Прикладная фонетика русского языка

Органы речи

Die Sprechorgane/Речевые органы

Das Sprechen ist eine Sekundärfunktion der an der Luftbildung beteiligten Organe und vollzieht sich mit Hilfe der Ausatmungsluft (Expirationsluft), die in Phonationsluft verwandelt wird. Der Mensch spricht also mit Expirationsluft, die aus den Lungen über die Bronchien in die Luftröhre (Trachea) gepresst wird.

Der Kehlkopf

Die Luftröhre ist mit dem Ringknorpel des Kehlkopfes (Larynx) verbunden.
Der Kehlkopf ist ein kompliziert gebautes Organ, dessen Hauptaufgabe die Stimmerzeugung ist, d.h. die wichtige Eigenschaft, die für die Bildung der Vokale, für die Unterscheidung von stimmhaften und stimmlosen Konsonanten, für das Singen notwendig ist.

Das Kehlkopfskelett besteht aus fünf Hauptknorpeln, im Kehlkopfinneren liegen die Stimmlippen (Stimmbänder), die in Schwingungen versetzt, Stimme erzeugen. Die Stimmlippen sind Schleimhautfalten, die den Stimmuskel überziehen. Mit Hilfe der Stellknorpel können die Stimmlippen verschiedene Stellungen einnehmen, sie können einander bis zum völligen Verschluss genähert werden. Die Öffnung zwischen den Stimmlippen heißt Stimmritze (glottis).

Die wichtigsten Stellungen der Stimmlippen

  • Vitalatmungs- oder Ruhestellung: Die Stimmlippen sind maximal weit voneinander entfernt, die Luft kann ungehindert passieren. Normale Stellung beim Ausatmen.
  • Hauchstellung: Die Stimmritze bildet eine spindelförmige Längsöffnung. Bildung eines laryngalen Hauchlautes mit synchronem pharyngalemund oralem Hauch, entspricht dem deutschen Phonem /h/.
  • Vollverschlussstellung: Die Stimmlippen werden einander maximal genähert, so dass ein völliger Verschluss der Stimmritze entsteht.

(Zusatzinformation s. RSG I 1987)

Der Stimmeinsatz

Die Funktion der Stimmlippen, ihre unterschiedliche Stellung prägt den Stimmeinsatz. Als Stimmeinsatz wird der Moment bezeichnet, in dem die Stimmlippen aus einem schwingungslosen Zustand in die Phonationsstellung übergehen und die Art, wie sie zum Schwingen ansetzen. Nach akustischen Kriterien wird zwischen gehauchtem, weichem und festem Einsatz der Stimme unterschieden.

Im Deutschen ist der feste Stimmeinsatz üblich. Dieser geht von der Vollverschlussstellung der Stimmlippen aus. Die sich davor stauende Luft sprengt die Stimmlippen auseinander, es entsteht der sogenannte Glottisschlag (Knacklaut, Einschaltknack), der den Schwingungsbeginn einleitet.
Der feste Stimmeinsatz ist im Deutschen für jede betonte vokalisch anlautende Silbe, sofern sie nicht einem engen Silbenverband angehört, obligatorisch.
Vergleichen Sie: vereist - verreist.

Für das Russische ist der weiche Stimmeinsatz charakteristisch.
Stimmeinsatz und Schwingungsbeginn der Stimmlippen erfolgen gleichzeitig, d.h. der Schwingungsvorgang und damit der Klang setzen übergangslos ein. Nicht nur der stimmhafte konsonantische Anlaut, auch der vokalische Anlaut muss – im Unterschied zum Deutschen – weich eingesetzt werden.
Dem deutschen Lernenden bereitet der weiche Stimmeinsatz bei vokalischem Anlaut mitunter Schwierigkeiten. Zu Übungszwecken sollte man, um den Knacklaut zu vermeiden, den Anlaut leicht hauchen: aнанас [h.n.n‘as]

Aus dem Kehlkopf gelangt der Luftstrom in das Ansatzrohr, das aus dem Rachenraum, Mundraum und Nasenraum besteht.

Das Ansatzrohr

Rachenraum
Der Rachenraum, in den Mund- und Nasenraum einmünden, ist an der deutschen und russischen Lautproduktion nur passiv beteiligt.

Mundraum
Die wichtigste Rolle bei der Lautbildung spielt dank einer Reihe beweglicher Organe der Mundraum.
Die vordere bewegliche Grenze des Mundes bilden die Lippen (labia), die mit aktiver Teilnahme der Lippen gebildeten Laute heißen Lippen- oder Labiallaute. Dabei ist die aktive Beteiligung der Lippen verschiedenartig. Bei den Labialkonsonanten wird entweder von beiden Lippen ein völliger Verschluss gebildet /b, p, m/, oder aber die Unterlippe bildet mit den oberen Schneidezähnen eine Enge, durch die die Luft mit Reibungsgeräusch  entweicht /f, v/. Die mit beiden Lippen gebildeten Konsonanten heißen Bilabiale, die mit Unterlippe und oberen Schneidezähnen gebildeten Labiodentale. Bei der Bildung der Labialvokale werden die Lippen gerundet und nach vorn gestülpt /o, u/.  

Die unbewegliche Grenze des Mundraumes bilden die Zähne (dentes).
Laute, die mit dem vorderen Teil der Zunge an den Oberzähnen gebildet werden, heiszen Zahnlaute, Dentale. Die Zunge kann an den Zähnen einen Verschluss  /d, t, n/ oder eine Enge /z, s/ bilden.

Die Zähne sitzen in deutlich fühlbaren Verdickungen, Erhöhungen des Zahnfleisches, den Alveolen (Zahntaschen). Das russische Zungenspitzen-r ist ein alveolarer Laut.

Hinter den Alveolen beginnt der harte Gaumen (palatum), an dessen vorderem Teil, d.h. gleich hinter den Alveolen, z.B. /, .../ gebildet werden, die daher auch Postalveolare oder Palatale genannt werden. Ein typischer palataler Laut ist das /j/.

An den vorderen harten Gaumen schließt sich der hintere weiche Gaumen (velum), ein beweglicher Muskel, der beim gewöhnlichen Atmen wie ein Segel bei Windstille schlaff herabhängt, und deshalb auch Gaumensegel genannt wird. Zu den Velaren gehören die russischen Laute /g, k, x/.

Der hintere Teil des weichen Gaumens endet im Zäpfchen (uvula).

Den größten Raum in der Mundhöhle nimmt die Zunge (lingua) ein.
Sie ist das beweglichste, aus komplizierten Muskeln bestehende Sprechorgan, das aktiv an der Bildung der meisten Laute (Vokale und Konsonanten) beteiligt ist. Je nachdem, welcher Teil der Zunge die Lautbildung vornimmt, unterscheidet man Vorderzungenlaute (Prädorsale), Mittelzungenlaute (Mediodorsale), Hinterzungenlaute (Postdorsale), Zungenspitzenlaute (Apikale), Vorderzungenrandlaute (Koronale), Seitenengelaute (Lateralengelaute) und Zungenrückenlaute (Dorsale).

Nasenraum

Der über dem Mundraum liegende Nasenraum ist ein passives Sprechorgan, ein Resonanzraum, der dem Phonationsstrom eine besondere, nasale Klangfarbe verleiht. Das betrifft die Nasale /m, n, / im Deutschen.
Im Russischen kommen nur die nasalen Konsonanten /m, n/ vor, der velare Nasal // existiert nicht!
Bei den anderen Konsonanten und bei den Vokalen des Deutschen und Russischen entweicht der Phonationsstrom nur durch den Mund, wobei der Zugang zur Nasenhöhle durch das angehobene Gaumensegel abgesperrt wird.

(Steinitz 1953, S. 3)
 

Die Einteilung der am Sprechen beteiligten Organe, die in spezifischer Weise gekoppelt sind und in Abhängigkeit vom Zentralnervensystem funktionieren, kann folgendermaszen vorgenommen werden:

Sprechorgane:
- Atmungsorgane (Respirationsorgane)
- Stimmerzeugungsorgane (Phonationsorgane)
- Lautformungsorgane (Artikulationsorgane)
Atmungsorgane
Stimmerzeugungsorgane
Lautformungsorgane
  • äußerer Atemapparat: Brustkorb, Schultergürtel, Wirbelsäule, Atem- und Atemhilfsmuskulatur .....
  • Innerer Atemapparat: oberer Luftweg (Nasen-, Mundraum, Rachen, Kehlkopf), unterer Luftweg (Luftröhre, Bronchialbaum, Lungen), Zwerchfell
  • Kehlkopf
  • Kehlraum
  • Rachenraum
  • Nasenraum
  • Mundraum: Lippen, Wangen, Zähne, Zahndamm, harter Gaumen, weicher Gaumen, Zäpfchen, Zunge, Unterkiefer

Für die Aneignung einer normgerechten Aussprache bzw. für deren Vermittlung ist es erforderlich, sich über die Einteilung der Artikulationsorgane in aktive und passive bewusst zu sein.
Die aktiven Artikulationsorgane, die durch differenzierte und koordinierte Bewegungen und Verformungen Größe und Form des Ansatzrohres verändern, durch Öffnungs-, Enge- und Verschlussbildungen den Luftstrom gliedern bzw. den Primärklang resonatorisch variieren, befinden sich im wesentlichen im Mundraum: Lippen, Unterkiefer, Zunge, Gaumensegel, Zäpfchen. Jene Teile des Ansatzrohres, die sich bei der Artikulation passiv verhalten, werden passive Artikulationsorgane genannt. Dazu zählen: Zähne, Zahndamm, harter Gaumen, Nasenraum, Kehlkopf.

Zusatzinformation: Органы речи. In: Русский язык. Энциклопедия 1997

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Letzte Aktualisierung 20.06.2014 11:20 AM
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