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Online-Reisetagebuch: Kabul, 28. September 2014

Unterstützung für afghanische Verwaltungswissenschaften, Tag 7
Foto: Harlad Fuhr

Foto: Harlad Fuhr

Um sechs Uhr morgens sind wir heute in Herat gestartet. Vor dem Besuch der Universität bleibt uns wegen des üblichen Vormittagsstaus nur eine Stunde zum kurzen Erfrischen im Hotel. Morgen, Montag, findet die Amtseinführung des neuen Präsidenten Ashraf Ghani statt. VIPs aus vielen Ländern werden erwartet – vielleicht kommt sogar Angela Merkel? Ein gutes Zeichen wäre es. Und da aus Sicherheitsgründen die halbe Stadt gesperrt sein wird, wurde für Montag gleich ein Feiertag für Kabul angeordnet – also auch kein Unibetrieb, denn für die Studierenden gäbe es kein Durchkommen.

Aber – und das ist das Erstaunliche hier– alles klappt immer irgendwie. Die Fakultät hat die gesamte Planung kurzfristig um einen Tag verschoben. Zum Glück ist der Sonntag hier ein normaler Arbeitstag, das Wochenende beginnt am Freitag.

Es ist eine große Wiedersehensfreude mit Dekan Rahmani und seinem Team. Vor allem mit den drei jungen Kolleginnen verbindet mich inzwischen eine tiefe Sympathie und Bewunderung. Fast alle haben eine harte Zeit während der Talibanherrschaft hinter sich, waren jahrelang zu Hause eingesperrt. Selbst lesen und Bücher zu besitzen war gefährlich. Flucht, Migration, auseinandergerissene Familien, Folter, Bedrohung, Tote.

Wenn wir hier zusammensitzen– jede der Dozentinnen hat Ihre Spezialität gekocht, es gibt Bohlani, meine geliebten Mantu, kleine gefüllte Teigtaschen mit Linsen und Joghurtsoße, Kuchen und Grießpudding mit Kardamom, Pistazien und Rosenwasser –, bin ich unheimlich stolz auf diese jungen Menschen, die sich so für Ihre Zukunft einsetzen. Käme ein falsches Regime an die Macht, stünde es um junge Akademiker schlecht.

Alle Informationen werden aufgesogen: Wie können wir später gute Arbeit leisten? Welcher Ansatz ist für dieses Land der richtige? Immer wieder werden diese existenziellen Fragen gestellt, auch nach Thurids Gastvorlesung. Fast enttäuscht wirken unsere afghanischen Partner, dass wir nicht die Lösung nennen können. Wir erklärten, dass selbst in Deutschland das Aufbrechen der alten Strukturen nach dem Krieg über 30 Jahre gedauert hat, dass Reformen nur langsam vorankommen und dass meist das Ende einer Reform der Anfang der nächsten ist, im besten Fall wurde etwas gelernt.

Aber genau das sei für ihn einer der Erfolge unserer Coachings, sagte uns mal ein Lehrender. Zu wissen, dass es nicht die eine Wahrheit und auch keine Blueprints gibt.

Text: Julka Jantz, Koordinatorin „Stärkung der Verwaltungsausbildung in Afghanistan“, Online gestellt: Julia Schwaibold

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