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HiN                                                      III, 5 (2002)

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Gerhard Kortum

“Alexander von Humboldt” als Name für Forschungsschiffe vor dem Hintergrund seiner meereskundlichen Arbeiten

 

6. Zusammenfassung

Während seiner “Reise in die Äquinoctial-Gegenden des neuen Continents” 1799-1804 (deutsch von H. Hauff, 1861) war Alexander von Humboldt im Nordatlantik sowie im Ostpazifik auch mit ozeanographischen Beobachtungen beschäftigt. Seitdem er 1790 erstmals als Gefährte des Weltumseglers Georg Forster am Nordseestrand vor der Überfahrt nach England das Meer erlebte, durchzieht eine Sehnsucht zur “Südsee” und zahlreiche in seinen späteren Schriften verstreuten meereskundliche und maritim-meteorologische Sonderinteressen sein erstaunlich breites naturwissenschaftliches Schaffen. Leider kam er bis in sein hohes Alter dann nicht mehr dazu, seine verstreut publizierten “Ansichten des Meeres”, wie länger geplant, in einem größeren Zusammenhang unter dem Titel “Oceanica” als Band II der “Kleineren Schriften” zu veröffentlichen. Dennoch wissen wir inzwischen in Umrissen recht gut über seine meereskundlichen Arbeiten und Kenntnisse Bescheid. Es waren insbesondere Kieler Geographen und Ozeanographen, die vor dem sich wandelnden Hintergrund der jeweiligen aktuellen Forschung mehrfach auf Humboldts weniger bewusste Bedeutung für die Entwicklung der Ozeanographie hingewiesen haben. Seine meereskundlichen Konzeptionen haben auch für die heutigen internationalen Großprojekte der Meeresforschung eine große Bedeutung.

 

Humboldt war somit zweifellos einer der Pioniere auch der Meeresforschung. Daneben steht dieser schon zu Lebzeiten weltweit anerkannte Berliner Universalgelehrte in einer Zeit der sich anbahnenden Differenzierung der geo- und biowissenschaftlichen Einzelwissenschaften für inter- bzw. transdisziplinäres Denken, das treffend in der Berliner Ausstellung 1999 im Haus der Kulturen der Welt als “Netzwerke des Wissens” charakterisiert wurde. Er verkörperte in seinem Denken auch in einer heute noch modernen Weise die Einheit von Theorie und Empirie. Er war Preuße, Deutscher und Weltbürger zugleich.

 

Die hohe internationale Anerkennung seines Namens hat dazu geführt, dass nach ihm in Deutschland (und Südamerika) mehrere Sonderschiffe für die Ausbildung und Forschung benannt wurden. Nachdem in den vergangenen Jahren auch die meereskundlichen Aspekte seines Gesamtwerkes wieder deutlicher geworden sind, hätte es in wissenschaftsgeschichtlicher und forschungspolitischer Hinsicht eigentlich keine weitere Diskussion mehr geben sollen: Das neue deutsche High-Tech-Forschungsschiff für alle Disziplinen der Meeresforschung, das inzwischen in Auftrag gegeben wurde und im Jahre 2004 vom Stapel laufen soll, wird aber leider nicht den Namen “Humboldt” weiterhin über die Meere tragen! Mit einer Übertragung des Namens auf den Neubau hätte man nicht nur alten Traditionen entsprochen, sondern auch Zeichen für die Zukunft gesetzt.

 

Wie einleitend ausgeführt, konnte sich der Name „Humboldt“ aber letztlich nicht durchsetzen. Dennoch, dem neuen deutschen Forschungsschiff ab 2004 „Maria Sibylla Merian“ allzeit gute Fahrt.

 

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