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Voltaire-Preisträger 2020: Gábor Polyák

Foto: Szabolcs Csortos
Gábor Polyák ist Professor für Medien- und IT-Recht sowie Medienpolitik an der Universität Pécs in Ungarn. Er setzt sich in einem schwierigen politischen Umfeld unermüdlich für Presse- und Medienfreiheit ein. So gibt Gábor Polyak dem analytischen, offenen, unparteiischen Wort eine Stimme in dieser Welt.

Die Universität Potsdam verleiht am 15. Januar 2020 im Rahmen ihres Neujahrsempfangs zum vierten Mal den „Voltaire-Preis für Toleranz, Völkerverständigung und Respekt vor Differenz“. Der von der Friede Springer Stiftung geförderte Preis wird seit 2017 an eine Wissenschaftlerin oder einen Wissenschaftler vergeben, der oder die sich in besonderem Maße für die Freiheit von Forschung und Lehre sowie für das Recht auf freie Meinungsäußerung eingesetzt hat. Den Preis erhält der ungarische Medienwissenschaftler, Prof. Dr. Gábor Polyák.


Laudatio von Dr. Susanne Strätling, Professorin für Ostslavische Literaturen und Kulturen der Uni Potsdam

Seit drei Jahren verleiht die Universität Potsdam den Voltaire-Preis für Toleranz, Völkerverständigung und Respekt vor Differenz. Dass sie diese Auszeichnung gemeinsam mit der Friede-Springer-Stiftung 2017 ins Leben rief, zeigt, wie wenig selbstverständlich die mit dem Preis verbundenen Werte sind. In diesem Jahr erhält der ungarische Rechts- und Medienwissenschaftler Gábor Polyák den Voltaire-Preis. Mit ihrer Entscheidung ehrt die Jury einen Forscher, der unter hohem politischem Druck mit seiner Arbeit für die Grundrechte von Meinungs- und Medienfreiheit einsteht.

Gábor Polyák ist Associate Professor für IT-Recht und Medienpolitik an der Universität Pécs. An der Schnittstelle von Rechtswissenschaft, Medienwissenschaft und Politikwissenschaft zielt seine Forschung auf eine zentrale Frage: Was bedeutet die rasante Erosion der Medien- und Meinungsfreiheit in Ungarn für das gesamteuropäische Projekt demokratisch verfasster Gesellschaften? Entscheidend für Polyáks Arbeit ist dabei die enge Verbindung seiner Forschung mit starkem zivilgesellschaftlichem Engagement. Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit leitet die medienpolitische NGO Mérték Media Monitor, ein ungarisches Nachrichtenportal, das über Hintergründe und Konsequenzen der fortschreitenden Medienunfreiheit in Ungarn aufklärt. Zudem ist er Kopf des ungarischen Teams des European Journalism Observatory (EJO), einer internationalen Plattform für faktenbasierte und unabhängige Berichterstattung. Angesichts der grassierenden politischen Instrumentalisierung der Medien zeigen Mérték wie EJO täglich, was Medien als ‚vierte Gewalt‘ leisten können.

Die Bedeutung von Gábor Polyáks Arbeit ist für den ungarischen Kontext kaum zu überschätzen – und sie reicht zugleich weit darüber hinaus. Denn Medien- und Meinungsfreiheit sind für ihn der Schlüssel zu einer integrativen, gesamteuropäischen Sphäre von Wissens- und Informationstransfer. Der Voltaire-Preis würdigt mit Gábor Polyák einen Wissenschaftler, der mit seiner Arbeit die institutionellen Bedingungen eines grenzüberschreitenden demokratischen Miteinanders schützt. In dieser Überzeugung liegt nicht zuletzt die visionäre Kraft von Gábor Polyáks Arbeit.

Mit der heutigen Preisverleihung ist aber nicht nur unser höchster Respekt für Gábor Polyák verbunden. Mit ihr verbindet sich auch Vorfreude. Denn Prof. Polyák forscht und lehrt an einer der Partneruniversitäten der Universität Potsdam im Verbund der European Digital Univercity. Durch EDUC verwirklicht sich der europäische Gedanke in einer ganz neuen Form der akademischen Kooperation. Mit Partnern wie Prof. Polyák von der Universität Pécs können wir diese Kooperation im besten Sinne gestalten – zukunftsweisend in der Besinnung auf die Ideale der Aufklärung, die dem Voltaire-Preis seinen Namen geben.


Dr. Gábor Polyák- Kurzvita

Dr. Gábor Polyák ist Universitätsdozent am Lehrstuhl für Kommunikations- und Medien der Universität Pécs. Zudem ist er Gründer und fachlicher Leiter der ungarischen Think Tank und Watchdog Organisation Mertek Media Monitor, die die medienpolitische Lage in Ungarn und Europa aus ökonomischen, rechtlichen, soziologischen und journalistischen Aspekten untersucht, analysiert veröffentlicht.

Gábor Polyák hat Rechtswissenschaft an der Universität Wien studiert und Kommunikationswissenschaft an der Universität Pécs, wo er nach erfolgreicher Promotion auch habilitierte. Gastaufenthalte führten ihn an die Universitäten Münster, Graz, Köln, Dortmund, Lissabon und auch Potsdam. Seine Forschungs- und Lehrtätigkeit umfasst das Medienrecht und die Medienpolitik, das IT Recht sowie Mediensystemvergleiche.

Polyák war zwischen 2008 und 2009 wissenschaftlicher Berater des Vorsitzenden der früheren ungarischen Medienbehörde und arbeitet regelmäßig für internationale Organisationen wie „Reporter ohne Grenzen“, „Freedom House“ oder dem Europäischen Audiovisuellen Observatorium. Nicht zuletzt ist Gábor Polyák zertifizierter Demokratie-Trainer, Trainer des Menschenrechtsbildungsprogramms von Amnesty International und begleitet Bildungsprogramme für Lehrer über Fake News.

Festschrift - erschienen zur Verleihung des Voltaire-Preises 2020 am 15. Januar 2020

Toleranzrede von Gábor Polyák