Biographie

 

Maximilian Aleksandrovic Woloschin


Maximilian Woloschin (1877 - 1932)
Biographie
 

1. Kindheit
Die Kirijenko-Woloschins, die Vorfahren des Vaters, waren Saporoscher Kosaken. Die Vorfahren der Mutter waren Deutsche, die seit dem 18. Jahrhundert in Rußland lebten.
Am 16. Mai 1877, dem „Geistertag“ (djen’ duchov), wurde Maximilian Woloschin geboren. Der Vater war Jurist und arbeitete am Kiewer Gericht. 1879 läßt sich die Mutter, Elena Ottobaldowna, scheiden und zieht mit dem kleinen Max nach Sewastopol. Zwei Jahre später stirbt der Vater. 1881 zieht die Familie nach Moskau, wo sie bis 1893 lebt. Seit 1887 besucht Max dort ein staatliches Gymnasium.

Über sich selbst schreibt Woloschin später: „Ich deklamierte gern, obwohl ich noch nicht schreiben konnte. Zu diesem Zweck stellte ich mich mit Vorliebe auf einen Stuhl. Im Alter von fünf Jahren begann ich selbständig, die Bücher aus der Bibliothek meiner Mutter zu lesen. Zu meinen ständigen Begleitern wurden die Klassiker der russischen Literatur - Puschkin, Lermantow, Nekrassow, Gogol, Dostojewski. Später dann Byron und Edgar Po.“
 

2. Jugendjahre
Der erste öffentliche Auftritt Woloschins fand auf einem musikalisch-literarischen Abend in seinem Moskauer Gymnasium statt.
Am 03. Juni 1893 zieht die Familie auf die Krim in den Ort Koktebl’ um. Koktebl’ war ein Dorf im Osten der Krim zwischen Feodossia und Sudak. Zu dieser Zeit lebten dort vor allem Bulgaren. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Koktebl’zum Kurort.
Woloschin besucht ein Gymnasium in Feodossia, schreibt Gedichte, malt und interessiert sich für die Geschichte der Philosophie. Außerdem engagiert er sich für im Theaterkreis am Gymnasium. Die Liebe zur „Kimerija“ - wie Woloschin die Ostkrim nannte - wuchs beim Dichter schon in jungen Jahren. Der Name „Kimerija“ stammt vom Steppenvolk der „Kimiritzen“, die in diesem Gebiet vor ca. 2000 Jahren lebten.

„1897 beendete ich das Gymnasium und fing an der juristischen Fakultät der Moskauer Universität an, zu studieren. Nicht ein bißchen Wissen und nicht einen einzigen Gedanken verdanke ich dem Gymnasium und der Universität. 10 kostbare Jahre sind einfach aus meinem Leben gestrichen.“
 

3. Lehr- und Wanderjahre
Bereits nach einem Jahr wurde Woloschin wegen der Teilnahme an Studentenunruhen exmatrikuliert und nach Feodossia verbannt.
Die folgenden Jahre waren durch Reisen ins Ausland und Verbannung gekennzeichnet. Woloschin besucht Paris und Berlin, wandert durch Italien und Griechenland. In der Tasche hatte er meist nicht mehr als ein paar Groschen. Paris war bis zum Ausbruch des Krieges sein mehr oder weniger ständiger Wohnsitz. Hier besucht er Vorlesungen an der Sorbonne und der russischen Hochschule. Woloschin widmet sich in dieser Zeit ganz der Kunst der Literatur.

„Von hier aus führte mich mein Weg nach Paris, um viele Jahre zu lernen: künstlerische Formen - von Frankreich, das Gefühl für Farben - von Paris, die Logik - von den gotischen Kathedralen, mittelalterliches Latein - von G. Paris (französischer Philologe, 1839 - 1903), die Ordnung der Gedanken - von Henri Bergson (französischer Philosoph, 1859 - 1941. Seine Philosophie des Lebens war der Höhepunkt der französischen Metaphysik um die Jahrhundertwende.), Skeptizismus - von Anatole France (französischer Schrifsteller und Historiker, 1844 - 1924. A. France schrieb Romane, Erzählungen und Aphorismen. 1921 erhielt er den Nobelpreis.), Prosa - von Flaubert, Dichtung - von Gautier und anderen. ... In diesen Jahren war ich nur ein aufsaugender Schwamm. Ich war ganz Auge und ganz Ohr. Ich wanderte durch Länder, Museen und Bibliotheken: Rom, Spanien, Balearen, Korsika, Sardinien, Andorra... Louvre, Prado, Vatikan, Uffizien... Nationalbibliothek. Außer der Technik des Wortes eignete ich mir auch die Techniken des Malens an.“

1900 erscheint Woloschins erster kritischer Artikel in der Zeitschrift „Russkoe Slowo“.
1903 begegnet Woloschin erstmalig den russischen Poeten seiner Generation: Bal’mont, Wjatschislaw Iwanow, Brjussow, A. Belji und Block.

Woloschin schreibt aus Paris Artikel für russische Zeitschriften über Malerei und Literatur, u.a. für die Zeitschriften „Vesy“ und „Solotoe Runo“ und die Zeitung „Rus’“.

1906 schließt Woloschin die Ehe mit Margarita Sabaschnikowa. Gemeinsam reisen sie auf der Donau über Wien, Budapest, Bukarest und Konstanza nach Konstantinopel. Nach der Reise wählen beide als Wohnsitz Petersburg, wo sie im selben Haus wie Wjatschislaw Iwanow leben. Woloschin nimmt am Kreis Iwanows „Sreda na Baschnje“ teil.
1907 verkompliziert sich sein Verhältnis zu Iwanow. Woloschin verläßt Petersburg, lebt zunächst in Koktebl’, dann in Paris und kehrt 1909 wieder nach Petersburg zurück.
1909 - Arbeit in der Redaktion der Zeitschrift „Apolon“.
1910 erscheint im Verlag „Grif“ der erste Sammelband mit Gedichten Woloschins.
 

4. Krieg und Revolution (1912 - 1919)
1912 bereitet Woloschin das Buch „Liki Twortschestwa“ zum Druck vor. Er malt viel, insbesondere Landschaften.
1913 ruft ein kritischer Aufsatz Woloschins über das berühmte Bild Repins „Iwan der Schreckliche und sein Sohn“ einen Boykott seiner Bücher und Publikationen hervor. Woloschin bereist mehrere russische Städte und referiert zum Thema „Die Grausamkeiten des Lebens und der Schrecken in der Kunst“.

Zu Kriegsbeginn 1914 arbeitet Woloschin in der Schweiz in Dornach (in der Nähe Basels) auf dem Bau eines anthroposophischen Kultbaus (sog. Johannsibau).
„Diese Arbeit, Seite an Seite mit Vertretern aller kriegführenden Nationen und nur einige Kilometer von den ersten Schlachtfeldern entfernt, war eine schöne und schwere Schule menschlichen und apolitischen Verhaltens zum Krieg.“

1916 kehrt Woloschin über England und Norwegen nach Rußland zurück.

„Der Februar 1917 ereilte mich in Moskau und weckte in mir keinen großen Enthusiasmus, da ich die ganze Zeit die intellektuelle Lüge [der Revolution] spürte, die die niederträchtige Realität der Revolution verdeckte.“
„Die Krim habe ich nach meiner Rückkehr im Frühjahr 1917 nicht wieder verlassen. Ich rette mich vor niemandem mehr und emigriere nirgendwohin mehr - die Schrecken des Bürgerkrieges und die Wechsel der Herrschaft gehen über meinen Kopf hinweg. Die Gedichte bleiben für mich die einzige Möglichkeit, meine Gedanken über die Gegenwart auszudrücken. Im Jahre [19]17 konnte ich kein einziges Gedicht schreiben: meine „Stimme“ kehrte erst nach dem Oktober zurück.“
 

5. Leben im sozialistischen Rußland
1918 erscheint der vierte Sammelband mit Gedichten.
1919 hält Woloschin Vorlesungen an der „Volksuniversität“.
1920 - „Befreiung“ der Krim durch die Rote Armee. Woloschin wird Verantwortlicher für die Erhaltung der Denkmale der Kunst und Wissenschaft im Gebiet Feodossia. Er tritt in den russischen Dichterverband ein.
1922 wird Woloschin Vorsitzender einer Kommission zur Verbesserung der Lebensverhältnisse der Wissenschaftler auf der Krim.
1923 - Tod der Mutter. Woloschin hat die Idee, sein Haus in Koktebl’ in ein Erholungsheim für Schriftsteller und Wissenschaftler umzuwandeln. In diesem Jahr erholen sich bereits 60 Personen in seinem Haus.
1924 erhält Woloschin von Lunartscharski (Minister für Volksbildung) die offizielle Erlaubnis zur Einrichtung eines Erholungsheimes auf Basis seines Hauses. 300 Personen erholen sich in diesem Jahr in seinem Haus.
1925 - 30 jähriges Jubiläum der literatrischen Tätigkeit Woloschins.
1927 wird eine Ausstellung Woloschins in der Moskauer Akademie der Künste eröffnet (173 Aquarelle). Im März schließt er die Ehe mit Sabolotzkoi.
1928 wird Woloschin Mitglied des Schriftstellerverbandes.
1929 werden Werke Woloschins im Rahmen einer Ausstellung über die UdSSR in Holland gezeigt.
1930 werden seine Aquarelle in Riga und London gezeigt. Woloschin ordnet sein Archiv und schreibt an seiner Autobiographie.
1931 übergibt Woloschin sein Haus an den Schriftstellerverband und erhält eine staatliche Pension.
1932 stirbt Woloschin am 11. August im Alter von 56 Jahren. Er wird auf dem Berg „Kutschuk-Jenischary“ beigesetzt, der später seinen Namen erhält.


Copyright © 2001 Universität Potsdam, Rolf-Rainer Lamprecht.,Larissa Schreckenbach
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