Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Zunächst möchte ich erst einmal erwähnen, dass ich durch Corona einen anderen Ablauf hatte, als gewöhnlich und mein Bericht damit womöglich nicht hundertprozentig auf andere Studierende zutrifft. Ungefähr ein Jahr vor Beginn meines Erasmus-Semesters habe ich angefangen, mich über verschiedene Optionen und Bewerbungsfristen zu informieren. Ich habe mich für Norwegen entschieden, da mich dieses Land landschaftlich begeistert und es ein breites Angebot an englischsprachigen Kursen gibt.  Durch die gesamte Bewerbung haben mich meine Erasmus-Koordinatorin und das International Office sehr gut begleitet. Es gibt zwar viele Formalien zu erledigen, diese sind jedoch mit entsprechender Hilfe einfach zu meistern. Nach meiner Nominierung an der Gasthochschule nahm diese per Email Kontakt zu mir auf und informierte mich regelmäßig über alle weiteren Schritte. Zur Bewerbung an der Universitetet i Oslo (UiO) musste ich lediglich eine Übersetzung meiner Leistungsübersicht und das Learning Agreement hochladen. In meinen ersten Monaten in Oslo hatte ich immer mal wieder ein paar Fragen oder benötigte Unterschriften für verschiedene Unterlagen. Sowohl telefonisch, als auch per Email waren die Zuständigen an der UiO und der Universität Potsdam schnell zu erreichen und so konnte ich immer alles sofort regeln.

 


Studienfach: Betriebswirtschaftslehre

Aufenthaltsdauer: 01/2021 - 06/2021

Gastuniversität: Unversitetet i Oslo

Gastland: Norwegen

Studium an der Gastuniversität

An der UiO erhält man pro Kurs meistens 10 ECTS, mit Ausnahme einiger Sprachkurse, welche mit 5 ECTS abgeschlossen werden. So musste ich nur 3-4 Kurse belegen, um die Anforderung von 30 Leistungspunkten zu erfüllen. Alle Lehrveranstaltungen haben bis auf weiteres für mich online stattgefunden. Der Aufbau war jedoch sehr gut gestaltet und stellenweise von den Studierenden mitbestimmbar. So konnten wir z.B. zwischen live Vorlesungen auf Zoom oder pre-recorded Videos wählen. Die Klausuren waren etwas anders aufgebaut als ich es gewohnt war, was jedoch auch wiederum an der Corona-Situation liegen konnte. Aufgabe der meisten meiner Klausuren (und auch der meiner Mitstudierenden) war es, ein Essay zu einem vorgegeben Thema zu schreiben. Dafür hatten wir in der Regel zwischen 3 Stunden bis zu sogar 3 Tagen Zeit. Die Leistungsbewertung war für mich etwas strenger als ich es erwartet hätte und stellenweise nicht ganz im Einklang mit den gestellten Anforderungen in den Vorlesungen. Zum Studienklima kann ich leider nicht allzu viel erzählen, da ich den Campus nur betreten habe, um die Bibliothek zu besuchen, welche auch trotz Corona bis auf einen Monat durchgängig geöffnet hatte. Online konnte man sich dort einen Platz buchen und dabei zwischen zahlreichen Bibliotheken an verschiedenen Standorten wählen, wovon jedoch nicht alle eine ausreichende Bücherauswahl hatten. Die meisten von mir besuchten Bibliotheken waren mit Computern und Druckern ausgestattet. Die Professoren waren sehr hilfsbereit, offen und haben schnell auf Emails reagiert. Bei einer Klausur hatte ich technische Probleme beim Login in das Online Klausuren System und wurde sehr gut durch mehrere Verwaltungsmitarbeiter betreut, bis ich letztendlich verspätet, jedoch mit verlängerter Zeit teilnehmen konnte.

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

Gleich zu Beginn nahm ich an der Einführungswoche teil, was ich jedem nur empfehlen kann. Mit sieben anderen ausländischen Studierenden wurden wir fünf Tage lang von drei einheimischen Studierenden spielerisch über den Campus und durch die Stadt geführt. In dieser Woche lernte ich den Großteil meiner engsten Freunde kennen, mit denen ich später so gut wie jeden Tag verbrachte und sehr viel innerhalb Norwegens reiste. Schon bei meiner Ankunft hatte ich bereits das Glück auf zwei ausländische Studierende zu treffen, zu welchen ich auch bis zum Ende hin sehr viel Kontakt hatte. Mein Kontakt zu einheimischen Studierenden hielt sich auf eine Handvoll begrenzt. Die meisten Norweger lernte ich über meine Mitbewohnerin und die einiger Freunde kennen, sah diese jedoch nicht so oft wie meine internationalen Freunde. 

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Ich belegte zwar vor Ort einen Norwegisch-Kurs für Beginner, da ich in meiner Freizeit jedoch nur Englisch sprach, habe ich davon leider kaum etwas mitgenommen. Die meisten Norweger sprechen flüssig Englisch, wodurch ich nicht oft gezwungen war Norwegisch anzuwenden. Die angebotenen Kurse für internationale Studierende fanden auf Englisch statt und da ich vor ein paar Jahren nach dem Abi zwei Jahre an einer Uni in den USA studiert habe, konnte ich diesen problemlos folgen. Dadurch haben sich aber auch meine Englischkenntnisse nicht bemerkenswert verändert.

Wohn- und Lebenssituation

Normalerweise ist es, denke ich, kein Problem, einen Platz in einen der Studentenwohnheimen zu finden. Aufgrund der aktuellen Situation war dies für viele Studenten jedoch nicht möglich und so begann ich, mich im November nach WGs umzusehen. Auf der norwegischen Website „Hybel“ kontaktierte ich zahllose Personen und fand letztendlich Ende des Monats ein Zimmer in einer schönen Altbauwohnung, welche sehr zentrumsnah lag. Die Miete war etwas höher als im Studentenwohnheim, jedoch teilte ich mir mit meiner norwegischen Mitbewohnerin eine geräumige 3-Zimmer Wohnung. Die Anbindung zu Bus, Tram und Metro war für mich perfekt und die meisten meiner Freunde wohnten in 5-10 Minuten Fußnähe und so war ich letztendlich sogar froh, nicht im Studentenwohnheim zu wohnen (obwohl dieses sicher aus seine Vorteile hat). Als Student kann man für ungefähr 47€ ein Monatsticket für alle öffentlichen Verkehrsmittel in ganz Oslo erwerben. Zusätzlich habe ich mir im Sommer für 15€ im Monat ein Abo für die City-bikes geholt, welches sich auch auf jeden Fall gelohnt hatte. Ich habe in meinen gesamten 6 Monaten dort nicht eine einzige Banknote in der Hand gehalten und überall nur mit Karte bezahlt, was bis auf ein einziges Mal kein Problem dargestellt hat. Falls man auf Wochenendmärkten etwas kaufen möchte, sollte man dann doch etwas Bargeld zur Hand haben. Im Voraus schloss ich über meine Versicherung eine extra Auslandsversicherung ab, auf welche ich jedoch Gott sei Dank nie zurückgreifen musste. Norwegen ist ein sehr teures Land und an die Kosten für z.B. den Einkauf muss man sich erst einmal gewöhnen. Da wir aber oft mit mehreren Leuten zusammengegessen haben, war es im Endeffekt günstiger als ich von Erzählungen erwartet hatte. Wo man sich jedoch keine Illusionen machen sollte, ist beim Kauf von Alkohol, welcher dort ungefähr dreimal so teuer ist wie in Deutschland. Ich war nur 2-3 Mal in einer Bar, weil diese bis kurz vor meinem Abflug geschlossen waren, aber dort kann man für ein normales Bier schon einmal 10€ auf den Tisch legen. Da die meiste Zeit Geschäfte, Restaurants, Bars, Clubs usw. geschlossen waren, haben sich meine Freizeitaktivitäten auf die Natur beschränkt, was mich jedoch nie gestört hat. Für einen Wintersportler ist Oslo ein Traum. Bis in den März hinein kann man gleich außerhalb der Stadt (ca. 20min mit Metro) zwischen zahlreichen Langlaufstrecken wählen. Es gibt auch ein paar Abfahrtskigebiete, welche ich aber nie besucht habe, da ich zum Snowboarden immer in 2-3 Stunden entfernte, etwas größere Gebiete gefahren bin. Im Sommer öffneten dann wieder einige Museen und ich besuchte das Viking Ship Museum (welches für UiO-Studenten kostenlos ist) und das Norsk Folkemuseum, in welchem man durch historische Städte in die Vergangenheit geführt wird.

Studienfach: Betriebswirtschaftslehre

Aufenthaltsdauer: 01/2021 - 06/2021

Gastuniversität: Unversitetet i Oslo

Gastland: Norwegen


Rückblick

Rückblickend muss ich sagen, dass ich trotz Corona durchaus mehr Menschen kennengelernt hatte, als ich es mir erhoffen konnte. Mit immer zwischen 8-10 Leuten waren wir auf den verschiedensten Wandertrips und ich habe viel mehr vom Land gesehen als erwartet. Da kann ich übrigens wärmsten die Lofoten-Inseln im Sommer empfehlen! Noch nie war ich an so einem unglaublich schönen Ort, an dem im übrigen zwischen Juni und August die Sonne gar nicht untergeht. Ich habe in Oslo nur gute Erfahrungen gemacht und bin überglücklich, diese Chance wahrgenommen zu haben.  Als Tipp kann ich nur sagen, vorher so viel Geld wie möglich zu sparen, denn es ist wirklich teurer, als man es hier aus Deutschland gewohnt ist. Außerdem würde ich jedem raten, nach den letzten Klausuren noch ein paar Wochen zu bleiben und die lernfreie Zeit dort zu nutzen.

Norwegen

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