Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Die Entscheidung, ein Auslandssemester zu machen, war für mich keine schwere. Einerseits wurde mir von meinen Eltern schon immer dringend dazu geraten, andererseits war dies auch der Plan des Großteils meiner Freunde an der Uni. Die Planung fing damit an, diverse Informationsveranstaltungen an der Uni zu besuchen, um einen Überblick über die Angebote zu bekommen. Da ich überlege, nach dem Bachelor in Norwegen zu studieren, stand für mich das Zielland zwar von Anfang an fest, jedoch standen auch hier mehrere Gastuniversitäten zur Auswahl. Meine Wahl fiel schließlich auf die Uni Bergen (UiB), da diese im Gegensatz zur Uni in Oslo sowohl Politik- als auch Wirtschaftskurse anbietet. Die Kontaktaufnahme mit der UiB begann kurz nachdem ich meine Annahmeerklärung eingereicht hatte und mir eine Mail zukam, in der ich darauf hingewiesen wurde, zügig die online-Bewerbung auszufüllen und aufgefordert wurde, mich für einen Wohnheimsplatz zu bewerben.


Studienfach: Politik und Wirtschaft

Aufenthaltsdauer: 08/2020 - 12/2020

Gastuniversität: Universitetet i Bergen

Gastland: Norwegen

Studium an der Gastuniversität

Das Studium an der UiB hat sich als größtenteils sehr angenehm erwiesen. Während meines Aufenthalts habe ich zwei Kurse belegt, welche mit je 15LP auch die 30LP erreicht haben. Die Kurse begannen Ende August bis Anfang September und bestanden aus  je einer Vorlesung und einer Übung pro Woche. Trotz Corona-Pandemie wurden diese auch mit Ausnahme der ersten und letzten Wochen in Präsenz ausgetragen. Der Hauptunterschied zu vergleichbaren Kursen an der UP besteht in der Relevanz der Literatur, da sie an der UiB nicht nur ergänzend, sondern essenziell ist. Es kam vor, dass pro Woche bis zu 100 Seiten pro Kurs anfielen. Die Prüfungsleistungen beinhalteten in meinem Fall nur Take-Home-Exams, die über einen Onlinedienst erhalten und abgegeben wurden und variierten in der Länge zwischen 4 Stunden und einer Woche. Die Kurse, die ich belegt habe, waren Scandinavian Politics and Government und EU and International Organisations. Der erstere war sehr interessant und ist definitiv weiterzuempfehlen. Sowohl die Vorlesungen als auch die Übungen waren sehr gut strukturiert und die Lehrpersonen waren sehr nett und engagiert. Der letztere Kurs hingegen war nur mittelmäßig, da eine der Lehrpersonen große Schwierigkeiten mit der Online-Lehre hatte und wenig auf Fragen eingegangen ist. Sofern die pandemische Lage es zuließ, war auch das Studium in der Uni sehr angenehm. Bei Fragen half das UiB-incoming Team zügig bzw. leitete an die zuständigen Stellen weiter.

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

Der Kontakt mit norwegischen Studierenden war, besonders durch die aktuelle Lage, zeitweise sehr spärlich. Jedoch kam man schon in der ersten Semesterwoche der sog. Fadderuke im Rahmen von Feiern und anderen Aktivitäten zumindest mit einer kleineren Gruppe der eigenen Fakultät in Kontakt. Insbesondere die sozialwissenschaftliche Fakultät hat ein sehr gutes Programm trotz anfänglich erheblicher Restriktionen auf die Beine gestellt. In dieser Woche wurde man auch auf diverse Studierendenorganisationen aufmerksam gemacht. Sehr zu empfehlen sind hier vor allem die Studibars. So wurde ich z.B. Mitglied der Diskuterbar, der Kneipe der SoWis. Auch das Akademiske Kvarteret ist sehr zu empfehlen. Da norwegische Studenten alltags eher kontaktscheu sind, sind Feiern und Freizeitaktivitäten die besten Möglichkeiten, um mit ihnen in Kontakt zu kommen.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Vor dem Auslandsaufenthalt habe ich den UNIcert IV/2 Kurs abgeschlossen und war damit in der Lage, recht gut auf Englisch zu kommunizieren. Außerdem spreche ich als Muttersprachler auch die Landessprache Norwegisch fließend, jedoch war diese etwas eingerostet. Mein Ziel während des Aufenthalts war es, meine Sprachkompetenz in beiden Sprachen weiter zu steigern, welches mir meiner Meinung nach auch gut gelungen ist. Soweit ich es beobachten konnte, ist das normale Schulenglisch jedoch in den meisten Fällen mehr als ausreichend, um sich mit sowohl einheimischen und ausländischen Studierenden zu unterhalten. Ich würde sogar behaupten, dass man mit dem deutschen Schulenglisch besser Englisch spricht als die meisten anderen Erasmusstudierenden. Falls man Interesse daran hat, die Landessprache zu lernen, kann man auch einen der vielen Norwegisch-Kurse der Uni belegen, welche jedoch in der Regel sehr beliebt sind, weshalb man sich zügig einschreiben sollte. Da Deutsch und Norwegisch eng miteinander verwandt sind, ist diese auch keine schwere Sprache zu lernen, vor allem, da die Grammatik sehr simpel ist und die Wörter in vielen Fällen sehr ähnlich sind. Das Auslandssemester ist insgesamt eine der besten Möglichkeiten, die eigene Sprachkompetenz zu steigern. Die Kurse, die Austauschstudenten zur Verfügung stehen, sind größtenteils auf Englisch. Es besteht auch die Möglichkeit, Norwegischkurse auf verschiedenen Niveaus zu belegen. Diese sind auch zu empfehlen, da die Sprache für deutschsprachige Studenten relativ einfach zu lernen ist. Vor dem Aufenthalt habe ich den UniCERT IV/2 Kurs abgeschlossen und zusätzlich beim obligatorischen OLS Sprachtest C1 bekommen. Gute Englischkenntnisse sind sehr hilfreich, jedoch genügt i.d.R. auch ein einfaches Abiturzeugnis, um B2 zu belegen, was von der Uni vorausgesetzt wird. Meiner Erfahrung nach ist man damit auch ausreichend gut für die Kommunikation mit anderen Studenten vorbereitet. Da die Kurse einen großen Fokus auf die Literatur legen, kann es durchaus anfangs fordernd sein, jedoch kenne ich niemanden, der ernsthafte Probleme damit hatte. Insgesamt sehe ich das Auslandssemester als eine der besten Möglichkeiten, die eigene Sprachkompetenz zu steigern.

Wohn- und Lebenssituation

Wohnheimsplätze werden durch Sammen, dem dortigen Studentenwerk, vergeben. Sofern man innerhalb der gegebenen Frist einen Antrag stellt, wird einem auch ein Zimmer garantiert. Hierbei kann man auch angeben, ob man lieber alleine oder zusammen mit Mitbewohnern wohnen möchte und bestimmte Wohnheime priorisieren. Jedoch gab es in meinem Fall aus Infektionsschutzgründen nur Einzelapartments. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass man als Austauschstudent in jedem Fall nach Fantoft kommt, welches das größte Wohnheim ist. Ich hatte es z.B. nur als dritte Wahl angegeben und bin trotzdem dort gelandet. Rückblickend war dies jedoch ein Glücksfall, da es der Ort war, an dem man die meisten Leute trifft. Die Wohnsituation in Fantoft ist abhängig von der Dauer des Aufenthalts. Studierende, die nur ein Semester bleiben, teilen sich in der Regel eine Gemeinschaftsküche mit 8 angrenzenden Einzelzimmern. Jedes Einzelzimmer besitzt hierbei ein eigenes Bad. Dieses ist zwar recht klein, jedoch sehr neu und es besitzt eine Fußbodenheizung. Die Gemeinschaftsküche ist auch sehr neu und geräumig. Sie fungiert gleichzeitig als Wohnzimmer mit Esstischen und einer Couchecke. Die Größe variiert jedoch stark und ist abhängig von der Gebäudeseite. Waschmaschinen und Trockner befinden sich im EG und sind mit 2,50€ pro Wäsche nicht zu teuer. Die Trocknung ist kostenlos. Zusätzlich bieten die Gebäude R und S, in welchen sich die Gemeinschaftsküchen befinden, eine gemeinsame Dachterrasse, auf der sich Grille und eine Tischtennisplatte befinden. Außerdem bietet sie eine sehr schöne Aussicht. Im Falle eines ganzjährigen Aufenthalts ist die Chance groß, in ein Einzelapartment zu kommen. Diese sind etwas größer und besitzen eine kleine Küche. In diesem Fall ist es wichtig, eigenes Geschirr und Kochgerät mitzubringen, da diese im Gegensatz zu den Gemeinschaftsküchen nicht damit ausgestattet sind. Die Miete ist mit ca. 550€ pro Monat auch etwas höher. In jedem Fall ist eine Kaution von 500€ erforderlich, welche vor Einzug fällig wird. Weitere Details finden sich dann im Mietvertrag. Bewerbung und Zahlung der Miete, sowie Schadensmeldungen werden über die Website von Sammen durchgeführt. Es lohnt sich, diese regelmäßig zu besuchen, da man nicht immer benachrichtigt wird, wenn man dort eine neue Meldung erhält. Meiner Meinung nach ist jedoch die Wohnqualität durch den Extraplatz, den die Gemeinschaftsküche bietet, und durch die häufige Gegenwart der Mitbewohner größer. Diese war vor allem bei verstärkten Corona-Restriktionen sehr angenehm. Die Anbindung durch öffentliche Verkehrsmittel ist für den täglichen Bedarf fantastisch. Es gibt eine Straßenbahnlinie, die vom Flughafen über das große Einkaufszentrum bei Lagunen, das Studentenwohnheim bis hin zur Uni in der Innenstadt fährt. Ein Studententicket kostet knapp 50€ pro Monat, die es meiner Meinung nach absolut wert ist. Es war sehr angenehm, auf den täglich wichtigen Strecken nie umsteigen zu müssen. Um Ziele zu erreichen, die nicht an dieser Strecke liegen wie z.B. die Berge oder Wohnungen von Kommilitonen, sind alternativ Busverbindungen oder E-Roller verfügbar. Die Busse sind selbstverständlich auch im ÖPNV-Ticket enthalten. Die meisten Strecken sind jedoch auch zu Fuß von der nächsten Straßenbahnstation erreichbar. In Norwegen ist Barzahlung, anders als in den meisten anderen europäischen Ländern, nicht überall möglich und sehr unüblich. Es ist sehr stark zu empfehlen, vor Beginn der Reise sicherzustellen, eine Debit- oder Kreditkarte mit nicht zu hoher Auslandsgebühr zu haben. Außerdem sollte man überprüfen, dass das Tages-/Wochenlimit dieser Karte nicht zu gering ist. Bei einem längeren Aufenthalt ist es außerdem sehr zu empfehlen, sich eine norwegische Mobilfunknummer zuzulegen, da diese verschiedene Anmeldeverfahren sowohl in der Uni als auch im Zahlungsverkehr vereinfacht. Zum Thema Krankenversicherung kann ich leider nicht viel sagen, da ich während meines Aufenthaltes nicht darauf angewiesen war. Jedoch sollte es mit einer Auslandskrankenversicherung keine Probleme geben. Das Gesundheitssystem des Landes ist generell sehr gut und besonders in Bergen, der zweitgrößten Stadt des Landes, sind auch ausreichend viele Behandlungsplätze verfügbar. Bei der Suche nach Ärzten empfiehlt sich die Homepage des Studentenwohnheims, welche die Kontaktinformationen verschiedener Ärzte anzeigt, mit denen das Studentenwerk zusammenarbeitet und die den Umgang mit internationalen Studierenden somit vermutlich gewohnt sind. Die Lebenserhaltungskosten sind generell sehr hoch. Vor allem Lebensmittel sind sehr teuer und es ist nicht unüblich, dass man für seinen Wocheneinkauf über 80€ bezahlt. Generell lässt sich sagen, dass alle Lebensmittel mit einem hohen Zucker-, Fett-, oder Alkoholgehalt, sowie Importwaren erheblich teurer sind. Insbesondere Alkohol ist mit ca. 15-20€ pro Sixpack Bier und 40-50€ pro Liter Schnaps extrem teuer. Zusätzlich ist er mit einem Alkoholgehalt von über 22% erst ab 20 Jahren erhältlich. In meinem Fall habe ich pro Monat inklusive der Miete ca. 1000€ ausgegeben. Da das Erasmus-Fördergeld im besten Fall gerade so die Miete deckt, sollte man vor Aufbruch genug Erspartes haben, um den Aufenthalt vollständig genießen zu können. Bergen ist eine Stadt, an der es an Freizeitangeboten nicht fehlt. Neben der vielen Studentenbars, die ich bereits erwähnte, bietet die Innenstadt auch verschiedene Museen und Sehenswürdigkeiten wie z.B. Bryggen, welches eine Ansammlung alter Häuser mit Touristenshops direkt am Hafen ist. Außerdem gibt es verschiedene Kinos, Theater und eine Oper. Wenn zur Zeit eures Aufenthaltes die Filmfestspiele stattfinden, lohnt es sich, dort vorbeizuschauen. Etwas abseits der Innenstadt befindet sich ein sehr gutes Museum auf dem Grundstück des berühmten Komponisten Edvard Grieg, welches ich sehr empfehlen kann. Auch das Studentenwohnheim Fantoft bietet einige Freizeitbeschäftigungen. So gibt es z.B. einen großen Gemeinschaftsraum mit viele Sofaecken, Tischtennisplatten, Tischkicker und Billardtischen, wo sich fast immer andere Studenten zusammenfinden. Es ist außerdem möglich, verschiedene Brettspiele und Instrumente auszuleihen. Zusätzlich befindet sich hier auch ein modernes Fitnessstudio, welches mit ca. 200€ pro Semester nicht zu teuer ist. Fährt man in die Innenstadt, hat man außerdem die Möglichkeit, in einem Schwimmbad, welches auch dem Studentenwerk gehört, ohne Aufpreis schwimmen zu gehen. Direkt neben dem Fitnessstudio befindet sich ein Volleyballplatz und auch die passenden Bälle. Fährt man eine Station weiter mit der Bahn nach Slettebakken, finden sich mehr davon, sowie ein großer Fußballplatz, der ebenfalls kostenlos nutzbar ist. In den wärmeren Monaten kann man auch nach Gamlehaugen gehen, welches ca. 15min zu Fuß von Fantoft liegt und eine Sommerresidenz des norwegischen Königs ist. Das Betreten des Grundstücks ist jedoch jedem erlaubt und die Lage am Wasser macht es zu einem sehr beliebten Badeort. Wenn man nach Bergen reist, sollte man in jedem Fall auch auf einige der 7 umliegenden Berge klettern. Insbesondere der Ulriken, welcher der größte ist und entweder über den schnelleren Treppenweg in ca. 1,5h oder den Wanderweg in 3-4h erklommen werden kann. Auch der Fløien ist sehr zu empfehlen und ist alternativ auch per Seilbahn zu erklimmen. Erwähnenswert ist noch die Möglichkeit, bei der von Studierenden geführten Outdoor-Organisation BSI Friluft verschiedenes Equipment für faire Preise ausleihen zu können. Das Angebot reich von Schlafsäcken und Zelten bis hin zu Skiern. Insgesamt kann ich jedem dringend empfehlen, in der freien Zeit so viel draußen zu machen wie möglich. Die Natur in und um Bergen ist fantastisch und auch Ausflüge aufs Land und in andere Städte empfehle ich, sofern es die Lage hergibt, wärmstens! Ich bin zum Beispiel im November nach Tromsø in Nordnorwegen geflogen, wo wir sehr angenehm auf einem Campingplatz in einer Cabin untergekommen sind und unter anderem Polarlichter sehen konnten und mit Hundeschlitten fahren konnten. Bei Flugreisen ist es empfehlenswert, auf Jugendrabatte zu achten, welche jeder unter 26 nutzen kann. Bei Norwegian geht dies (falls die Airline bis dahin noch existiert) über den Code UNDER26 und bei SAS muss man Ungdom als Altersgruppe auswählen. Dankt mir später!

Studienfach: Politik und Wirtschaft

Aufenthaltsdauer: 08/2020 - 12/2020

Gastuniversität: Universitetet i Bergen

Gastland: Norwegen


Rückblick

Der erste Gedanke vieler, wenn sie von Bergen hören, ist, dass es immer regnet. Und das ist auch nicht ganz falsch. Jedoch hat es mich tatsächlich nur wenig gestört, da es meistens nur leichter Nieselregen war, der auch meistens nur ein paar Stunden dauerte. Und je schlechter die Erwartungen sind, desto mehr kann man dann das gute Wetter genießen! Insgesamt war das Auslandssemester in Bergen für mich ein fantastisches Erlebnis, in dem ich viel für mein Studium und noch viel mehr über mich selbst gelernt habe. Es war ein sehr guter Weg, um gute Freunde in ganz Europa kennenzulernen und wahrscheinlich mit einer der besten Orte, an denen man während dieser Pandemie hätte sein können. Insgesamt kann ich die Uni Bergen jedem empfehlen, der an schöner Natur und einem angenehmen Studienumfeld interessiert ist. Der einzige Nachteil sind die sehr teuren Lebenserhaltungskosten.

Norwegen

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