Alexander von Humboldt: Ein Nomade der Forschung im Blickpunkt zweier Projekte

„Alexander von Humboldt auf Reisen – Wissenschaft aus der Bewegung“ (AvH-R) und „Humboldts Amerikanische Reisetagebücher“ (ART) [English]

Die Alexander von Humboldt-Forschung steht vor neuen Herausforderungen und Chancen: Ziel der beiden Projekte „Alexander von Humboldt auf Reisen – Wissenschaft aus der Bewegung“ (AvH-R) der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, sowie des BMBF-Verbundprojekts zu den Amerikanischen Reisetagebüchern (ART) sind Edition, Digitalisierung und Erforschung der von Alexander von Humboldt (1769-1859) während seiner Reisen verfassten Schriften und Dokumente. Beide Forschungsvorhaben sollen Komplexität und Aktualität eines in vielerlei Hinsicht noch unbekannten Wissenschaftsverständnisses in den nächsten Jahren weiter sichtbar werden lassen.

Julius Schrader (1859): Baron Alexander von Humboldt (1769-–1859), Öl auf Leinwand, 158.8 x 138.1 cm, New York: Metropolitan Museum of Art.

Julius Schrader (1859): Baron Alexander von Humboldt (1769-–1859), Öl auf Leinwand, 158.8 x 138.1 cm, New York: Metropolitan Museum of Art.

Gemeinsame Grundlage beider Projekte ist die vernetzende Perspektive auf einen der prominentesten Wissenschaftler, Schriftsteller und Philosophen des neunzehnten Jahrhunderts, die dessen Wissenschaftsverständnis und Forschungen als zutiefst abhängig von den Erfahrungen eines lebenslang Reisenden zu erfassen sucht. Überholte, jedoch immer noch verbreitete Differenzierungen einer komplexen historischen Figur nach anachronistisch definierten Zuschreibungen wie „Geisteswissenschaftler“ versus „Naturwissenschaftler“, sowie die exklusive Darstellung einzelner Tätigkeiten Humboldts mit dem Zweck einer Fixierung und Monumentalisierung des „letzten Universalgelehrten“ sollen dadurch weiter überwunden werden. Gerade anhand der Reisetagebücher, welche im Akademieprojekt sowohl die Tagebücher der Amerikareise (1799-1804) als auch diejenigen der Russland-Expedition (1829) umfassen, wird deutlich, wie sehr Bewegung und Reise in erkenntnistheoretischer, wissenschaftlicher und politischer Hinsicht im Schreiben Alexander von Humboldts voneinander abhängen und Wege in ein nach wie vor aktuelles Verständnis mit dem Ziel einer dynamischen Wissenschaft weisen.

Edition und Forschung im Langzeitvorhaben (BBAW)

Seit Januar 2015 widmet sich das Langzeitvorhaben „Alexander von Humboldt auf Reisen – Wissenschaft aus der Bewegung“ (Antragsteller: Prof. Dr. Ottmar Ette und Prof. Dr. Eberhard Knobloch; Arbeitsstellenleiter: Dr. Tobias Kraft) der vollständigen Edition der Manuskripte Alexander von Humboldts zum Themenkomplex Reisen (Reisejournale, Tagebücher, Denkschriften, Publikationen in den bereisten Ländern und Regionen, Korrespondenzen) an der Schnittstelle von Kultur- und Naturwissenschaften. Es wurde als Vorhaben der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in das Akademienprogramm 2015 aufgenommen. Ziel des Projektes ist die Edition aller Manuskripte und Schriften, die Alexander von Humboldt während seiner ausgedehnten Reisen durch die Amerikas und Russland sowie nach England, Frankreich, Spanien und Italien verfasst hat. Damit eröffnet sich der Forschung und der interessierten Öffentlichkeit zum ersten Mal ein umfassender Einblick in das Leben und Arbeiten eines der bedeutendsten Natur- und Kulturwissenschaftlers des 18. und 19. Jahrhunderts.

Projektseite AvH-R (Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften)

Forschung und Erschließung im Verbund (UP/SBB-PK)

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Drei Bände der Amerikanischen Reisetagebücher Alexander von Humboldts. © SBB-PK

Das BMBF-Verbundprojekt „Alexander von Humboldts Amerikanische Reisetagebücher“ (ART) unter der Leitung von Prof. Dr. Ottmar Ette und Barbara Schneider-Kempf und unter der Koordination von Dr. Julian Drews und Dr. Jutta Weber ist eine Kooperation zwischen der Universität Potsdam und der Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz. Beide Institutionen führen im Zeitraum 2014-2017 zwei Teilprojekte zur Erforschung und Erschließung von Humboldts Amerikanischen Reisetagebüchern durch.  Dieses Verbundprojekt liefert die wissenschaftliche Grundlage für eine langfristige Auseinandersetzung mit den Amerikanischen Reisetagebüchern, an denen Alexander von Humboldt mit immer neuen Zusätzen sechs Jahrzehnte lang schrieb als komplexem Gegenstand der Forschung.

Aktuelles zu ART und den Teilprojekten „Genealogie, Chronologie, Epistemologie“ (Universität Potsdam) sowie „Sicherung, Kontextualisierung und Digitalisierung“ (Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz).

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