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Neuerscheinungen

Warum Religion? - apl. Prof. Dr. Marie-Luise Raters

Warum Religion? Pragmatische und pragmatistische Reflexionen zur Funktion von Religion im Leben. Hrsg. v. M.L. Raters. Alber-Verlag. Freiburg i. Breisgau 2015.

Einer Erhebung der Bundeszentrale für Politische Bildung zufolge waren im Jahr 2012 zwei Drittel der Bevölkerung  in Deutschland Mitglied einer Religionsgemeinschaft. Nun ist natürlich noch längst nicht jeder Angehörige einer Religionsgemeinschaft religiös bzw. gläubig. Manch einer mag zu bequem, zu traditionsbewusst oder auch zu abergläubisch sein, um aus der Religionsgemeinschaft auszutreten, in die er hineingeboren wurde. Aus den statistischen Daten lässt sich aber dennoch schließen, dass Religion allen Totsagungen zum Trotz für viele Menschen unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert hat. Religiös sein heißt nun aber, an die Existenz und die Wirkmacht von etwas zu glauben, das man (im alltäglichen Sinne) weder sehen noch hören kann. Zudem kann das Leben nach religiösen Regeln entbehrungsreich und anstrengend sein. Dennoch aber unterwerfen sich religiöse Menschen den Regeln, welche die jeweiligen Religionsgemeinschaften vorgeben. Was haben die religiösen Menschen davon? Gewinnen sie etwas, das die Entbehrungen und Anstrengungen des religiösen Lebens aufwiegt? Dieser Band fragt nach der Funktion von Religion im Leben. Welche Auswirkungen hat Religiosität auf die konkreten Lebensvollzüge und auf das Verhältnis der religiösen Menschen zur Welt? Warum glauben manche Menschen an eine oder mehrere transzendente Instanzen, von deren Existenz es aus der Perspektive der nichtreligiösen Menschen (wenn man vom Glauben der religiösen Menschen einmal absieht) keine Spuren in unserer Wirklichkeit zu geben scheint? Sind die Gründe der religiösen Menschen auch für diejenigen nachvollziehbar, die mit Religion prima facie nichts anfangen können? Geben die Religionen etwas, das nicht-metaphysische Weltanschauungen nicht geben könnten? Erfüllen Religionsgemeinschaften psychologische, politische oder soziale Funktionen, die säkulare Institutionen so nicht erfüllen könnten? Oder sind sie lediglich Instanzen der politischen Unterdrückung und der Versklavung des Geistes? Wie schaffen es die religiösen Menschen, etwas zu glauben, das vom Standpunkt der modernen Naturwissenschaften häufig doch sehr unwahrscheinlich zu sein scheint? Kann man etwas glauben, nur weil man es glauben will? Und was verliert ein religiöser Mensch, wenn sein Glauben von Zweifeln zerfressen wird? Der Band stellt sich solchen Fragen, indem er die Religion(en) erst pragmatisch und dann pragmatistisch betrachtet.
Die Einleitung enthält neben einer Einführung in die Fragestellung und die Beiträge des Bandes auch einen Überblick über die pragmatistische Religionsphilosophie. Der erste Teil  I. Religion, pragmatisch betrachtet versammelt Essays von Christian Thies (Religion und Moral – die Urszene), Michael Blume (Die Wiederkehr der Einhörner.  Eine pragmatische Analyse einer neureligiösen Glaubensbewegung) , Christoph Türcke (Religionskritik zweiten Grades) und Johannes E. Hafner (Funktionalisierung von Religion. Eine Auseinandersetzung mit Luhmanns Religionstheorie).  Der zweite Teil II. Religion, pragmatistisch betrachtet versammelt Essays von Matthias Jung (Die Religion innerhalb der Grenzen gewöhnlicher Erfahrung), Ludwig Nagl (Religion als optionaler Handlungshorizont. William James und Josiah Royce) und Marie-Luise Raters (Don’t Worry, Be Happy? Zum Problem des religiösen Zweifels bei William James) zur pragmatistischen Religionsphilosophie.