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  • Weitere Projekte: Presbyphagie, Screeningverfahren in der neurologischen Frührehabilitation, SARA: Aspirationsscreening für Kinder mit Cerebralparese in Russland

Weitere Projekte



Presbyphagien: Inwieweit sind Kompensationsmechanismen nutzbar als rehabilitative Therapiestrategien in der Dysphagietherapie?

Bachelorarbeit Jessica Bösel

Zusammenfassung: In meiner Bachelorarbeit beschäftige ich mich mit den bisherigen Erkenntnissen über die physiologischen Veränderungen des Schlucksystems im Alter sowie über die Kompensationsstrategien und –mechanismen, die das alternde Schlucksystem entsprechend ausgleichend einsetzt.

Physiologische Veränderungen des Schlucksystems im Alter werden als Presbyphagie bezeichnet (Rüffer & Wilmskötter, 2013). Gegenüber einer Dysphagie sind presbyphagische Veränderungen jedoch nicht als pathologisch zu bewerten, da das Schlucksystem in der Lage ist, die altersbedingten Veränderungen derart effektiv zu kompensieren, dass keine negativen Auswirkungen auf den Schluckvorgang bestehen. Nach Stanschus und Wilmskötter (2012) könnten diese Kompensationsmechanismen in der Dysphagietherapie mit älteren Menschen eventuell sogar gewinnbringend als rehabilitative Therapiestrategie eingesetzt werden. Die Stärkung funktioneller Reserven durch Kompensationsmechanismen wäre z.B. nützlich, wenn die direkte Behandlung der bestehenden Dysfunktion nicht möglich ist. Dadurch bestünde ggf. die Möglichkeit, die primäre Dysfunktion derart zu neutralisieren, dass zwar nicht länger physiologisch, jedoch sicher geschluckt werden könnte.

Inspiriert durch die Hypothese von Stanschus & Wilmskötter (2012) soll im Zuge meiner Arbeit im Anschluss an die Integration aller empirischen Daten bzgl. presbyphagischer Veränderungen und der Kompensationsmechanismen, über die Möglichkeiten und Grenzen diskutiert werden, inwieweit das presbyphagische Schlucksystem als Modell in der Dysphagietherapie Anwendung finden könnte.

Literatur

Rüffer, N. & Wilmskötter, J. (2013). Presbyphagie, Kompensation und Schluckplanung. DysphagieForum, Ausgabe 1/2013.

Wilmskötter, J. & Stanschus, S. (2012). Presbyphagie - im Alter wird alles schlechter? Das alternde Schlucksystem als Vorbild für die Dysphagietherapie. Sprachheilarbeit, 1/2012, 2-11.

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SARA: Development and validation of an assessment scale in Russian: “Scale for the Assessment of Risk of Aspiration"

Masterarbeit Ksenia Bykova

Background: No validated scale exists in Russia for performing clinical assessment of swallowing disorders in children with cerebral palsy (CP).

The aim of the present study is twofold:

1.     To develop a structured clinical swallowing examination scale to identify the risk of aspiration in children with CP during normal feeding procedures.

2.     To validate the newly developed scale with respect to inter-rater and intra-rater reliability in identification of aspiration signs and decisions about continuation or cessation of the assessment procedure.

Methods: In a first step the “Scale for Assessment of Risk of Aspiration (SARA)” was developed. SARA comprises two parts with 7 clinical signs of aspiration reported by Benfer et. al (2015): SARA part I: cough, gurgly voice and choking, SARA part II: wet breath, respiratory rate, multiple swallow and gagging. Parameters of SARA part I are highly reliable indicators for food aspiration (cf. ibid), therefore, more than one occurrence of one of these parameters leads to immediate cessation of the assessment and referral to instrumental examination. In a second step we obtained meal times’ video recordings from children with CP in two clinical sites in Russia. All video recordings were assessed with the newly developed SARA scale once online during the recording, then twice offline by the same rater and then offline by two independent raters to determine intra- and interrater reliability.

Results: 30 children with CP (age range 25-72 months) from the Moscow Scientific-Practical Centre of Children’s Neuropsychiatry and a children’s rehabilitation center in Moscow participated in the study. They were born on 26-42 weeks of gestation (M=36.9) with a weight of 1030-4550g (M= 2898.5g). 10 participants spent 3-90 days in NICU after the birth, 7 were for 1-48 days on AVL and 8 were fed by NGT for 14-365 days. Comparing data from feeding questionnaires filled in by participants’ caregivers with data obtained by a Speech-Language Therapist (SLT) during on-line assessment we found that while caregivers reported coughing for 15 participants the SLT observed it in 7 children. The parameters gurgly voice, multiple swallowing and wet breathe were identified by the SLT 2-3 times more often than by the parents. Change in respiratory rate and choking were not observed. Video recordings of 10 males and 7 females were suitable for data analysis with respect to intra- and inter-rater reliability.

Discussion. The first analysis showed that SARA can be applied in a group of patients with CP. Comparisons between the SLT and data from feeding questionnaires revealed some inconsistency in ratings. Reliability analysis is currently in process and will be reported.

References:

Benfer KA, Weir KA, Bell KR, Ware RS, Davies PS, Boyd RN. (2015). Clinical signs suggestive of pharyngeal dysphagia in preschool children with cerebral palsy. Research in Developmental Disabilities. 38:192-201.


Screeningverfahren in der neurologischen Frührehabilitation: Analyse von Screeningergebnissen in einem Beobachtungszeitraum von 12 Monaten

Ulrike Frank 1,2, Flurina Mätzener1, Christine Czepluch1, Madeleine Müller1, Margret Hund-Georgiadis1

1 REHAB Basel, Klinik für Neurorehabilitation und Paraplegiologie, Basel, Schweiz

2 Universität Potsdam, Department Linguistik, Swallowing Research Lab, Potsdam, Deutschland

 

Hintergrund: Screeningverfahren dienen in der Dysphagiebefundung zur ersten Einschätzung von Aspirationsrisiko und Schweregrad. Wir analysieren Screeningergebnisse des Gugging Swallowing Screenings (GUSS, [1]) und des 90ml Wasserschlucktests (90ml WST / 3oz-Water Swallow Test; [2]) anhand von Patientendaten, die im Verlauf eines Jahres in unserer Klinik erhoben wurden. In einer explorativen Datenanalyse wird der Zusammenhang von Patientencharakteristika und Screeningergebnissen überprüft, und die Übereinstimmung des Schweregradurteils der Screenings mit dem Bogenhausener Dysphagiescore (BODS, [3]) als Referenzinstrument wird analysiert.

Methoden: Im Zeitraum Jan-Dez 2015 werden Screeningergebnisse, Alter, Geschlecht und Ätiologie der Patienten erhoben. Die untersuchten Verfahren werden aufgrund der sehr unterschiedlichen Testbolusmengen überwiegend komplementär angewendet: GUSS bei nicht- oder teiloralisierten  und 90ml WST bei teil- und vollständig oralisierten Patienten. Der BODS wird als Referenzinstrument bei allen Patienten erhoben.

Ergebnisse: Die Stichprobe umfasst zum Zeitpunkt der Abstracteinreichung 102 Patienten (69m, 33w) mit einem mittleren Alter von 52.9 Jahren (17.2-88.9; SD= 15.7). Die meisten Patienten gehören den Diagnosegruppen Schädelhirntrauma, hämorrhagischer Insult oder ischämischer Insult an, 33 Patienten waren zum Zeitpunkt der Befundaufnahme tracheotomiert.

Die Ergebnisse der Referenzuntersuchung BODS verteilen sich vor allem auf die Extreme der Skalierung (Abb. 1). Bei 20 Patienten konnte keines der Screeningverfahren durchgeführt werden, bei 7 Patienten beide. 27 / 43 Patienten, die mit dem GUSS beurteilt wurden, zeigten schwere Dysphagien, während 37 / 46 mit dem 90ml WST untersuchten Patienten in diesem Test unauffällig waren. Die Schweregradbeurteilung der Referenzuntersuchung BODS zeigte eine hohe Korrelation mit den Ergebnissen des GUSS (Kendall-Tau: rτ= .746; p< .05) und eine moderate Korrelation mit dem 90ml WST (Kendall-Tau: rτ= .476; p< .05). Keiner der Faktoren Alter, Geschlecht oder Ätiologie korrelierte signifikant mit der Schweregradbeurteilung des GUSS oder dem Ergebnis im 90ml WST (Kendall-Tau, p> .05), jedoch wies der Faktor Geschlecht eine schwache Korrelation mit der Schweregradbeurteilung im BODS auf (Kendall-Tau;  rτ= .316; p< .05).

Schlussfolgerung: Die Verwendung komplementärer Screeninginstrumente ist nach den vorliegenden Daten sinnvoll, da die Ergebnisse eine Verteilung auf die jeweiligen Beurteilungsextreme aufweisen. Die Schweregradeinschätzung des GUSS kann als zuverlässig beurteilt werden. Die Faktoren Alter, Geschlecht und Ätiologie lassen keine zuverlässigen Vorhersagen für das Screeningergebnis zu.

Referenzen:

1.   Trapl M, Enderle P, Nowotny M, Teuschl Y, Matz K, Dachenhausen A, Brainin M. Dysphagia bedside screening for acute-stroke patients: The Gugging Swallowing Screen. Stroke. 2007;38:1-7.

2.   DePippo KL, Holas MA, Reding MJ. Validation of the 3-oz-water swallow test for aspiration following stroke. Arch Neurol. 1992;49:1259-1261.

3.   Starrost U, Bartolome G, Schröter-Morasch H, Ziegler W, Fussenegger C, Marano C, Krischok, Y, Schilling B. Der Bogenhausener Dysphagiescore - BODS: Inhaltsvalidität und Reliabilität. DysphagiEforum. 2012;2:2-13.