Produktentwicklung

Höher, schneller, weiter — der Leistungs- und Optimierungsanspruch unserer Gesellschaft führt dazu, dass ständig neue Produkte auf den Markt gebracht werden (müssen). Doch auch neue gesellschaftliche Bedürfnisse, Ansprüche und Fragestellungen erfordern die stetige kreative (Weiter-)Entwicklung und Anpassung von Produkten und Dienstleistungen aller Art, sei es um Nahrungsmittel klimaverträglicher und gesünder zu machen, Heilmittel für neuentdeckte Erkrankungen zu entwickeln oder hybride Medienformate zu gestalten um Zeitgeist und veränderten Rezeptionsbedingungen Rechnung zu tragen.

Aufgrund rasanter Forschungsfortschritte und eines Marktes, der von Wettbewerb geprägt ist, werden also permanent Produkte (weiter-)entwickelt, die sowohl effektiv, als auch profitabel sein müssen. So facettenreich diese Produkte sind, so unterschiedlich fallen auch die geforderten Kenntnisse zur Konzeption und Optimierung selbiger aus. Je nach Branche und Produktart werden zum Beispiel für die Entwicklung von widerstandsfähigen Kunst- und Klebstoffen oder Lacken andere Spezialist*innen gebraucht, als für das Designen eines perfekten Turnschuhs oder einer neuen Fertigsuppe für eine Supermarkteigenmarke.  Auch immaterielle Produkte, beispielsweise für eine Versicherung, ein Medienunternehmen oder in der IT-Entwicklung fallen in den Bereich. Die Variation an Jobbezeichnungen im Feld ist dementsprechend groß, obwohl es grundsätzlich immer um die gezielte, fundierte und systematische Gestaltung und Optimierung von Gütern oder Dienstleistungen geht.

In der Chemie-, Pharma- und Lebensmittelindustrie ist beispielsweise meist ein Studienabschluss in den Fächern (Bio-)Chemie, Materialwissenschaften, Ernährungswissenschaften bzw. Ökotrophologie oder Medizin gefordert, dabei oft mindestens mit einem Master bis hin zur Promotion. Absolvent*innen dieser Fachrichtungen sind unter anderem als Projektleiter- bzw. Entwicklungsleiter*innen, naturwissenschaftliche Ingenieur*innen oder product development chemists bei Chemikalienherstellern, Supermarktketten oder anderen Lebensmittelunternehmen, Pharmakonzernen oder Kosmetikproduzenten tätig und entwickeln in Laboren und Forschungseinrichtungen zum Beispiel Körperpflegeprodukte, Tierfutter, Kunst-, Brenn- oder Impfstoffe. Aufgrund des nicht unerheblichen gesundheitlichen Risikos erfolgt insbesondere die Entwicklung von Arzneimitteln nach strengen gesetzlichen Vorschriften und geht meist mit einem erhöhten Zeitaufwand einher, da mehrere (prä-)klinische Studien vor Marktzulassung durchgeführt werden müssen.

Ebenfalls mit den Naturwissenschaften verwandt ist die Entwicklung von Sportprodukten. Hier lautet das primäre Ziel, Produkte zu entwickeln, die Nutzer*innen dabei unterstützen, athletische Höchstleistungen zu erreichen. Dafür kommen konkret nicht nur Abschlüsse in (Produkt-)Design oder Materialwissenschaften, sondern auch Bewegungs- und Gesundheitswissenschaften in Frage, da zum Beispiel in Forschungszentren mithilfe von sportlichen Tests erforscht wird, wie Körper und Produkt interagieren und Letzteres entsprechend angepasst werden kann. Um in diesem Bereich als Produktentwickler*in tätig zu sein, ist es daher äußerst empfehlenswert, eine gewisse Sportaffinität oder -begeisterung mitzubringen, um sich besser in die Bedürfnisse und Ansprüche der jeweiligen Zielgruppe hineinversetzen zu können.

Produktentwicklung muss offiziellen DIN und EN-Normen entsprechen

Auch Verbraucherschutzzentralen stellen Produktentwickler*innen ein, wobei hier eher die Kontrolle der entwickelten Produkte auf ihre Sicherheit und Standarderfüllung durch das Entwickeln neuer Prüfverfahren im Vordergrund steht, also Produktentwicklung auf sekundärer Ebene. In diesem Zusammenhang darf der Blick auf gesetzliche Normen und Vorschriften zur Produktsicherheit nicht fehlen, denn sie setzen den rechtlichen Rahmen für das, was überhaupt legal produziert und verkauft werden darf. In Deutschland gelten sowohl die Regelungen des Bundes, als auch die der Europäischen Union. So ist zum Beispiel laut der EU-weit geltenden Kosmetikverordnung die Überprüfung von bestimmten Inhaltsstoffen auf ihre Sicherheit und Notwendigkeit verpflichtend, bevor sie als Bestandteil eines Produktes auf den Markt kommen. Außerdem müssen sogenannte DIN- und EN-Normen zur Einhaltung bestimmter Produktstandards beachtet werden. Bei einem Anstreben einer Tätigkeit in diesen Bereichen ist es also sinnvoll, sich hier einige Grundkenntnisse, die für die jeweilige Branche relevant sind, anzueignen.

In allen Bereichen der Produktentwicklung kommt es letztendlich auf ein Zusammenspiel zwischen Angebot und Nachfrage an. In der Praxis bedeutet dies, dass Produktentwicklerteams eng mit den Qualitätsmanagement- und Marketingverantwortlichen eines Unternehmens zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass ein Produkt auf dem Markt tatsächlich realisierbar, sinnvoll und wettbewerbsfähig ist. Produktentwickler*innen sollten deshalb, neben einer großzügigen Portion Kreativität, die Fähigkeit besitzen, Ideen objektiv bewerten und ihre Arbeitsergebnisse auch außerhalb des Labors oder des Studios präsentieren zu können um gegebenenfalls auch Investor*innen zu gewinnen - gerade dann, wenn man sich mit einem eigens entwickelten Produkt selbständig machen und neu auf dem Markt etablieren möchte (siehe auch Gründungsservice der Uni Potsdam). Außerdem empfiehlt es sich, bereits während des Studiums im jeweiligen Interessensbereich Praktika in Produktentwicklungsabteilungen zu absolvieren.

 

Porträt Alexander Knüttel

Alexander Knüttel

ist Gründer eines Potsdamer Startups in der Medizintechnik und entwickelt Bauteile für endoskopische Untersuchungen