Leidenschaft in den Tragödien Senecas? Wie ist es zu verstehen, wenn sich z.B. Medea bewusst, d.h. willentlich ihrer Raserei hingibt? Welche Wissenskonzepte begegnen in der Gegenwartsliteratur?

2. Würde 

2.1. Welche Bezeichnungen finden wir in der lateinischen Sprache? Wo lesen wir inhaltliche Definitionen? Verändern die Begriffe ihre Bedeutung in den verschiedenen Epochen? Gibt es Entsprechungen in den modernen Sprachen?
2.2. Wie haben sich die großen Philosophenschulen der Antike über die Würde geäußert? Wem wurde warum Würde zugesprochen? Wie haben sich die Konzepte in der europäischen Geschichte entwickelt? Wie sehen moderne Konzepte aus?
2.3. Welche Rolle spielte die Vorstellung der Würde in Politik und Gesellschaft? Wie manifestierte sich Würde? Welche Möglichkeiten und Grenzen der Umsetzung gab es? Wie steht es mit der Unantastbarkeit der Menschenwürde nach 2000 Jahren Geistesgeschichte? Wie werden offensichtliche Verstöße in Theorie und Praxis reguliert? 
2.4. Wie wird Würde in der antiken Literatur thematisiert? Was verlangt z.B. Cicero für eine ihm angemessenes Lebensform? Welche Exempla liefern die antiken Historiker? Wie stellt sich Catull zu den tradierten Vorstellungen? Scheitert Dido am Verlust ihrer Würde? In welcher Weise wird Würde in der Gegenwartsliteratur thematisiert?

3. Wissen

3.1. Welche Bezeichnungen finden wir in der lateinischen Sprache? Wo lesen wir inhaltliche Definitionen? Verändern die Begriffe ihre Bedeutung in den verschiedenen Epochen? Gibt es Entsprechungen in den modernen Sprachen?
3.2. Wie haben sich die großen Philosophenschulen der Antike über Wissen geäußert? Wie entsteht Wissen? Gibt es sicheres Wissen? Wie lässt sich dies beweisen? Wie äußert sich die moderne Gedächtnisforschung?
3.3. Welche Rolle spielte Wissen in Politik und Gesellschaft? Welches Wissen galt wann als relevant? Wie wurde Wissen archiviert bzw. vermittelt? Wann war Wissen Macht? Wie und warum änderte sich der Wissenskanon? Wie viel können/müssen wir heute angesichts der nahezu unbegrenzten Informationsmöglichkeiten wissen? Ist heute Kompetenzerwerb wichtiger als Wissenserwerb?
3.4. Wie wird Wissen in der antiken Literatur thematisiert? Welche Gattungen dienten der Wissensvermittlung? Wie wurde Wissensstoff schmackhaft gemacht (z.B. als Gedicht, Anekdotensammlung)? Welches Wissen setzt ein Text voraus? Welche Rolle spielt die Aneignung von Wissen in der Gegenwartsliteratur?


Laufzeit: 2007-2011; inzwischen abgeschlossen

Die Robert Bosch Stiftung hat in ihrem Förderprogramm „Denkwerk“ Geld für Projekte an der Schnittstelle zwischen Geisteswissenschaften und Schulen zur Verfügung gestellt. Bei „Denkwerk“ sollen sich Geisteswissenschaftler, Lehrer und Schüler vernetzen und gemeinsam an dauerhaften Projekten arbeiten. Es ist uns gelungen, mit unserem Konzept eines Brandenburger Antike-Denkwerks (BrAnD) umfangreiche Drittmittel für drei Jahre einzuwerben. Jedes Jahr können 10 Schulprojekte mit je 700, - € unterstützt werden.

1. Kurzvorstellung von BrAnD

Das auf drei Jahre angelegte Programm BrAnD will entflammen, und zwar das Interesse von Schülerinnen und Schülern für das Fach Latein, die antike, die eigene und fremde Kultur sowie die Geisteswissenschaften generell. Die antike Kultur, uns als Wurzel der europäischen Kulturgeschichte vertraut, aber doch so fremd, soll in diesem Denkwerk die Grundlage bilden, um über 'Kulturelle Identität' zu reflektieren und zu forschen. BrAnD kann dabei bereits bestehende Strukturen aufgreifen und ausbauen. Der bisher einmal im Jahr stattfindenden Veranstaltung des Potsdamer Lateintags soll ein Denkwerk an die Seite gestellt werden, das nicht aus einer einmaligen Wissensvermittelung besteht, sondern in dem Anregungen aufgegriffen und in von Schülern gestaltete Forschungsprojekte umgesetzt werden, wodurch Nachhaltigkeit in Wissens- wie Kompetenzerwerb angestrebt ist. Jedes Jahr wird ein Themenbereich (A: Alltagsleben/Prägung kultureller Identität; B: o tempora, o mores. Relevanz und Relativierung von Wertbegriffen; C: Macht und Ohnmacht der Worte – Gesellschaft und Rhetorik) bei dem Potsdamer Lateintag vorgestellt und anschließend an den Schulen in Einzelprojekten erarbeitet. In der Bearbeitungsphase werden die Schüler/innen von Studierenden unterstützt; die Studierenden selbst werden durch Vertreter der Fachdidaktik bzw. des Studienseminars betreut; ferner besuchen Fachwissenschaftler/innen die Projekte. Die Projekte werden am folgenden Lateintag präsentiert und ausgewertet; Berichte über die Projekte werden in einer Zeitschrift veröffentlicht; Materialen u.ä. auf einer Internetseite zugänglich bemacht. Zielgruppen sind ganze Klassen verschiedener Altersstufen. Das besondere Charakteristikum wird die enge Kooperation zwischen Universität (Klassische Philologie und Fachdidaktik), Schulen (vertreten durch die Fachberater/innen Latein) sowie Referendariatsausbildung (Studienseminar Neuruppin) sein, ein Ansatz, der innovativ ist, da es in Brandenburg auch in anderen Fächern bisher nichts Vergleichbares gibt. BrAnD ist interdisziplinär angelegt; der Schwerpunkt liegt im Fach Latein, hinzugezogen werden jedoch auch Alte Geschichte, Philosophie, Kunstgeschichte und Archäologie.

2. Konzeption von BrAnD

Übergeordnetes Thema ist 'Kulturelle Identität', wobei der Kulturbegriff weit gefasst wird. Dieses Thema soll innerhalb von drei Jahren in aufeinander abgestimmten Einzelprojekten erarbeitet werden (A-C; s.u.). Diese Themen sind so ausgewählt, dass sie ganze Klassen als Zielpartner haben; angesprochen werden alle Klassenstufen, da die Themen auf verschiedenen Stufen bearbeitet werden sollen und können. Dies wird dadurch möglich, dass sie auf die neuen curricularen Vorgaben für den Lateinunterricht in der Sekundarstufe II bzw. auf den Rahmenplan der Sekundarstufe I (Kerncurriculum für die Qualifikationsphase der gymnasialen Oberstufe/Latein, 2006; RLP Latein, Sek. I, 2002) Bezug nehmen; sie bilden diese jedoch nicht einfach ab, sondern erweitern und vertiefen sie, indem sie Einzelaspekte in größere Zusammenhänge einordnen; da sie dabei keine gänzlich neuen Gebiete behandeln, können sie in den Schuljahresplan integriert werden. Sie erfüllen zugleich in hervorragender Weise den erweiterten wissenschaftspropädeutischen Ansatz des Curriculums sowie die Forderung an die Schulen, mit außerschulischen Kooperationspartnern wissenschaftsorientiert zusammenzuarbeiten. Ebenso tragen die Themen zur Entwicklung der interkulturellen Kompetenz bei, die zu den zentralen Zielen des Kerncurriculums gehört.

3. Themen von BrAnD

A. Alltagsleben/Prägung kultureller Identität (2007/8)

Nicht nur die Tatsache, dass es der Alltag ist, der die kulturelle Identität – oft unbewusst – grundlegend prägt, war ausschlaggebend, dieses Thema zum Einstieg zu wählen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass es gerade die Auseinandersetzung mit Alltagsgegenständen, -tätigkeiten und -riten ist, die den ersten Einblick in eine fremde Kultur erleichtert: Das Fremde und Ver-bindende kann hier besonders leicht erkannt werden; man wird angeregt, die eigene kulturelle Identität zu überdenken; die Antike wird als unser nächstes Fremdes greifbar.

Hierbei sollen Projekte zu folgenden Aspekten erarbeitet werden, bei denen auch der realienkundliche Bereich eine größere Rolle spielen kann und soll:
A.1. Wohnen in der Antike
Wie wohnte man? Wer wohnte wo und wie? Wie lebte man in der Stadt, wie auf dem Land? Wie bestimmt das Wohnen die soziale Differenzierung? Wer plante die Städte? Wie wurden Städte versorgt? Welche Folgen haben die Wohnformen für die soziale Kommunikation? Wie wird Wohnen in der Literatur thematisiert? Welche Nachwirkungen haben die antiken Wohnformen heute; was ist ähnlich, was anders?
A.2. Essen in der Antike
Was aß man? Wer aß was? Wie veränderte sich das Essverhalten? Welche Rolle spielt Essen in der sozialen Differenzierung? Welche Rolle spielen Essenseinladungen für die soziale Kommunikation? Wie wird Essen in der Literatur inszeniert? Wo sind Parallelen, wo Unterschiede zu heute?
A.3. Kleidung in der Antike
Was trug man? Wer trug was? Was sagte Kleidung aus? Welche Rolle spielte Kleidung für die soziale Kommunikation? Welche Rolle spielt Kleidung in der Literatur? Gab es eine der heutigen Mode vergleichbare Erscheinung in der Antike? Gab es modische Trends? Und wenn ja: Wer setzte sie?
A.4. Badekultur in der Antike
Welche Rolle Hygiene in der Antike? Was waren Thermen? Wie funktionierten sie? Wer besuchte sie? Wie unterscheiden sie sich von modernen Bade- und Sportanlagen bzw. welche Rolle spielten sie für die soziale Kommunikation? Wie werden sie in der Literatur behandelt?
A.5. Lesen und Schreiben in der Antike
Wie schrieb man? Wer konnte lesen und schreiben? Was las man überhaupt? Welche Macht erwarb man durch diese Kompetenzen? Was hat davon bis heute Nachwirkung?

Bericht vom Lateintag 2007
Publikation des Lateintages 2007 (Universitätsverlag)
Bericht vom BrAnD-Schülerkongress 2008

B. o tempora, o mores. Relevanz und Relativierung von Wertbegriffen (2008/9)

In der heutigen Zeit, in der die Wertediskussion wieder entbrannt ist, richtet sich der Blick häufig, aber bisweilen unhinterfragt auf die Werte der Antike. In dem Versuch, sich gegenüber anderen Kulturen oder politischen bzw. gesellschaftlichen Systemen abzugrenzen, greifen viele Politiker und Gesellschaftswissenschaftlicher auf das gemeinsame geistes- und kulturgeschichtliche Fundament Europas zurück. In diesem Projekt soll exemplarisch die Besonderheit der römischen Wertvorstellungen erarbeitet werden. Was verstand man unter dem so genannten mos maiorum? Wie konnten diese Werte so lange tradiert werden? Wie 'funktionierten' sie? Welche Ursachen führten zum viel beklagten Werteverfall in der späten Republik? Sind diese Wertvorstellungen überhaupt mit unseren zu vergleichen?

Hierbei sollen Projekte zu folgenden Aspekten erarbeitet werden:
B.1. mos maiorum – Der römische Wertekanon
Welche Begriffe gehören zu den römischen Wertvorstellungen? Was implizieren sie? Inwiefern unterscheiden sie sich von griechischen oder modernen?
B.2. Wertewandel und seine Ursachen aus der Sicht antiker Autoren
Untersucht werden soll der dynamische Aspekt der römischen Wertvorstellungen: Wie haben Zeitströmungen auf die Ausformung der Werte jeweils eingewirkt? Wie lange gaben diese Wertvorstellungen als mos maiorum ein gültiges Orientierungsschema ab?
B.3. ad rem publicam accedere aut de re publica recedere? Soziale Verantwortung gegenüber dem Gemeinwesen und die Antworten der Philosophie (Stoa und Epikur)
Untersucht werden soll der aktive Aspekt der römischen Wertvorstellungen: Handelt es sich um philosophische Ideen oder erweist sich uirtus oder fides erst in der Aktion? Welche Antworten gaben die Stoa und Epikur? Traten diese in Konkurrenz zu den tradierten Wertvorstellungen? Kann die antike Philosophie Argumente für oder gegen ein politisches Engagement junger Menschen heute (im Deutschland des Jahres 2007) liefern?
B.4. do ut des. – Ich gebe, damit du gibst.
Untersucht werden soll der reziproke und funktional-pragmatische Aspekt traditioneller römischer Wertvorstellungen: Wie ‚funktionierten‘ Werte in Rom? Waren sie in der römischen Welt ohne Wechselwirkung möglich, d.h. welche Reaktionen waren impliziert? Handelte es sich um ethisch begründete oder gar philosophisch fundierte Werte oder um auf die Praxis ausgerichtete Leitlinien? Wie funktionieren Wertvorstellungen heute?
B.5. humanitas – Humanität. Ein Erbe der römischen Antike?
Kaum ein Begriff hat im europäischen Denken eine vergleichbare Nachwirkung gehabt wie die humanitas, gilt sie doch als Basis für die globalen Menschenrechte sowie für die westlichen Demokratien. Untersucht werden soll, wie römische Autoren (z.B. Cicero und Seneca) diesen Begriff entwickeln, wie er sich zu den traditionellen römischen Wertvorstellungen verhält, in welcher Zeit er besondere Wirksamkeit entwickelt, wie er im europäischen Denken rezipiert wurde, welche Rolle der christliche Einfluss spielt und welche Bedeutung humanitas in unserer Zeit haben kann.

Materialien zu "B. o tempora, o mores. Relevanz und Relativierung von Wertbegriffen (2008/9)"

Bericht vom Lateintag 2008
Publikation des Lateintags 2008 (Universitätsverlag)
Bericht vom BrAnD-Schülerkongress 2009

C. Macht und Ohmacht der Worte – Gesellschaft und Rhetorik (2009/10)

Aus der Antike stammen nicht nur die heute noch benutzten Rhetoriktheorien und -anweisungen. Auch das reziproke Verhältnis von Gesellschaft und Rhetorik wurde hier vorgelebt und vorgedacht. In diesem Projekt soll mit antiken Rhetoriklehren vertraut gemacht werden, antike Reden auf deren Umsetzung und auf ihre Wirkung betrachtet und die Möglichkeit einer heutigen Umsetzung überprüft werden: Welche Wirkung kann man mit gezieltem Einsatz der von antiken Rhetoriklehrern empfohlenen Mittel erzeugen? Kann man so auch heute noch „die schwächere Sache zur stärkeren“ machen? Daneben soll aber auch das reziproke Verhältnis von Staatsform und Beredsamkeit bzw. Redefreiheit untersucht werden. Dies leitet zur übergeordneten Frage zum Verhältnis von Wort und Macht: Wer bestimmt in den Bereichen, die uns direkt angehen, wer in wessen Namen und mit welchen Folgen was wie zu wem sagen darf?

Hierbei sollen Projekte zu folgenden Aspekten erarbeitet werden:
C.1. Rhetor - orator. Welche Anleitungen für den Redner in der griechischen und römischen Antike gab es? Welche Konstanten zeigen sich in den Vorschriften griechischer und römischer Anleitungen? Worauf kommt es beim Reden an? Sind diese Regeln heute noch gültig?
C.2. Von der Agora zum forum Romanum. Große Reden der Antike und ihre gesellschaftlichen Voraussetzungen und Wirkungen. Gibt es heute vergleichbare Mechanismen?
C.3. Ungehaltene Reden. Ovid lässt mythische Frauengestalten anklagende Briefe schreiben, Christa Wolf verleiht Frauen ihr Wort; doch schon Thukydides erklärt, dass die Reden in seinem Geschichtswerk zum Teil in der Form wiedergegeben sind, in der sie hätten gehalten werden müssen. Hier sollen zu großen Reden (vgl. c.2.) Antworten gesucht werden (Was hätte Catilina Cicero antworten können?), oder mythische bzw. historische Figuren nach Analyse der Situation zu Wort kommen.
C.4. Staatsform/Gesellschaft/Redefreiheit. Die Entwicklung der Beredsamkeit, die historische Situiertheit, ihre Höhe- und Tiefpunkte in der Antike sollen analysiert werden. Welche Vergleiche lassen sich zur Neuzeit ziehen?
C.5. Wort und Macht. In Rückgriff auf die Themenkomplexe A und B soll reflektiert werden, wie das Wechselspiel von Rhetorik und Alltag bzw. Rhetorik und Wertvermittlung funktioniert. Wer darf in wessen Namen und mit welchen Folgen was wie zu wem sagen?

Materialien zu "C. Macht und Ohmacht der Worte – Gesellschaft und Rhetorik (2009/10)"

Bericht vom Lateintag 2009
Bericht vom BrAnD-Schülerkongress 2010

Publikation des Lateintags (Universitätsverlag)

D. Römisches Recht (2010/11)

Das Römische Recht ist ein faszinierender Forschungsbereich. Es hat die Rechtsentwicklung geprägt und wirkt noch heute nach. Gleichzeitig gehört es zu den Themen, die uns bei der Lektüre lateinischer Texte immer wieder begegnen, die aber Fragen aufwerfen, da man mit der speziellen Thematik oft nicht vertraut ist. Das Projekt möchte die Lücke schließen. Es sollen nicht nur literarische Texte auf ihren rechtlichen Hintergrund befragt werden, sondern auch Fragen gestellt werden, wie der Alltag rechtlich geregelt war. Welche Rechte galten in der Familie? Welche Rolle spielt die Haftung? Wie war der Geldverkehr geregelt? Schließlich wird untersucht, wie allgemeine Rechtsgrundsätze heute nachwirken. Neben der wissenschaftlichen Beschäftigung mit diesen Fragen soll immer auch der Vergleich mit heute gezogen werden.

D.1. Die Familie, insb. patria potestas
Wie war das Familienleben geregelt? Welche Macht hatte der pater familias? Wie weit erstreckte sich diese? Über wie viele Generationen? Welche Rechte hatten Frauen, Kinder?
Wo sind Parallelen, wo Unterschiede zu heute?
D.2. Haftung, Lex Aquilia
Wie war das Haftrecht geregelt? Wofür musste man haften? Was galt für Fälle des Schadenersatzes? Wo sind Parallelen, wo Unterschiede zu heute?
D.3. Geld, insb. die Kauf-Tausch-Kontroverse
Seit wann gab es Geld und warum? Wo sah man den Ursprung? Wie war der Geldverkehr geregelt? Was ist der Unterschied zwischen Kauf und Tausch? Wo sind Parallelen, wo Unterschiede zu heute?
D.4. in dubio pro reo? Allgemeine Rechtsgrundsätze heute wirkend
Woher stammen die uns heute geläufigen Formeln? Wie haben sie sich entwickelt?
D.5. Rechtsfälle in der Literatur
Rechtsfälle begegnen sehr häufig in der antiken Literatur, nicht nur in Reden, sondern auch in Redelehrbüchern, wo groteske Rechtsfälle erdacht sind, aber vor allem auch sonst, z.B. Fabeln des Phaedrus. Welche Rechtsgrundlagen lassen sich feststellen? Wie ist der Rechtsfall dargestellt? Wie soll der Leser den Rechtsfall beurteilen? Welche Funktion nimmt der rechtliche Aspekt im Werk ein?

Materialien zu "D. Römisches Recht (2010/11) "

Bericht vom Lateintag 2010

Bericht vom BrAnD-Schülerkongress 2011

Publikation des Lateintages (Universitätsverlag)

4. Ablauf von BrAnD

Allgemein:
Jedes Jahr wird eines der Themen erarbeitet. Dazu werden am Potsdamer Lateintag die Themen jeweils vorgestellt und im Laufe des Jahres als Teilprojekte an ausgewählten Gymnasien erarbeitet. 6 Wochen nach dem Lateintag können sich Klassen/Kurse und ihre Lehrer/innen mit kurzen Projektentwürfen bewerben, von denen die 10 besten ausgewählt werden; Kriterien sind u.a. Originalität, Realisierbarkeit, Gegenwartsbezug, Zeitplan, Methodik, Präsentation. Die Bearbeitungszeit dieser Schulprojekte beträgt ca. ein halbes Jahr.
Jedes Projekt kann mit bis zu 700, - € finanziell unterstützt werden.
Die Schulprojekte werden von universitärer Seite wissenschaftlich betreut:

  • mindestens einmal kommt ein/e Wissenschaftler/in zu einem Vortrag und Gespräch an die Schule
  • Studierende des Fachs Latein beteiligen sich an der Planung der Projektvorstellungen und betreuen im Rahmen ihres Unterrichtspraktikums das Projekt an einem Gymnasium während der halbjährigen Bearbeitungszeit:
    • wissenschaftlich werden sie selbst vom Lehrstuhl unterstützt,
    • fachdidaktisch werden sie selbst vom Studienseminar/Fachdidaktik unterstützt,
    • ihre Aufgabe ist insbesondere die Anleitung der Schüler/innen zum wissenschaftlichen Arbeiten; sie unterstützen die Schüler/innen bei der Recherche, bei dem Benutzen der Bibliotheken, beim Anwenden wissenschaftlicher Methoden, bei der Auswahl und Übersetzung von Texten, bei der Beschaffung anderen Materialien, beim Erstellen einer wissenschaftlichen schriftlichen Arbeit u.ä.

Auf schulischer Seite übernimmt je ein/e Lehrer/in die Betreuung.

Die Schülerprojekte können in unterschiedlichster Form vorgestellt werden (wiss. schriftliche Arbeit, Ausstellung, Poster- oder Power Point-Präsentation, Theater u.v.a.); das Projekt kann auch Thema der in der Sek. I und II verbindlich vorgeschriebenen Facharbeit sein. Diese Projektvorstellungen finden an den Schulen und ggf. Schulämtern, in jedem Fall jedoch bei dem darauf folgenden Lateintag am Nachmittag als Schülerkongress statt; die Schüler/innen sollen dadurch erfahren, dass ihre Arbeit und die erworbenen Kompetenzen Teil des Wissenschaftsbetriebs darstellen. Die beste Präsentation erhält einen Preis.
Ferner müssen die Ergebnisse des Projekts in einem schriftlichen Bericht von max. 20 Seiten zusammengefasst werden, der Planung, Textauswahl, Durchführung, Analyse der wissenschaftlichen Selbstständigkeit bzw. der Kompetenzen in der Projektarbeit, Beschreibung der Präsentation und kritische Reflexion enthält; in einem Anhang müssen die verwendeten Texte und Quellen angemerkt bzw. beigefügt werden. Die besten Projektberichte werden nach fachwissenschaftlicher und fachdidaktischer Auswertung ausgewählt und neben den beiden Vorträgen vom Potsdamer Lateintag in unserer Zeitschrift veröffentlicht. Projektberichte und Präsentationen sollen ebenfalls in elektronischer Form auf einer entsprechenden Internetseite bzw. CD-ROM zugänglich gemacht werden.

Kontakt

Universität Potsdam

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Am Neuen Palais 10
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Tel.: 0331/ 977-1775
Fax: 0331/ 977-1776
E-Mail: bgeyer@uni-potsdam.de

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