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Wir sind dann mal weg

Studienreise nach Belarus

Bericht von Natalie Grabs

Im Wintersemester 2017/18 wird das Blockseminar „Die Shoah in der jüdischen Erinnerungskultur. Narrative in der Publizistik und im Film“ von Dr. Witalij Wilenchik, mit studentischer Unterstützung von Natalie Grabs, angeboten. Es ist das dritte und abschließende Seminar in der Veranstaltungsreihe zur deutschen und europäischen Erinnerungsgeschichte von Herrn Dr. Wilenchik an der Universität Potsdam.

Im Rahmen des vorherigen Blockseminars „Jüdisches Leben in Europa nach der Shoah im Lichte der Asymmetrien in der europäischen Erinnerungsgeschichte“ von Dr. Witalij Wilenchik, flogen am Freitag, dem 18. August 2017, sieben Studierende, begleitet von Herrn Dr. Wilenchik und dem Shoah-Überlebenden Michael Nordstein (*1930), nach Minsk. Die Studienreise war ein integraler Bestandteil des o.g. Blockseminars - es verstand sich als eine Art Werkstatt - und wurde während des Seminars konzipiert und vorbereitet.

Der Aufenthalt in Belarus darf visumfrei lediglich fünf Tage betragen und die Einreise und Ausreise muss über den Minsker Flughafen erfolgen. Diese Regulierungen beschränkten unseren Aufenthalt leider auf effektiv drei Programmtage.

Das Ziel der Reise war es, das belarussische Narrativ der Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus, speziell bezogen auf die jüdischen Opfer, zu untersuchen. Um das staatliche Narrativ kennenzulernen, besuchten wir am zweiten Tag unserer Reise, wie geplant, das „Museum des Vaterländischen Krieges“ in Minsk. Diese monumentale Anlage mit Gedenkpark, Heldentor und Obelisk wurde 2014, zum 70. Jahrestag der Befreiung der Belarussischen Sowjetrepublik durch die Rote Armee, in zentraler Lage am Prospekt des Sieges, neu eröffnet. Wir hielten uns explizit in der Halle 6 mit dem Titel „Das Nazi-Okkupationsregime in Belarus: 1941-1944“ auf und analysierten das Ausgestellte, da nach internationalen Protesten, das erste Mal seit Bestehen des Museums (1944), die Shoah ansatzweise thematisiert wird.

Besonders schockiert waren wir über die dort gebotene Thematisierung der jüdischen Partisanen und Partisaninnen. Das erste, und leider nicht letzte Mal, waren wir schwarz-auf-weiß damit konfrontiert, dass keinerlei Benennung der jüdischen Leistungen und Opfer erfolgt. Nur durch die Ausführungen von Herr Dr. Wilenchik und Herr Nordstein konnten wir Studierenden erfahren, dass beispielsweise die Widerstandskämpferin und Partisanin Masha Bruskina auch Jüdin war. Dies wurde später auch durch Herrn Dr. Kozak ergänzt. In der Installation über das Minsker Ghetto wurde nur auf einer kleinen Tafel erwähnt, dass während der Nazi-Okkupation 500.000 - 800.000 Juden und Jüdinnen ermordet wurden. Das ist das einzige Mal, dass das Wort „jüdisch“ in der Ausstellung gedruckt erwähnt wird. In einer digitalen Installation, abseits des Besucherstroms, wurde nur in der englischen Version das jüdische Ghetto in Minsk erwähnt - in dem belarussischen und russischen Text fehlte das entscheidende Adjektiv „jüdisch“ wiederum.

Dieser Duktus des Nichterwähnens der jüdischen Opfer und Leistungen zog sich durch alle öffentlichen Gedenkorte, die wir besuchten. Weder in der Gedenkstätte des Vernichtungslagers Maly Trostenez, noch auf den unzähligen Kriegsdenkmälern, befand sich eine Benennung der jüdischen Opfer. Alle Opfer waren Belarussen bzw. „kämpfende und leidende Sowjetbürger“, neben denen keine weiteren Zugehörigkeiten existieren. Wir mussten feststellen, dass dieses Narrativ noch immer den beinahe einzigen Platz in der öffentlichen bzw. staatlichen Wahrnehmung und Bewertung des Zweiten Weltkriegs in Belarus einnimmt.

Dank des belarussischen Schriftstellers und Journalisten Mikalai Ilyuchyk und seiner sehr gastfreundlichen Familie, wurde uns der Aufenthalt am dritten Tag unserer Reise, in dem westbelarussischen Dorf Bogdanovka in der Region Brest, ermöglicht. Etwas außerhalb des Dorfes, am Waldrand, befindet sich ein nichtstaatliches Denkmal, welches der sechs jüdischen Männer erinnert und gedenkt, die am 9. August 1941 von der Wehrmacht ermordet wurden. Dieses Denkmal wurde durch die Initiative von Mikalai Ilyuchyk 2006 errichtet und sollte abgerissen werden, da das Gebiet auf dem es errichtet wurde, nicht von staatlicher Seite freigegeben wurde.

Im Anschluss führte uns Herr Ilychyk zu den Dörfern Lachwa und Pogost-Zagorodski (ehemals jüdische Schtetl), sowie zu der Kreisstadt Luniets. An diesen Orten findet das Erinnern und Gedenken an die jüdischen Opfer nur auf Initiative von Privatpersonen, beispielsweise von Überlebenden, die heute in Israel leben, statt. Besonders hervorheben mochte ich dabei das Denkmal in Lachwa, welches an den vermutlich ersten Ghettoaufstand am 3. September 1942, einen Tag vor dessen Liquidierung, erinnert. Die Gedenksteine, welche wir besuchten, wurden alle von Privatpersonen finanziert und werden von dem belarussischen Staat lediglich geduldet bzw. nur teilweise offiziell anerkannt, allerdings sind diese weder ausgeschildert noch werden sie in irgendeiner Form unterstützt.

Eine herausragende Rolle, während unserer Reise, spielte die „Geschichtswerkstatt Leonid Lewin“, der Dr. Kuzma Kozak als Hauptreferent vorsteht. Die Geschichtswerkstatt befindet sich in dem letzten erhalten gebliebenen Haus des ehemaligen Minsker Ghettos und war immer wieder vom Abriss bedroht. Es befindet sich heutzutage direkt an einem Park, welcher einst einer der jüdischen Friedhöfe Minsks war. Auch der Park bzw. ehemalige jüdische Friedhof, sollte vor kurzer Zeit zerstört werden, um die Erweiterung der Minsker U-Bahnlinie zu ermöglichen. Glücklicherweise wurde dies verhindert. Herr Nordstein sowie Herr Dr. Kozak ermöglichten uns Gespräche mit den Zeitzeuginnen Maja Krapina (*1935) und Frida Reisman (*1936), welche das Minsker Ghetto überlebten. Herr Dr. Kozsak führte uns auch durch das Gebiet des ehemaligen jüdischen Ghettos und zeigte uns u.a. die Gebäude der ehemaligen Synagogen und der berühmten Minsker Jeschiwa „Blumkes Kloyz“, welche heutzutage alle zweckentfremdet sind (z.B. ist die ehemalige Jeschiwa jetzt ein großes Restaurant) und nicht einmal eine Plakette verweist auf die ehemalige Funktion der Gebäude.

Dr. Kozak hat für uns sogar ein spontanes Treffen mit der Architektin und Künstlerin Galina Lewin, der Tochter des hochangesehenen belarussisch-jüdischen Architekten Leonid Lewin, organisiert. Sie führt das Projekt ihres verstorbenen Vaters, mit dem Namen „Straße des Todes“, weiter. Die „Straße des Todes“ stellt den zweiten Teil des „Gedenkkomplexes Maly Trostenez“ dar und befindet sich im Wald von Blagowschtschina, in dem 200.000 Juden und Jüdinnen erschossen wurden. Das Gespräch mit Frau Lewin eröffnete uns das (vorrangig künstlerische) Konzept der „Straße des Todes“ und beeindruckte uns sehr. Dieser Ort ist der erste staatlich finanzierte Gedenkort für die jüdischen Opfer. Leider fehlt bei dem Konzept „Straße des Todes“ der pädagogische und wissenschaftliche Aspekt des Gedenkortes. Bisher ist kein Museum o.ä. geplant, welches den Besuchenden einen historischen Rahmen und Hintergrundinformationen geben konnte. Allerdings befindet sich der Aufbau des Gedenkorts „Straße des Todes“ erst in einem anfänglichen Stadium.

Auch wenn wir nur drei Tage unserer Studienreise effektiv nutzen konnten, waren diese intensiv, bereichernd und horizonterweiternd. Diese Studienreise ermöglichte uns, einen einmaligen Einblick in die Gedenkkultur von Belarus zu erhalten.

Summer Education School „POLIN Meeting Point“ 2017

Bericht von Rolf Blase

Vom 14. bis 27. August 2017 fand die dritte Summer School des POLIN Museums der Geschichte der polnischen Juden statt. Thema des diesjährigen POLIN Meeting Points war „Local Multiculturalism“ in Polen. Dabei ging es um die multiethnische Vergangenheit des Landes und die Frage, wie an verschwundene Bevölkerungsgruppen wie Juden und Deutsche erinnert wird. An der Summer School nahmen 44 Studierende aus Polen, Israel, der Ukraine (erstmalig) und Deutschland teil, davon drei von der Universität Potsdam.

Die ersten fünf Tage der Summer School verbrachten wir in Warschau. Nachdem der erste Tag dem Kennenlernen der TeilnehmerInnen gewidmet war, fand beschäftigten wir uns am Dienstag, dem 15. August, mit der Ausstellung des POLIN Museums. Am Vormittag bekamen wir eine Führung durch die Dauerausstellung, welche die tausendjährige Geschichte der Juden in Polen zeigt. Anschließend wurden wir in Kleingruppen aufgeteilt, die sich mit jeweils einer Epoche der Geschichte der polnischen Juden befassten. Meiner Meinung nach hätte man der Beschäftigung mit der Ausstellung des POLIN Museums durchaus mehr Zeit einräumen können. Ich habe mir die Ausstellung während unseres freien Tags am Samstag, dem 26.08., noch einmal angeschaut und hatte dennoch das Gefühl, nur einen Bruchteil gesehen zu haben. Die Fülle an Informationen, die im POLIN Museum geboten werden, ist wirklich beeindruckend, sodass es mehrere Besuche braucht, um sich einen Überblick zu verschaffen.

Die folgenden drei Tage waren der thematischen Einführung und Vorbereitung auf den Besuch der Städte Łódź und Zduńska Wola gewidmet, an welchen die multikulturellen Vergangenheit Polens exemplarisch untersucht werden sollte. Dazu trafen wir uns in den Lehrräumen des POLIN Museums zu Vorträgen und Workshops. Ein Highlight war für viele TeilnehmerInnen der Vortrag von Prof. Aleida Assmann zum Thema „How History Takes Place – The City as Palimpsest“.

Am Freitagabend, dem 18.08., brachen wir dann nach Łódź auf. Die Stadt und ihre Vergangenheit lernten wir durch ein vom Marek Edelman Dialogue Center organisiertes Stadtspiel, sowie einen Rundgang durch das ehemalige Ghetto und den jüdischen Friedhof kennen. Letzteren fand ich besonders beeindruckend, schon allein durch seine enorme Größe und die gigantische Grabanlage des Łódźer Industriellen Izrael Poznański.

Unser Aufenthalt in Łódź diente vor allem der Vorbereitung auf den Besuch der in der Woiwodschaft Łódź gelegenen Kleinstadt Zduńska Wola, welche als Fallbeispiel für den Umgang mit der multikulturellen Vergangenheit Polens den eigentlichen Schwerpunkt der Summer School bildete. Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte es in Zduńska Wola, ähnlich wie in Łódź, große jüdische und deutsche Minderheiten gegeben, an die heute jedoch kaum noch etwas erinnert. Von Montag, dem 21.08., bis Donnerstag, den 24.08., suchten wir in Zduńska Wola nach Spuren dieser Vergangenheit. Wir besuchten die baptistische Kirche, welche an die verschwundene deutsche Bevölkerung erinnert, sowie den jüdischen Friedhof, der mit seinen über 3.500 Steinen die letzte Spur jüdischen Lebens in Zduńska Wola darstellt. Auch im Stadtmuseum begaben wir uns auf Spurensuche. Im Rahmen mehrerer Workshops lauschten wir Zeitzeugen, befragten die Bevölkerung und beschäftigten uns mit alten Fotografien und Karten. Wir lernten engagierte Personen wie Dr. Kamila Klausińska und Estelle Roziński kennen, die sich mit Projekten wie der Missing Mezzuzot Austellung für die Erinnerung an die jüdischen Einwohner Zduńska Wolas einsetzen, um die multikulturelle Vergangenheit der Kleinstadt wieder ins Gedächtnis der Bevölkerung zu bringen.

Die letzten Tage verbrachten wir wieder in Warschau. Am Ende der Summer School ging es darum, die gewonnenen Erfahrungen mit der Situation in unseren Herkunftsländern zu verbinden. Dieser Bezug zur Gegenwart kam meines Erachtens nach jedoch viel zu kurz. Anstelle der vielen oft etwas trockenen Vorträge, die wir im Laufe der Summer School gehört haben, hätten ich und viele andere sich mehr Zeit gewünscht, sich über den Umgang mit Multikulturalität in Polen, Israel, der Ukraine und Deutschland auszutauschen. Zwar fanden unter den TeilnehmerInnen der Summer School im privaten Kreis immer wieder interessante Gespräche über dieses Thema statt, im Programm nahm es aber keinen großen Stellenwert ein. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Vernachlässigung ukrainischer Themen. Es gab gerade mal einen Vortrag zur multikulturellen Vergangenheit der Ukraine. Angesichts der Tatsache, dass in diesem Jahr erstmals ukrainische Studierende zur Summer School eingeladen waren, hätte ich erwartet, dass man deren Perspektive mehr Aufmerksamkeit schenkt.

Alles in Allem war POLIN Meeting Point 2017 für mich eine tolle Erfahrung. Ich habe viel gelernt und tolle Menschen kennengelernt. Trotz der oben genannten Kritikpunkte würde ich das Programm jederzeit weiterempfehlen. Mein abschließender Dank gilt den Organisatoren, die die Summer School ermöglicht und uns so wunderbar betreut haben.

Studienreise nach Lublin 2017

Exkursionsbericht von Rolf Blase

Vom Dienstag, dem 14.02.2017, bis zum Samstag, dem 18.02.2017, machte sich unsere Gruppe, bestehend aus 20 Studierenden der Universität Potsdam, sowie den beiden Reiseleitern Frau Dr. des. Agnieszka Hudzik und Dr. Lothar Quinkenstein auf den Weg nach Lublin. Organisiert wurde die Fahrt von Frau Hudzik, gebürtige Lublinerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Slavistik. Daher nahmen vor allem Studierende der Polonistik und des Masters Osteuropäische Kulturstudien an der Exkursion teil. Jedoch konnten auch Studierende anderer Institute teilnehmen, daher waren u.a. auch eine Studentin der Jüdischen Theologie, sowie zwei Studierende der Jüdischen Studien mit dabei.

Aufgrund der langen Fahrtdauer von über neun Stunden waren der erste und er letzte Tag der Reise allein der An- und Abfahrt gewidmet. Untergebracht wurden wir in zwei Studentenwohnheimen auf dem Campus der Maria-Curie-Skłodowska-Universität (UMCS), welche anlässlich der Unterzeichnung einer Erasmuskooperation zwischen der Universität Potsdam und der UMCS im Vorfeld unserer Fahrt auch die Unterbringungskosten für unsere Gruppe übernahm.

Das Programm am Mittwoch war schwerpunktmäßig dem Kennenlernen der Maria-Curie-Skłodowska-Universität gewidmet. So besichtigten wir die Produktionsräume des Lubliner Studentenradios, besuchten das Institut für Germanistik und Linguistik, sowie das Zentrum für polnische Sprache und Kultur (Centrum Języka i Kultury Polskiej) und lernten dessen Kursangebote im Bereich „Polnisch als Fremdsprache“ kennen. Während diejenigen unserer Gruppe mit Polnisch-Kenntnissen (die Mehrheit) an einem Workshop zum deutsch-polnischen Dolmetschen teilnahmen, erhielten die anderen eine Führung durch die Universitätsbibliothek und bekamen deren Schätze, so etwa alte Drucke aus dem 17. Jahrhundert, gezeigt. Abschluss und Höhepunkt unserer Campustour bildete das Treffen mit der Vizepräsidentin der UMCS Prof. Dr. Alina Orłowska im Senatssaal der Universität. Überraschend war die mediale Aufmerksamkeit, die uns auf unserer Campustour zuteilwurde: Wir wurden von einem Foto- und Filmteam begleitet und konnten noch am selben Abend einen Beitrag über unseren Besuch in den Lubliner Nachrichten sehen. Auch die UMCS veröffentlichte einen Beitrag mit Fotostrecke.

Am Mittwochnachmittag besichtigten wir neben der Stadt auch die Kulturinstitution „Dom Słów“ (Das Haus der Wörter), wo die Herstellung von Büchern vom Schöpfen des Papiers, bis hin zum fertigen Buch nachvollzogen werden konnte. Abschluss dieses ereignisreichen Tages bildete ein literarischer Abend der Lubliner Bruno-Schulz-Gesellschaft, bei dem der Autor und Exkursionsteilnehmer Dr. Lothar Quinkenstein den Anwesenden das Werk von Bruno Schulz und dessen Bezüge zur Kabbala näherbrachte.

Das Programm am Donnerstag stand im Zeichen des ehemaligen jüdischen Lebens von Lublin. So besuchten wir die einstmals größte Jeschiwa der orthodoxen Welt (Jeszywas Chamej Lublin), den alten Jüdischen Friedhof und erhielten eine Führung durch das Kulturzentrum „Brama Grodzka. Teatr NN“, welches der Erinnerung an das von den Nazis vollständig zerstörte Jüdische Viertel Lublins und an die ehemalige jüdische Bevölkerung Lublins gewidmet ist. Dort fand auch ein Vortrag der Lubliner Professorin Monika Adamczyk-Garbowska zum Werk von Isaac Bashevis Singer statt. Dieser bot auch die Möglichkeit zur gemeinsamen Diskussion, die allerdings aufgrund unseres vollen Zeitplans etwas knapp ausfiel, da sich an den Vortrag die Vorführung von zwei kurzen Stücken des Teatr NN anschloss, welche auf Kurzgeschichten von I. B. Singer basierten.

Am Freitagvormittag bestand die Möglichkeit an einer Führung durch die Gedenkstätte des KZ Majdanek teilzunehmen, welche auch von den meisten ExkursionsteilnehmerInnen genutzt wurde. Am Nachmittag bestand die Möglichkeit zur individuellen Stadterkundung, die beispielsweise von einigen dazu genutzt wurde, sich das Museum im Stadtschloss und die kulturhistorisch bedeutsamen Fresken der Schlosskapelle anzuschauen. Den Abschluss des Programms bildete eine Untergrund-Führung durch Lubliner Kellergewölbe, bei der anhand von Modellen die Stadtgeschichte erklärt wurde.

Aus meiner Sicht war es eine sehr eindrückliche Exkursion, die einen idealen Start für die Erasmuskooperation der beiden Universitäten darstellt. Das vielfältige Exkursionsprogramm, die engagierte Organisation von Frau Hudzik, sowie der herzliche Empfang, der uns von allen Seiten bereitet wurde, tragen sicher dazu bei, dass diese Exkursion den TeilnehmerInnen noch lange in gutem Gedächtnis bleiben wird.

Exkursion nach Amsterdam 2016

Bericht von Katja Wolgast

Vom 11. bis zum 14. September 2016 fand in Kooperation mit dem ZJS und unter der Leitung von Prof. Dr. Sina Rauschenbach und Prof. Dr. Tirtsah Levie Bernfeld eine Exkursion von Studierenden der Jüdischen Studien, der Jüdischen Theologie und der Religionswissenschaft nach Amsterdam und Leiden statt.

Prof. Bernfeld, die unter anderem an der Universität Amsterdam unterrichtet und in der Vergangenheit als Kuratorin des Jüdischen Museums Amsterdam wirkte, vermochte es, den Studierenden innerhalb von nur vier Tagen einen großartigen Eindruck vom jüdischen Amsterdam und der Geschichte der Juden in den Niederlanden zu vermitteln.

Die Reise begann für den Großteil der Teilnehmenden mit einer schlechten Nachricht: ihr Flug nach Amsterdam wurde gestrichen. Dennoch gelang allen eine rechtzeitige Anreise. Zu dieser Zeit war es überdurchschnittlich heiß in den Niederlanden.

Das Rembrandt-Haus und eine Führung durch Amsterdam stellten den Auftakt der Exkursion dar.

Am zweiten Exkursionstag besuchte unsere Gruppe die Bibliothek der Portugiesisch-jüdischen Gemeinde Ets Haim, wo es möglich war, historische jüdische Dokumente aus der Zeit des Wiegendrucks zu studieren. Auch der Besuch der Portugiesischen Synagoge, des Jüdischen Museums, und der Bibliotheca Rosenthaliana standen auf dem Plan. Am Abend besuchten wir einen Workshop im De Pinto Haus.

Der zweite Tag unserer Reise führte uns über die Grenzen Amsterdams hinaus. Tirtsah Levie Bernfeld und Sina Rauschenbach brachten uns zum beeindruckenden jüdischen Friedhof Ouderkerk aan de Amstel, auf dem unter anderem Menasse ben Israel begraben liegt.

Der anschließende Weg nach Rijnsburg führte uns, vorbei am Meer, zum Spinoza-Haus, das von vielen Teilnehmenden als sehr beeindruckend geschildert wurde. Dort entstand auch unser Gruppenbild. Am Nachmittag wurde uns eine schöne private Führung bei mittlerweile sehr heißen Temperaturen durch die Synagoge von Leiden zuteil. In aller Kürze konnten wir uns auch die Universität von Leiden ansehen.

Am Abend besuchten wir das Anne-Frank-Haus, dessen Konzept wohl am kontroversesten auf der Exkursion diskutiert wurde. Hier gingen die Meinungen über den Umgang mit der Geschichte weit auseinander.

Bevor sich am dritten Tag alle Teilnehmenden wieder auf die Rückreise machen, besuchten wir das Stadtarchiv Amsterdam. Auch dort bekamen wir einen persönlichen Einblick in historische Dokumente und ihre Geschichte. Der Nachmittag bis zur individuellen Abreise wurde von den meisten genutzt, um noch die eine oder andere Sehenswürdigkeit wie "Ons' Lieve Heer op Solder" oder das Rijksmuseum zu besuchen.

Die Exkursion kann aus meiner Sicht als rundum gelungen beschrieben werden. Wir haben einen intensiven Einblick in die jüdische Geschichte der Niederlande erhalten, der besser nicht hätte sein können.

Summer Education School „POLIN Meeting Point“ 2016

Reisebericht von Emanuel Neumann und Natalie Grabs 

Am Sonntag, den 17.07.2016 machten sich vier Studierende der Universität Potsdam – zwei aus den Jüdischen Studien und zwei aus den Osteuropäischen Kulturstudien – nach Warschau auf, um an der zweiten Summer Education School „POLIN Meeting Point“ teilzunehmen. In diesem Jahr fand das Programm unter dem Themenschwerpunkt „Nachkriegsgeschichte“ statt. Insgesamt waren 42 Studierende aus Israel, Polen und Deutschland eingeladen, um in Vorlesungen, Workshops und Diskussionen gemeinsam einen internationalen Dialog zu versuchen. 

Während des zweiwöchigen Programms verbrachten wir die meiste Zeit in den Räumen des „Museums für die Geschichte der polnischen Juden“. Das POLIN Museum eröffnete im April 2013 anlässlich des 70. Jahrestages des Aufstandes im Warschauer Ghetto. Im Oktober 2014 eröffnete dann die beeindruckende Dauerausstellung zur „1.000-jährigen Geschichte jüdischen Lebens in Polen“, welche wir im Rahmen des Programms einmal besuchten. „Polin“ ist einerseits das hebräische Wort für „Polen“, andererseits bedeutet es auch „Hier sollst Du ruhen/ bleiben“ – „Po-lin“, welches der Sage nach, die Vögel in polnischen Wäldern den ersten durchreisenden Juden zu zwitscherten. 

Im Angesicht und in ständiger Präsenz der Geschichte des Ortes studierten und teilweise diskutierten wir mit den eingeladenen DoktorInnen, ProfessorInnen und ZeitzeugInnen die Vorträge und Inhalte des umfangreichen Programms. Themen waren u.a.: Jüdisches Leben in Polen und Deutschland nach 1945, Emigration, die Situation in den DP Camps und die Rolle der Shoah in der Gründungsphase des Staates Israels. 

Ergänzt wurden diese Inhalte beispielsweise mit Führungen durch das ehemalige jüdische Ghetto und über den noch heute bestehenden Jüdischen Friedhof von Warschau. In der zweiten Woche verbrachten wir zwei Tage in Wroclaw, um das Jüdische Leben der Nachkriegszeit kennenzulernen. Desweiteren konnten die TeilnehmerInnen in Warschau das Jüdische Gemeindezentrum besuchen und an den Shabbatgottesdiensten in der Nozyk-Synagoge teilnehmen. 

Immer wieder forderte das Programm von uns eine Auseinandersetzung mit dem Konstrukt eigener, individueller und gesellschaftlicher Identitäten. Da das Programm zwar mit Vorlesungen reich gefüllt war, blieb für den erwünschten interkulturellen Dialog jedoch kaum Zeit. Die Auseinandersetzung im Gespräch konnten die Studierenden oft nur außerhalb der offiziellen Aktivitäten suchen. 

Neben den Vorträgen und historischen Beiträgen, sollten wir am Ende des zweiwöchigen Programms unsere Erkenntnisse in Oral History Projekten der Öffentlichkeit und den Sponsoren der Nissenbaum Family Foundation präsentieren. Grundlage dieser Oral History Projekte bildeten ZeitzeugInnengespräche, welche wir mit 15 ZeitzeugInnen in den drei Sprachen (Deutsch, Polnisch, Hebräisch) geführt haben. Der Themenschwerpunkt sollte in allen Interviews auch hier auf den Nachkriegserfahrungen der ZeitzeugInnen liegen. Anschließend mussten wir uns in neuen trinationalen Gruppen zusammenfinden und sollten in Kunst-, Forschungs- und Bildungsprojekten unsere sehr unterschiedlichen Erfahrungen gemeinsam darstellen. Dafür blieben uns allerdings nicht mehr als drei Tage Zeit. Daher waren die Ergebnisse oft nur erste Ansätze, um unser erlerntes Wissen mit Oral History zu verknüpfen. 

Nach zwei intensiven Wochen kamen wir zurück nach Potsdam, nicht nur mit neuen Gedanken, Ideen und Erfahrungen, sondern auch mit einmaligen internationalen Bekanntschaften. Wir sind sehr dankbar, dass wir an der Summer Education School „POLIN Meeting Point“ 2016 teilnehmen konnten und uns ein Stipendium für diese Begegnung ermöglicht wurde. Wir hoffen, dass die Universität Potsdam auch in den nächsten Jahren die Kooperation mit dem POLIN Museum aufrechterhält und intensivieren wird. Und vielleicht trägt unser Reisebericht dazu bei, dass im kommenden Jahr mehr Studierende die Chance dieses Programms erkennen und die Möglichkeit einer deutsch-polnisch-israelischen Begegnung mit Studierenden verschiedenster Fächer nutzen.