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Neu Bewilligt – Das Netzwerk Digitale Geisteswissenschaften

Studierende beim philologischen Hackathon im Fontane-Archiv. Foto: Juliane Lieschke

Studierende beim philologischen Hackathon im Fontane-Archiv. Foto: Juliane Lieschke

Seit Mitte des Jahres bringt das „Netzwerk Digitale Geisteswissenschaften“ Forscherinnen und Forscher zusammen, die sich mit den Folgen der Digitalisierung für die Gegenstände und Methoden der Geisteswissenschaften befassen. Ins Leben gerufen haben die Forschungsinitiative der Literaturwissenschaftler und Leiter des Theodor-Fontane-Archivs, Prof. Dr. Peer Trilcke, und die Medienwissenschaftlerin Prof. Dr. Birgit Schneider, die unter anderem ein Projekt zu Klimabildern im Internet leitet. Mit ihnen sprach Jana Scholz über die digitale Zukunft der Geisteswissenschaften.

Die Digitalisierung verändert die Art und Weise, wie wir Kultur bewahren, erschließen und analysieren. Welches Potenzial haben die Digital Humanities (DH) und wo sind ihre Grenzen?


Trilcke: Potenziale ergeben sich vor allem aus der Verdatung der Gegenstände und aus der Algorithmisierung der Methoden, das heißt, wir haben zum einen digitale Datensammlungen, zum anderen können wir diese mit digitalen Verfahren analysieren. Zum Beispiel lassen sich sehr große Text- und Bildsammlungen computergestützt untersuchen, so dass Muster erkennbar werden, die bei nicht-digitalen Analysen verborgen bleiben. Allerdings sind diese Analysen vorwiegend quantitativ. Die interpretativen und diskursiven Erkenntnisse der Geisteswissenschaften können sie nicht ersetzen, da stoßen sie an ihre Grenzen. Uns geht es vor allem darum, einen doppelten Blick zu entwickeln, bei dem sich beide Zugangsweisen gegenseitig ergänzen.

Warum bedarf es einer stärkeren Vernetzung in diesem Bereich?

Schneider: Die Forschung in diesem Feld ist per se fächerübergreifend. Ein Netzwerk, das Forscherinnen und Forscher in Kontakt bringt und so Kooperationen anbahnt, fördert diese Interdisziplinarität. Gemeinsame Fragen ergeben sich darüber hinaus aus den Methoden selbst und aus deren Reflexion: Wie verändert es die Geisteswissenschaften, wenn sie Daten analysieren und selbst Daten produzieren? Wie verbinden wir quantitative Ergebnisse mit qualitativen Forschungsfragen und -traditionen? Welche Anforderungen an eine Infrastruktur, an Geräte und an technischen Support gibt es? Solche Fragen berühren alle geisteswissenschaftlichen Disziplinen. Vernetzung ist da nicht nur produktiv, sie ist unabdingbar, auch für eine gemeinsame, geisteswissenschaftliche Sprechfähigkeit in Sachen Digitalisierung.

Handschriften, Gemälde, Akten – nahezu alles wird heute digitalisiert. Welche Themen und Anwendungsfelder sehen Sie in der neuen Forschungsinitiative?

Schneider: Das Netzwerk ist themenoffen. Die Mitglieder sollen, das ist die Idee, ihre eigenen Forschungsgegenstände einbringen. Bei mir sind das etwa Klimabilder im Internet. Andere Mitglieder befassen sich mit Sprachdaten, Computerspielen, Comics oder auch mit Netzwerkanalyse, Diskurs-Parsing, digitalen Editionsmethoden.

Trilcke: Und bei uns sind es besonders die Handschriften- und Textsammlungen am Theodor-Fontane-Archiv. Ziel ist es, mit dem Netzwerk ein breites Spektrum geisteswissenschaftlicher Gegenstände und digitaler Methoden abzudecken, auch um die Vielfalt der digital Humanities abzubilden.

Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen den Forscherinnen und Forschern aus?

Schneider: Zum einen wird es gemeinsame Aktivitäten geben, wir planen etwa eine Ringvorlesung und eine Vortragsreihe, aber auch spezielle DH-Formate: Im Juli haben wir bereits einen philologischen Hackathon organisiert, im Herbst soll ein bildwissenschaftlicher Hackathon folgen. Zum anderen bauen wir gerade Arbeitsgruppen auf, in denen sich Forscherinnen und Forscher mit gemeinsamen Schwerpunkten organisieren, um Projekte zu entwickeln und etwa Drittmittelanträge auszuarbeiten.

Wie entstand die Idee zur Forschungsinitiative?

Trilcke: In Gesprächen. Uns fiel auf, dass es in Potsdam – und zwar nicht nur an der Universität, sondern zum Beispiel auch an der Fachhochschule – zahlreiche interessante Projekte gibt, die sich geisteswissenschaftlich mit der Digitalisierung beschäftigen. Es fehlte allerdings an einer Bündelung der vorhandenen Kräfte. Mit der Forschungsinitiative soll sich das ändern.


Zur Website des Projekts
Die Forschungsinitiative auf Twitter
Interessierte können sich hier in die Mailingliste eintragen
Weitere neu bewilligte Projekte


Text: Jana Scholz
Online gestellt: Jana Scholz
Kontakt zur Online-Redaktion: onlineredaktion@uni-potsdam.de