HBPG Potsdam MMZ Potsdam Altlandsberg Angermünde Bad Freienwalde Bad Wilsnack Beelitz Beeskow Bernau Brandenburg/Havel Calau Cottbus Eberswalde Forst Frankfurt/Oder Friedland Friesack Fürstenberg/Havel Fürstenwalde/Spree Gartz Groß Neuendorf Guben/Gubin Kremmen Kyritz Lehnitz Lindow/Mark Lübben Luckenwalde Mittenwalde Müncheberg Nauen Neuruppin Oderberg Oranienburg Pereleberg Potsdam Prenzlau Rathenow Schwedt/Oder Seelow Storkow Strausberg Templin Treuenbrietzen Wittstock/Dosse Wriezen Wusterhausen/Dosse Zehdenick Perleberg Templin Oranienburg Eberswalde Brandenburg Potsdam Luckenwalde Calau Frankfurt/Oder Wriezen Wittstock Bad Wilsnack Brandenburg/Havel Nauen Falkensee Lehnitz Prenzlau Oderberg Schwedt/Oder Eberswalde Bad Freienwalde Wriezen Strausberg Potsdam Beelitz Luckenwalde Neuendorf im Sande Lübben Fürstenwalde Frankfurt/Oder Eisenhüttenstadt Guben Tröbitz Calau Cottbus Synagogen in Brandenburg
Logo


Die Synagoge

Haus des Gebetes, der Zusammenkunft, des Lehrens und Lernens.

Bedeutung und Funktion

Anders als im herkömmlichen Sinne – ein Gotteshaus, das dem Gottesdienst bzw. der Andacht und dem Gebet dient –, übernimmt die Synagoge seit jeher weitere Funktionen innerhalb der jüdischen Gemeinde: Neben der Funktion als geistiges, stellt sie auch ein kulturelles Zentrum innerhalb der Gemeinde dar. Darüber hinaus dient sie als Lehrhaus, in dem die heiligen Schriften studiert und vermittelt werden; zuweilen dient die Synagoge auch als Gerichtsgebäude (Bet Din).

Das Wort Synagoge stammt aus dem Griechischen und bedeutet »Versammlungsort«. Im Hebräischen hat der Begriff ebenso seine Entsprechung: Bet Knesset (Haus der Versammlung, der Zusammenkunft), allerdings wird die Synagoge im Hebräischen auch Bet Tfila (Haus des Gebetes) genannt. Im Jiddischen heißt sie Schul und verweist damit auf den Ort des Lernens, des Studiums der Heiligen Schriften (Bet Midrasch).

In Erinnerung an den zerstörten Tempel (die Zerstörung des zweiten Jerusalemer Tempels erfolgte 70 n.d.Z.) werden die Gebete – egal von welchem Ort auf der Welt – Richtung Jerusalem gesprochen. Diese Tradition prägte auch seit Anbeginn die Synagogen-Architektur.

Im Gegensatz zum Tempel gab es in den neu entstandenen Synagogen keinen Opferkult, denn dieser war ausschließlich dem Zentralheiligtum in Jerusalem vorbehalten. Durch den Verzicht des Opferrituals fehlt in der Synagoge daher auch der Altar. Ein zentraler Ort in der Synagoge ist der Almemor bzw. die Bima, eine Plattform oder ein Tisch worauf die Torarollen (Sefer Tora) liegen und von wo aus der Vorsteher oder ein Mitglied der Gemeinde aus der Tora vorliest. Die Plattform ist meist durch zwei Stufen erreichbar und von einem Geländer umgeben. Der Toraschrein (Aron Kodesch) ist der Behälter, in dem die Torarollen aufbewahrt werden. Diese befindet sich an der Ostwand der Synagoge, entweder freistehend oder in einer Nische eingelassen. Ähnlich wie zur Bima führen häufig auch zum Aron Kodesch, der mit einem samtenen und bestickten Toravorhang (Parochet) verdeckt ist, einige Stufen. Die darin befindlichem Torarollen, die häufig an zwei mit goldenen oder silbernen Knäufen (Rimmonim) versehenen Holzstangen befestigt sind, stecken in einem kunstvoll verzierten Mantel, umschlossen von einem Torawimpel (Mappa).

In Synagogen mit orthodoxem Ritus gibt es einen separaten Bereich für Frauen, der sich entweder im hinteren oder oberen Bereich (Frauenempore) des Raumes befindet. Häufig verfügt die Synagoge zudem über einen Vorraum, in dem sich ein Waschbecken befindet, das zur symbolischen Reinigung der Hände vor dem Gebet benutzt wird.

Die Synagoge dient seit Anbeginn dem Wortgottesdienst:
dem Lesen aus der Tora, den fünf Büchern Mose (Pentateuch). Die Synagoge ist kein Sakralbau, kein geheiligter Ort, wie beispielsweise eine katholische Kirche. Allein durch das Aufbewahren und dem Verlesen aus der Tora erhält die Synagoge ihre Bedeutung als Gotteshaus. Daher ist es auch nicht erforderlich, dass ein Rabbiner dem Gottesdienst beiwohnt, denn der kann auch von Gemeindemitgliedern durchgeführt werden. Allerdings sind für einen vollständigen Gottesdienst mindestens zehn männliche Juden notwendig, die den sogenannten Minjan bilden. Die Beter müssen mindestens 13 Jahre alt sein, denn diese Bedingung basiert auf einer Erwähnung in der Mischna, in der dieses Alter als angemessen erachtet wird, um die Gebote (Mizwot) zu erfüllen und vollwertiges Mitglied der Gemeinde zu sein. Der zeremonielle Aufnahmeritus, der seit etwa sechshundert Jahren in der Synagoge vollzogen wird, heißt Bar Mizwa und gestattet dem Jungen erstmals öffentlich aus der Tora vorzulesen. In den modernen Reformgemeinden gibt es mittlerweile auch eine Entsprechung für Mädchen, die Bat Mizwa, die ebenso durch das erstmalige Vorlesen aus der Tora in die Gemeinde aufgenommen und nunmehr zum Einhalten der 613 Gebote verpflichtet werden.

Eine der Pflichten ist wiederum der Gottesdienst bzw. das Gebet, das dreimal täglich (morgens, nachmittags und abends), allerdings nicht zwingend in einer Synagoge, verrichtet werden muss. Lediglich zu besonderen Anlässen (insbesondere an den Feiertagen), ist das Verlesen aus der Sefer Tora (Torarolle) vorgeschrieben. Der Ablauf eines Gottesdienstes unterliegt bestimmten Ritualen und unter genau festgelegter Beteiligung der Gemeinde, so wird beispielsweise von einer Person der Toravorhang verschoben und die Lade geöffnet, eine weitere Person nimmt die Torarolle aus der Lade und bringt sie zum Kantor (Chasan), während die Gemeinde betet und singt, rollt der Vorbeter dann mit einem Segensspruch die Tora auf den Tisch der Bima aus. Das Verlesen der Tora erfolgt im Jahresrhythmus. Innerhalb eines Jahres werden alle fünf Bücher Mose in einem vorgeschriebenen Zyklus verlesen. Dabei ist genau festgelegt, welche Abschnitte in welcher Woche vorgetragen werden, wobei die Wochenlesung wiederum in acht Abschnitte (Alijot) unterteilt ist. Am Jahresende schließt die Toravorlesung mit Moses Segen und Tod. Am gleichen Tag wird wiederum mit dem 1. Buch Moses begonnen. Dieses Ritual ist ein ganz besonderes Ereignis in der Synagoge und wird als Simchat Tora (Gesetzesfreude) bezeichnet.

Die Synagogenbauten der Diaspora dokumentieren häufig den Grad der Akzeptanz der nicht jüdischen Mehrheitsgesellschaft sowie den Integrationsgrad der Jüdischen Gemeinden. Dies spiegelt sich beispielsweise in der Architektur wider. Im christlichen Europa war es lange verboten, Synagogen ins Straßenbild einzupassen. Die Bauten mussten mit schlichtem Äußern in Hinterhöfen errichtet werden. Je toleranter sich die Herrscher erwiesen, desto offensichtlicher dokumentierte die Synagogengestaltung die Akkulturationsbereitschaft. Eine gewisse Anlehnung an den christlichen Gottesdienst zeigte sich beispielsweise durch den Einbau von Orgeln in reformierten Synagogen, wie in Potsdam.

Universität Potsdam