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HiN                                                      III, 5 (2002)

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Ulrike Leitner

"Anciennes folies neptuniennes!"
Über das wiedergefundene "Journal du Mexique à Veracruz" aus den mexikanischen Reisetagebüchern A. v. Humboldts

 

2. Die Mexikoreise Humboldts

Auf den ersten Teil, das fehlende Stück der Mexikoreise, möchte ich im folgenden näher eingehen. Humboldt hielt sich fast genau ein Jahr, vom März 1803 bis zum März 1804, in Mexiko auf.[1] Er landete, von Guayaquil kommend, am 22. März in Acapulco, das er besichtigte und im Tagebuch beschrieb. Am 29. 3. brach er mit 21 Maultieren (von denen 13 das Gepäck trugen) von hier in Richtung Mexico-Stadt auf. Dort verweilte Humboldt bis in den Januar 1804 hinein, von mehreren Exkursionen in die nähere Umgebung abgesehen. Er nahm an Prüfungen im Colegio de Mineria teil und beschäftigte sich mit mexikanischen Bilderhandschriften im Archiv des Vizekönigs. Mehrere Exkursionen führten ihn zu Bergwerken und Bewässerungsanlagen. Erst am 20. Jan. 1804 brach man von Mexico-Stadt in Richtung Veracruz auf, wo man am 18. 2. ankam. Und dieser Abschnitt der Reise fehlt in den in Berlin lagernden Tagebüchern. Man findet dort nur eine Tabelle, die mit dem Titel: “Extrait de Mss. separé: Voyage de Mexique à Veracruz”[2] darauf hinweist, dass es zu dieser Wegstrecke noch ein gesondertes Manuskript geben muß. Diese Tabelle beinhaltet Orts- und Höhenangaben zu bestimmten Punkten, sowie Höhenangaben zu Pflanzenstandorten, zur unteren Schneegrenze usw.

Ich möchte im folgenden Humboldts Wegstrecke von Mexico-Stadt nach Veracruz anhand seiner eigenen Beschreibungen in dem neuen Tagebuchteil vorstellen.

 

Prioritäten setzte Humboldt offenbar in die Messung der vier Vulkane Popocatépetl, Iztaccihuatl, Pico d’Orizaba und Cofre de Perote. Humboldt hat hier immer wieder den physiognomischen Aspekt - den grandiosen Anblick von verschiedenen Richtungen aus - und den Nutzen exakter Messungen für die Geographie und Schiffahrt betont: “In dieser fruchtbaren [...] Gegend verdienen vier Berge, deren Gipfel mit ewigem Schnee bedeckt sind, die größte Aufmerksamkeit. Die genaue Kenntnis ihrer Lage kann nämlich dazu dienen, die wichtigsten Punkte miteinander in Verbindung zu setzen. [...] Die genaue Kenntnis des Pic d’Orizaba ist von vorzüglich großer Wichtigkeit für die Seeleute, wenn sie sich der Küste von Veracruz nähern.”[3] Durch diesen Aspekt unterteilt sich die Reise von Mexico-Stadt nach Veracruz in drei Teile mit längeren Aufenthalten, die Humboldt Vermessungen und Beobachtungen widmete:

 

 

2.1 Puebla und Cholula
Abreise nach Puebla, hier die Besichtigung der Pyramide von Cholula und die Vermessung des Popocatépetl und Iztaccihuatl

2.2 Jalapa und Cofre de Perote
die Weiterreise nach Jalapa, wo man am 1. Februar ankam, von hier die Besteigung des Cofre de Perote

2.3 Von Jalapa nach Veracruz
die abschließende Reise nach Veracruz (Aufenthalt 18.2.-7.3.). Den Pico d’Orizaba maß Humboldt nur aus größerer Entfernung.



[1] Vgl. in Humboldt, Alexander von (1986), S. 309-392, und Humboldt, Alexander von (1990), S. 202-296.

[2] Tagebuch VIII, 43 V 

[3] Humboldt, Alexander von (1991), S. 33-34

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