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Alexander von
HUMBOLDT im NETZ

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HiN                                                      III, 4 (2002)
 
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Michael Zeuske

Humboldt, Historismus, Humboldteanisierung. 
Der "Geschichtsschreiber von Amerika", die Massensklaverei und die Globalisierungen der Welt.

 

10. Humboldt und die Sklaverei auf Kuba

Auch in bezug auf Humboldts Haltung zur Sklaverei auf Kuba haben sich  mehrere besonders persistente Mythen entwickelt. Der sogenannte Thrasher-Skandal wird in allen deutschen Humboldtarbeiten immer wieder ausführlich dargestellt. Die Rolle Thrashers in der Geschichte Kubas zu beleuchten, was Humboldt, wie sein Essai politique beweist, viel näher gelegen hätte, ist noch kaum einem der Humboldtforscher eingefallen.[51] In seiner Argumentation über die vermeintliche „rhetorische Floskel“[52] Humboldts übersieht Beck einfach, daß das zum eigenständigen Kapitel „Über das Sklavenwesen“ erhobene Anhängsel von Humboldts Original-Kapitel „Handelsverkehr“ eben das zuletzt geschriebene Textstück des Essai politique ist. Ein bißchen Dekonstruktion tut nicht weh. Humboldt hatte, als die Einleitung des Essai politique schrieb, offensichtlich noch nicht vor, etwas über die Sklaverei zu schreiben. Im Plan des Werkes schreibt Humboldt nämlich: „Nach einer kurzen Beschreibung der Ortsbeschaffenheit und der eigentümlichen Gestaltung eines von jenem der übrigen Antillen so abweichenden Klimas werde ich die allgemeine Bildung der Insel, ihre nach der genauesten Aufnahme der Küsten berechneten Oberfläche, die Gegenstände des Handels und den Stand des öffentlichen Einkommens untersuchen.“[53] Und wirklich, nach dem Kapitelabschnitt über die Finanzen folgt dann der ominöse Satz „Hiermit beende ich den ‚Politischen Versuch über die Insel Cuba‘“.[54] Die Textkonstruktion Humboldts - nicht die später eingefügten Kapitelüberschrift - erfasst eindeutig die reale Alternativsituation und die Tatsache, daß die Massensklaverei von den zeitgenössischen Bewohnern Kubas, die nicht der Zuckerelite angehörten (die sog. „Masse der Bevölkerung“) als etwas Äußeres, Fremdes und Bedrohliches gesehen wurde. Zum Teil sogar von Vertretern der Elite selbst, als die Revolution in Saint-Domingue nicht niedergeschlagen werden konnte.[55] Allerdings als etwas Bedrohliches und Fremdes, das sich, je länger es wirtschaftlich erfolgreich war, in etwas „Normales“ und Alltägliches verwandelte. Die irrationale Rationalität des moralisch „Falschen“ und pragmatisch „Richtigen“ dürfte das schwierigste Problem für einen Historiker im Stile der Aufklärung - und diese Haltung nahm Humboldt bei der Denunziation der Sklaverei eindeutig ein - gewesen sein.  Was der Humboldt-Text verdeckt oder „übertönt“, überschreibt, verschluckt, ist, daß er vor dem Stimmengewirr einer beginnenden, aber außerordentlich dichten innerkubanischen Debatte (Bischof Espada, Agustín Caballero, Félix Varela, Alejandro Ramírez, Ramón de la Sagra, Francisco Frías y Jacott, Conde de Pozos Dulces) um die Sklaverei[56] geschrieben wurde. Die Prominenz des Humboldt-Textes über die Sklaverei wiederum rührt daher, daß sein universales Schreiben die Standpunkte modernster Technologie, Infrastruktur und Technik mit sozialer Nachhaltigkeit zu vereinen sucht; im Sinne der Geschichtswissenschaft Aufklärung mit positivistischem Historismus zu vereinen sucht. Der Text hebt sich heraus aus den Arbeitskräftekosten und – nutzenanalysen, den rein technischen Infrastrukturdebatten und den Euphorien über neue Technologien. Er verweist immer wieder auf langfristige sozial-politische Folgen und nutzt dafür die moralische Potenz von Geschichte. Auch das macht seinen Wert am Beginn der dritten Globalisierung aus.

Zweitens wird übersehen, daß sich die „erstaunlich behauptete“ Weltstellung Kubas im 19. Jahrhundert eben auf dieser Sklaverei und kaum auf „kluger Regierung“[57] gründete. Ganz im Gegenteil (wenn vom wirklich „klugen Regierungswillen“ solcher Kolonialfunktionäre wie Alejandro Ramírez abgesehen wird). Vielmehr beruhte sie wohl darauf, dass sich der Staat nicht in die Belange der Unternehmer, d.h., der Plantagenbesitzer und Sklavenhalter, einzumischen wagte. Und deren „Weisheit“ lobt Humboldt in einem Atemzug mit der Kritik an der Sklaverei.

Drittens war Humboldt Reformer und plädierte dafür, trotz flammender Anklage, die Sklaverei nicht etwa sofort abzuschaffen, sondern durch „menschenfreundliche Gesetzgebung und weise Institutionen“ der örtlichen Eliten aufzuheben, das aber „bald“ und mit „kräftigen Maßnahmen“.[58] War er in der Anklage naturrechtlicher Aufklärer, so zeigte er sich in Analyse und Prognose als positivistischer Historist, sozusagen ein „guter Schüler“ der Historischen Rechtsschule. Er setzte bei den als notwendig erkannten Reformen eher auf existierende Institutionen als auf revolutionären Bruch eben dieser gewachsenen Interessen und Strukturen. Man meint, hinter seiner Schulter Vertreter der Historischen Rechtsschule zu sehen, die versuchen, sein Schreiben unter Kontrolle zu halten.

Humboldt wusste aber genau, dass Reformen des Druckes und der Pressionen bedürfen[59]. Er wusste, dass eben dieser Druck auch zu revolutionären Brüchen führen konnte. Humboldt war auch weit davon entfernt, jedes Stöhnen eines Unterdrückten und jedes Peitschenknallen, sei es nur „historisch gewachsen“, für legitim zu halten. Deshalb bezeichnet er sich eben an dieser Stelle als „Geschichtsschreiber von Amerika“. Er meinte die Geschichte als moralische Potenz und das, was oftmals als „Lehren der Geschichte“ bezeichnet wird. Der moralische Druck gegen den Sklavenhandel (und die Phase der Neuorientierung britischer Politik nach der Niederlage im Norden Amerikas) hatte in Großbritannien geholfen. Auf Kuba war dem nicht so, ganz im Gegenteil, sowohl die immer wieder mobilisierte „Furcht“ vor Haiti und der moralische Druck gegen die Sklaverei wurden zu Triebkräften der Modernisierung der Sklaverei, auch ihrer sozialen Modernisierung. [60]

Humboldt war mit der Gesamtanlage des Essais, wie gesagt, vor allem auch in der prognostischen Funktion des Essai politique, sicherlich ein „Menschenrechtler“.[61]  Er hat unabänderliche Naturrechte und Normen aber nicht zur Basis seiner Reformvorschläge machen wollen. Dann hätte er sofort als Revolutionär handeln müssen. Und als Individuen und Akteure ihrer eigenen Befreiung allerdings hat Humboldt Sklaven, wie aus vielen Einzelbemerkungen und Begebenheiten deutlich wird, eher gefürchtet. Er hat ihnen auch keine individuelle Akteurschaft zugestanden. Das hat den schwarzen Historiker Alain Yacou veranlasst, das Rechtsverständnis Humboldts auf der Basis der Beziehungen von Humboldt zu Arango als „humanité de façade“ zu bezeichnen.[62]

Wie Humboldt sich die Abolition (Aufhebung) der Sklaverei in Realität vorstellte, erhellt aus einer anderen Stelle: „Wieviel werden Kultur und Wohlstand diese Landes einst gewinnen, wenn bei innerer Ruhe über 1 500000 Piaster alljährlich auf Werke öffentlichen Nutzens und hauptsächlich auf den Loskauf arbeitsamer Sklaven, wie dies schon jetzt dank der einsichtigen und humanen Gesetzgebung der Republik Colombia geschieht, verwandt werden.“.[63]

Humboldt bezieht sich hier nicht etwa den Versuch Bolívars, die absolute Abolition ohne Entschädigung für die Herren herbeizuführen (wie der es 1819 vorgeschlagen hatte)[64], sondern auf die sogenannte „Manumisións-Gesetzgebung“ in „Groß“-Kolumbien, eine Institution also, die zur verschleierten Rekonstruktion der Sklaverei nach den Wirren der Unabhängigkeitskriege führte.[65]

Diese Stelle läßt sich auf zweierlei Weise interpretieren. Erstens: für Humboldt war diese verschleierte Rekonstruktion der Sklaverei in den zwanziger Jahren noch nicht klar erkennbar; zweitens: er hielt sie für richtig und stellte sich so den Abolitionsprozeß unter der Führung des Staates und unter Wahrung der lokalen, sozusagen „historistisch“ gewachsenen Eigentümerinteressen vor.

Das führt uns zu einem vierten Problemkomplex, der im Zusammenhang mit der Aussage „Spanien hatte keineswegs nur verkehrt gehandelt, behandelte es doch auf dieser größten Antillen-Insel seine Sklaven sichtlich besser als die Südstaaten der USA“ [66] (im 20. Jahrhundert auch als „Tannenbaum/Freyre-These“ bekannt geworden). Hanno Beck dürfte doch die Stelle im Essai politique nicht entgangen sein, wo Humboldt den Zusammenhang von „Familien in Hütten, die sie als ihr Eigentum betrachten“ in den „Südteilen“ der Vereinigten Staaten und der natürlichen Reproduktion der Sklavenbevölkerung analysiert.[67] Die war eben im neuen South viel höher als auf Kuba. Humboldt zitiert zwar das Wort von der „Humanität unserer Gesetzgebung“ und bezeichnet dessen geistigen Vater „d’Arango“ (Francisco de Arango y Parreño) als „edel und würdig“[68]. Das ist Don Pancho wohl gewesen, vor allem war er sehr klug und sprach in bezug auf die Notwendigkeit der Sklaverei für die kreolische Oberschicht Kubas meist unmißverständlich Klartext. Ansonsten besaß er eine Obsession für Zahlen und Zensus, die er allerdings meist als Herrschaftswissen ansah und nicht publizierte.

Humboldt tat zunächst nichts weiter, als einen zu dieser Zeit weitverbreiteten Entschuldigungstopos der kreolischen Oligarchien geschickt aufzunehmen, der allerdings auf dem procedere der sog. „patriarchalischen Sklaverei“ beruhte und mit den Realitäten der ruralen Massensklaverei nichts mehr zu tun hatte („In keinem Teil der Welt, wo Sklaverei angetroffen wird, sind die Freilassungen so häufig wie auf der Insel Cuba.“).[69] Diese Rede hatte er in seinen Gesprächen „an Ort und Stelle“ mit den Spitzen der lokalen Elite immer wieder gehört. Seine Kritik bringt er trotzdem ebenso unmißverständlich an: „Der Weisheit und Milde dieser spanischen Gesetzgebung ungeachtet bleibt der Sklave in der Einsamkeit einer Pflanzung oder eines Pachthofes den größten Mißhandlungen preisgegeben, wenn auf demselben ein roher capataz [[70]], mit einem Buschmesser (machete) und einer Geißel, unbeschränkte Gewalt und Herrschaft übt! Gesetzlich ist weder eine Grenze für die Bestrafung des Sklaven noch die Dauer seiner Arbeitszeit bestimmt; ebensowenig finden sich die Beschaffenheit und Menge der ihm zu gewährenden Nahrungsmittel vorgeschrieben **“.[71]   

Die moralische, ethische Haltung Humboldts zur Sklaverei ist klar und eindeutig. Sie ist naturgesetzlich fixiert und steht im Lichte der „Ideen von 1789“. Und sie gehört zu den „Aufgaben des Geschichtsschreibers“, wie sie Bruder Wilhelm formuliert hatte, und war von der britischen abolitionistischen Bewegung sowie von Adam Smith in den Rang eines Credo erhoben worden[72]. Diese Haltung ehrt Humboldt auf ewig.

Im Tagebuch hatte er auch geschrieben: „Nirgends muß sich ein Europäer mehr schämen, ein solcher zu sein, als auf den Inseln, seien es französische, seien es englische, seien es dänische, seien es spanische. Sich darüber streiten, welche Nation die Schwarzen mit mehr Humanität behandelt, heißt sich über das Wort Humanität lustig machen und fragen, ob es angenehmer ist, sich den Bauch aufschlitzen zu lassen oder geschunden zu werden ...“[73] oder im Essai politique: „Welch ein trauriger Anblick ist es denn aber, wenn christliche und zivilisierte Völker in Erörterung über die Frage eintreten, welches von ihnen im Laufe der Jahrhunderte die kleinere Zahl Afrikaner durch Sklaverei umgebracht habe“.[74] Warum aber dann diese offensichtliche Achtung gegenüber dem Sklaverei-Ideologen Arango im publizierten Text, während der Arango in den „amerikanischen Briefen“ nicht einmal erwähnt ist und im Tagebuch nur einmal[75]? Hat Arango Humboldt etwa getäuscht? Darauf deuten die fast lobhudelnden Zitate Arangos hin („Don Francisco de Arango, einer der aufgeklärtesten und mit der Lage seines Vaterlandes am gründlichsten vertrauten Staatsmänner ...“[76]), die Verweise auf die „günstige Gesinnung“ der „Ortsbehörden, oder richtiger gesagt, die reichen Eigentümer, welche das Ayuntamiento [Magistrat] von Havanna, das Consulado und die Patriotische Gesellschaft bilden“[77], der Verweis auf den „Reglamento sobre los negros cimarrones“ von 1796 und die schon fast ostentative Nichtbeachtung Regeln des metropolitanen Gesetzgebers, wie der oben zitierten „Instrucción“. Oder haben der „Menschenrechtler“ Humboldt und der „Sklaventreiber“ Arango etwa auf gemeinsamen Positionen gestanden? Hier wird die ganze Crux der gebetsmühlenartig wiederholten Mythen deutlich. Humboldt war zugleich Moralist und Pragmatiker. Darum hebt er hervor, gäbe es „... in den Drangsalen des menschlichen Geschlechtes Grade“[78], denn er kannte die Zahlen. Die liefen im Grunde darauf hinaus, daß es immer mehr Sklaven und - trotz der „weisen Gesetze“ (Verbot des Sklavenhandels ab 1820, am Vertrag von 1817 zwischen Großbritannien und Spanien hatte Arango als Berater des Consejo de Indias maßgeblich mitgewirkt) - immer mehr Sklavenschmuggel gab. Er wußte auch, daß erfolgreiche Reformpolitik per se immer der Mitwirkung der lokalen Eliten bedarf. Den notwendigen Druck für Reformen sah er in den früheren Revolutionen auf Saint-Domingue und im kontinentalen Amerika gegeben. Humboldt war bereit, die Erfahrungen daraus zu ziehen. Er flehte er die kubanische Elite an: „Will man ohne Stürme und Erschütterungen Verbesserungen erzielen, so muß man Sorge tragen, die neuen Institutionen aus denjenigen sich entwickeln zu lassen, welche durch die Barbarei von Jahrhunderten befestigt worden sind“.[79] Deshalb setzt er auch an den Interessen der Sklavenhalterelite an, hebt das Positive hervor, unterdrückt das Negative und gibt seine Zielvorstellungen, sozusagen liebenswürdig und diplomatisch verpackt, aber in der Sache „hart“ begründet, zu erkennen.

Diese Ziele Humboldts waren: „Sklavenhandel wirklich und nicht bloß gesetzlich abgeschafft“[80]; Humboldt schrieb der lokalen Elite ins Stammbuch, daß ihr „großes Kuba“ zunächst auch ohne Sklavenhandel weiterfunktionieren könne[81]. Allerdings hielt er dann eine Transformation der Sklaverei zu einem freien, am Gewinn beteiligten, freilich abhängigen, Bauerntum für notwendig[82]. Das war um 1825 auch Arangos Überzeugung. Er hatte sie selbst entwickelt. „Eine Bevölkerung von freien und einsichtigen Landbauern wird nach und nach an die Stelle einer Sklavenbevölkerung treten, der es an aller Voraussicht und Industrie fehlt“.[83] Der Nebensatz erfasste eines der Hauptargumente der Abolitionsgegner. Dieser Nebensatz, wie andere Äußerungen, zeigen neben der Gegnerschaft zur Sklaverei eben auch den Abstand Humboldts gegenüber einer Akteurschaft („agency“) der Schwarzen. Zugleich appellierte Humboldt an das Herrschaftswissen der Elite unter dem Motto „wenn keine vernünftigen Reformen, dann ...“. Er versuchte, das verbreitete Unsicherheitsgefühl unter der Sklavenbesitzern anzusprechen, um auf „vernünftige Weise“ die Erfahrungen der ersten Etappe des Zeitalters der Revolutionen (1776-1815) für eine Entwicklung hin zu mehr „Zivilisation“ fruchtbar zu machen. So erwähnt er mehrfach negativ die „blutige Katastrophe“, die „furchtbare Katastrophe von Santo Domingo [Saint Domingue, seit 1804 Haiti]“[84], den „große[n] Schiffbruch“[85], die „Rache der dienenden Bevölkerung“.[86] Im Grunde muss man auch vor diesem Humboldt den Hut ziehen, wenn man sich die Hysterie der Oligarchien vor Auge hält. Denn im Text finden sich auch einige ganz wenige Stellen, wo Humboldt die Leistungen ehemaliger Sklaven in ein positives Licht stellt. [87] So bezeichnet er „Haiti ... (das) Reich der Äthiopier“[88] als möglichen staatlichen Akteur, als Kern einer „Afrikanische(n) Konföderation der Freien Staaten der Antillen“.[89] Humboldt läßt das Problem der Akteurschaft in der Schwebe bzw. erkennt es nur auf der Ebene des Staates an. Er fragt, wer würde sich trauen, den Einfluß einer „Afrikanischen Konföderation“ - bei ihrer Lage zwischen Kolumbien, Nordamerika und Guatemala - auf die „Politik der Neuen Welt“ vorauszusagen? Dann kommt die Prognose für Kuba: „Die Insel Cuba mag eher als eine andere unter den Antillen dem großen Schiffbruch entgehen“. Weil: „Die Weißen und hauptsächlich die Freigelassenen, welche mit den Weißen leicht gemeinsame Sache machen mögen, erhalten auf der Insel Cuba einen ungemein schnellen numerischen Zuwachs.“[90] Klischees, die Humboldt übernommen hat und humane Wünsche, die durch die reale Geschichte schon 1845, kaum zwanzig Jahre nachdem Humboldt sie niedergeschrieben hatte, ad acta gelegt wurden. Im Zensus von 1841, so ungenau er im Einzelnen auch sein mag, wird deutlich, daß der hemmungslose Sklavenschmuggel zum ersten Male dazu geführt hatte , daß es auf Kuba mehr Sklaven als weiße Einwohner gab (43,3% : 41,6%); dazu kamen noch 15,1% freie Farbige. Die farbige Bevölkerung machte zusammen etwa 60% der Bevölkerung aus. Die Weißen mit ihrer kreolisch-kanarisch-andalusischen Kultur, die sich zudem einbildeten, als einzige „Kubaner“ zu sein, stellten eine Minderheit dar. Dazu kam, daß es durch die Zusammendrängung der Sklavenwirtschaft zwischen Havanna und Matanzas, eben im „großen Kuba“ Humboldts, zu Verschwörungen und amorphen Verbindungen zwischen den freien Farbigen der Städte und den Sklaven der Plantagen gekommen war. Englische Agenten und abolitionistische Konsuln stellten so etwas wie Lunten an diesem sozialen Vulkan dar. Die Kolonialregierung Kubas glaubte nur durch einen präventiven Terror- und Verhaftungsschlag einer befürchteten großen Sklavenrevolution zuvorkommen zu können. Der staatliche Terror von „La Escalera“[91], der sich vor allem gegen die freien Farbigen der Städte Matanzas und Havanna richtete, machte nicht nur generell mit den Wünschen Humboldts Schluß. Der staatliche Terror ließ auch seine Klischees als solche erkennen. Die „Freigelassenen, welche mit den Weißen leicht gemeinsame Sache machen“ gab es kaum noch, es kam zu einer Solidarisierung der Farbigen und Schwarzen.[92] Humboldt hat all dies noch - von fern - erlebt; Arango hat das Scheitern seiner Reformvorstellungen zwar geahnt, aber nicht mehr erlebt. Er starb 1837. Sein Tod fand exakt dem Jahr statt, als Kuba als durch Ausschluß aus der spanischen liberalen Verfassung zur Kolonie wurde. Die Quasi-Autonomie der lokalen kreolischen Oligarchien auf Kuba, die noch durch den Text des Essai politique geistert, war zu Ende.[93] Die spanische Kolonialideologie wurde rassistisch. Aus dem Ansatz Humboldts, den Schwarzen Akteurschaft auf staatlicher Ebene zuzugestehen, wurde das Schreck- und Zerrbild eines „schwarzen Kuba“: “Cuba, si no es española, es negra, necesariamente negra” (“Kuba, wenn es nicht spanisch ist, ist schwarz, notwendigerweise schwarz”).[94]

Mit den Forderungen nach sozial nachhaltiger Reformierung der Sklaverei und effektiver Unterdrückung des Sklavenhandels befand sich Humboldt, als er den Essai politique schrieb, zwischen 1826-1830, weitgehend in Übereinstimmung mit Arango bzw. sah in ihm einen kongenialen Partner in der kubanischen Reformelite; eine Adresse für seine wissenschaftlichen Erwägungen und für seine Intentionen einer konkreten Politikberatung. [95] Ganz im Gegensatz zu den Zeiten seines Kuba-Aufenthaltes. Deswegen auch die offenkundige Symphatie zwischen beiden im Essai politique. Natürlich hätte der trockene Pragmatiker Arango nicht so moralisch argumentiert wie Humboldt. Arango, der Meister kolonialer Diplomatie, manipulierte in gewisser Weise den Preussen. Er wußte besser als Humboldt um die Verschleierungsfunktion der Furchtikone „blutige Sklavenrevolution“ (als Textfigur auf Kuba in den Begriffen „Haiti“ oder „Guárico“ zusammengefaßt[96]).  Solange die Herrschaftsdemographie sich unter Kontrolle der Kreolen befand und der Schulterschluß zwischen kreolischer Oberschicht und Kolonialadministration einigermassen funktionierte, war kein großer Aufstand zu befürchten. Und Arango hat niemals Schwarzen, sei es als Individuum, Gruppe oder auf der Ebene staatlicher Organisation, die Rolle von Akteuren eingeräumt. Deshalb sagt er auch in einer seiner Marginalien zum Essai politique, genau an der Stelle, wo es expressis verbis um den moralischen Appell Humboldts in bezug auf die generelle Inhumanität der Sklaverei geht: „Ich respektiere die Gefühle, die diese Zeilen diktiert haben, und ich wiederhole nochmals, wenn man die Insel Kuba mit Jamaika vergleicht, scheint das Resultat positiv für die spanische Gesetzgebung und die Gewohnheiten der Bewohner Kubas zu sein. Diese Vergleiche zeigen auf dieser letzten Insel [Kuba] einen unendlich besseren Stand der Dinge in bezug auf die körperliche Erhaltung und den Unterhalt der Neger: aber - welch tristes Spektakel präsentieren christliche und kultivierte Völker, wenn sie darüber streiten, welches von beiden in drei Jahrhunderten weniger Neger umgebracht hat, indem es sie der Sklaverei unterworfen hat.“[97]

Arango schied 1825 aus seiner Funktion des Intendanten  - salopp formuliert - des kolonialen Wirtschaftsministers der Insel aus. Der späte Arango hatte sehr gut begriffen, daß sein jugendlich-ungestümer Glaube (und das wohlverstandene Profitinteresse der Hacendados), die kreolische Oligarchie könne die Sklaverei kontrollieren und es käme durch die auf der „großes Kuba“-Konzeption basierenden Wirtschaftsentwicklung zur allgemeinen felicidad (Glückseligkeit), eben so nicht stattgefunden hatte. „La época de nuestra felicidad ha llegado“- „Die Epoche unserer Glückseligkeit ist gekommen“ hatte er 1792 angesichts der Sklavenrevolution auf Saint-Domingue im „Discurso sobre la agricultura“ geschrieben. [98] Sein kongenialer Freund Nicolás Calvo konnte sich sogar schriftlich freuen – über einen Sklavenaufstand, der die Konkurrenz traf! ”A los franceses no es facil fabricar tan pronto aquella porcion de azúcar; porque sus Negros sublevados y hechos á la guerra, aborrecerán por mucho tiempo todo trabajo, sujecion y buen órden. Los Yngleses no tienen ya en sus pedregonas islas, ni un palmo de tierra buena que no esté cultivado, y así no es de creer puedan ya acrecentar mucho mas su producto.” [99] (Den Franzosen wird ist es nicht leicht, so schnell jene Masse von Zucker zu produzieren; weil ihre Neger im Aufstand und im Krieg sind und für lange aller Arbeit, Unterwürfigkeit und gute Ordnung fliehen werden. Die Engländer haben auf ihren Inselchen schon kein einziges Stückchen guten Bodens mehr, das nicht kultiviert wäre und so ist nicht zu glauben, dass sie ihr Produkt noch sehr viel steigern können).

Der konservative Reformschub auf Kuba endete Mitte der zwanziger Jahre mit der neuen Stellung der Insel als einziger Spanien verbliebener kolonialer „Perle“. Fixiert wurde die Stellung Kubas als liberale, aber eben im Verfassungssinne (obwohl nicht expressis verbis in ihr als solche bezeichnete) wirkliche Kolonie, mit dem Ausschluß der Insel vom Geltungsbereich der spanischen Verfassung von 1837.[100] Humboldt hatte Kuba im Essai politique noch als quasi-autonomer Teil der Monarchie gegolten. Natürlich war die Gegnerschaft Arangos zum Sklavenhandel auch in der Konkurrenz zur Aufsteiger-Gruppe der spanisch-katalanischen Negreros begründet, von der die alte Oligarchie Havannas zunehmend finanziell abhängig wurde. Die steigenden Sklavenpreise und das System der Kreditvergabe (refacción) durch Kaufleute und Sklavenschmuggler trieben Arango Tränen in die Augen: „Ich wünschte, daß der Baron [Humboldt] mein Herz sähe, oder wenigstens meine Augen“.[101] Humboldt kritisierte diesen Kaufmanns-Kapitalismus am Beginn der zweiten Globalisierung, dessen Akkumulationsquellen vor allem im Sklavenschmuggel lagen, auch des öfteren.

Insgesamt ist dem späten Arango das Bemühen um Reformierung des von ihm mitinitiierten „großen Kuba“ im Sinne sozialer Nachhaltigkeit – zu dem allerdings auch ein klar artikulierter Rassismus[102] gehörte – nicht abzusprechen. Was die Nachhaltigkeit betrifft, besonders in bezug auf Umwandlung der Sklaven in eine Klasse de iure freier Bauern, standen Arango und Humboldt auf ähnlichen Positionen. Dazu kam, daß Arango und seine tertulia (eigentlich Salon, Lese- oder Gesprächszirkel, im weiteren Sinne für persönliches „Netzwerk“) im Gegensatz zur Masse der Besitzer mit den Sachargumenten und Daten Humboldts eben kongenial umgehen konnte.

Damit ist übrigens ein Problemkreis in der Humboldtforschung angerissen, der der Frage nachgeht, inwieweit „universales Wissen“ von Humboldt und „lokales Wissen“, etwa das von Arango oder von Nicolás Calvo oder Antonio del Valle Hernández übereinstimmten, bzw. wo das weit genauere lokale Tiefen- und Hintergrundwissen das breite Wissen von Humboldt beeinflusste und inwieweit es einfach ungerecht ist, immer nur die von Humboldt im Wortsinne „vorgeschriebene“ Perspektive in bezug auf den Kulturtransfer von Europa nach Amerika[103] nachzubeten. Viel wichtiger wäre es, ein genaues transfert culturel-Konzept, von mir aus auch „Modell“, der humboldteanización durch die unterschiedlichen Elitengruppen und –konstellationen (Konservative-Liberale) zunächst für das 19. Jahrhundert zu erarbeiten, daß sich freilich zunächst der extrem komplizierten Aufgabe stellen müßte, die individuellen Kontakte und Beeinflussungen sowie die Netzwerke und die Textgrundlagen eines solchen „Modells“ zu rekonstruieren. Die nächsten Schritte müssten dann eine Analyse der „Mexikanisierung“[104], „Kolombianisierung“, „Venezolanisierung“, „Peruanisierung“, „Ekuadorianisierung“[105] und, natürlich, „Kubanisierung“, vielleicht sogar „Hispanisierung“ und ”US-Amerikanisierung” Humboldts[106] beinhalten.

 



[51] Cuba-Werk ..., S. 252-260. Dabei wäre es ein leichtes gewesen, die originäre Arbeit von Fernando Ortiz, „El Traductor de Humboldt en la Historia de Cuba“, in: Ensayo Político sobre la Isla de Cuba por Alejandro de Humboldt con un mapa de Cuba, introducción por Fernando Ortiz y correciones, notas y apéndices por Francisco de Arango y Parreño, J.S. Thrasher  y otros, 2 Bde., La Habana: Cultural, S.A., 1930; S. 183-222 einzusehen. Eine Ausnahme ist Pietschmann, aber der ist Amerikanist. Siehe neuerdings: Schwarz, Ingo, “’Shelter for a Reasonable Freedom’ or Cartesian Vortex. Aspects of Alexander von Humboldt’s relation to the United States of America”, in: Debate y perspectivas. Cuadernos de Historia y Ciencias Sociales, Madrid, No. 1 (Diciembre de 2000): Alejandro de Humboldt y el mundo hispánico. La Modernidad y la Independencia americana, coord. Por Miguel Ángel Puig-Samper, S. 169-182.

[52] Cuba-Werk ..., S. 259.

[53] Ebd., S. 8.

[54] Ebd., S. 154.

[55] 1796 gab es sogar eine Debatte im Real Consulado zwischen den Befürwortern einer „weissen Emigration“ (Las Casas), der Steigerung der Sklaveneinfuhr (Arango) und der Einführung von Indianern, die unter Bedingungen der Zwangsarbeit zum Einsatz kommen sollten, siehe: Naranjo Orovio, „Humboldt en Cuba ... “, S. 188.

[56] Acerca de la esclavitud y su historia/José Antonio Saco, selección e introducción de Eduardo Torres Cuevas; Arturo Sorhegui, La Habana: Ed. de Ciencias Sociales, 1982; Torres Cuevas; Eusebio Reyes, Esclavitud y sociedad. Notas y documentos para la esclavitud negra en Cuba, La Habana: Ed. de Ciencias Sociales, 1986 sowie: Naranjo Orovio, „Humboldt en Cuba ...“, S. 183-201.

[57] Ebd., S. 244. Zum Stand der Diskussion des Zusammenhangs zwischen Sklaverei auf Kuba (und Puerto Rico) und dem spanischen „Rest“-Imperium, siehe: Schmidt-Nowara, Christopher, „The End of Slavery and the End of Empire: Slave Emancipation in Cuba and Puerto Rico“, in: Slavery & Abolition. A Journal of Slave and Post-Slave Studies, vol. 21, Num. 2 (August 2000), Special Issue: After Slavery. Emancipation and its Discontents, ed. Temperley, Howard, S. 188-207; Zeuske, „Weltgeschichtlicher „Big Picture“ und Mikrohistorien der Emanzipation. Typen, Vergleiche, Transfers und das Ende der atlantisch-amerikanischen Sklaverei“, in: Ders., Cimarrón im Archiv. Essais über Mikrogeschichten, atlantische Sklaverei und Rassismus, Leipzig: Leipziger Universitätsverlag, 2002 (in progress).

[58] Cuba-Werk ..., S. 179.

[59] Die Ansätze zu Reformen und die Debatten darum auf den Cortes von Cádiz 1810-1814 erwähnt Humboldt erstaunlicherweise gar nicht, siehe: Chust, Manuel, „De esclavos, encomenderos y mitayos. El anticolonialismo en las Cortes de Cádiz“, in: Mexican Studies/Estudios Mexicanos 11 (2), Summer 1995, S. 179-202. 

[60] Eine interne Sicht auf das Problem von Moral und pragmatischer wirtschaftlicher Rationalität bietet: Barcia Paz, Manuel, ”Herencia y racionalidad de la doble moral de los propietarios cubanos de esclavos”, in: Debates Americanos, No. 9 (Enero-Junio 2000), La Habana, S. 20-26, hier S. 20.

[61] Johannes Meier, „Die Kirche in Spanisch-Amerika um 1800 nach den Reiseschilderungen Alexanders von Humboldt“, in: Cristianismo nella storia. Richerche storiche esegetiche teologiche 17, Bologna (1996), S. 485-516; allgemein zu Menschenrechten und Sklaverei siehe: Patterson, Orlando, “Freiheit, Sklaverei und die moderne Konstruktion der Rechte”, in: Menschenrechte in der Geschichte, ed. Hufton, Olwen, Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 1999, S. 140-193.

[62] In seiner Einschätzung des Reglamento de cimarrones (1796), auf welches auch Humboldt Bezug nimmt, „ ... élaboré par deux des plus sûrs représentants de la plantocratie cubaine, Francisco de Arango y Parreño et José Manuel de Torrontegui. Humboldt lui-même, abusé par cette humanité de façade va porter aux nues ledit Règlement et plus généralement vanter la sagacité de la législation cubaine de l’esclavage“: Yacou, Alain, „Altérité radicale et convivencia. Le marronage dans l’ile de Cuba dans la première moitié du XIXe siècle“, in: Structures et cultures des sociétés ibéro-ameri­caines au-delà du modèle socio-écomonique. Editions IRDAL (Collection de la Maison des Pays ibériques, 43), París 1990, S. 95-111, hier S. 101.

[63] Cuba-Werk ..., S. 153 und S. 160.

[64] Ramos Guédez, José Marcial, “Simón Bolívar – la abolición de la esclavitud en Venezuela 1810-1830. Problemas y frustración de una causa”, in: Revista de Historia de América, núm. 125 (Jul.-Dic. 1999), S. 7-20.

[65] Auf diese Gesetzgebung bezieht sich Humboldt nochmals ausdrücklich in seinem letzten (bekannten) Brief an Bolívar: „En el volumen del Viaje que acaba de salir he hablado de la emancipación de los negros. Es la República de Colombia la que ha dado el ejemplo, y esta medida humanitaria y prudente a un tiempo, se debe al desinterés del general Bolívar ...“, zit. nach: Minguet, Las relaciones ..., S. 751 (doc. 214c); siehe auch: Humboldt, Reise... (Ette), II, S. 1507: “Für den Zustand der Sklaven sind heilsame Veränderungen im Gange. Den Gesetzen der neuen unabhängigen Staaten zufolge wird die Sklaverei allmählich erlöschen: schon hat die Republik Kolumbien das Beispiel einer allmählichen Freilassung gegeben. Diese ebenso menschliche wie kluge Maßnahme ist GENERAL BOLIVAR zu danken ...”.

[66] Cuba-Werk ..., S. 251; siehe: Zeuske, Einleitung, in: Nach der Sklaverei. Grundprobleme amerikanischer Postemanzipationsgesellschaften, Ders. (Hrsg.), Comparativ, 7. Jg., Heft 1 (1997), S. 7-17. S. 77f., 163-165.

[67] Cuba-Werk ..., S. 91.

[68] Ebd., S. 164. Leider hat noch kein deutscher Wissenschaftshistoriker es für nötig gehalten, der Beziehung zwischen dem Kuba-Forscher Humboldt und dem kongenialen Arango auch nur einen Aufsatz zu widmen, während dem Mythos der Beziehungen Humboldt-Bolívar, einem Mann, mit dem Humboldt weder politisch noch wissenschaftlich etwas anfangen konnte, ein knappes Dutzend gewidmet sind.  

[69] Cuba-Werk ..., S. 77f., 163-165.

[70] Eigenartigerweise werden in einer „Studienausgabe“ diese wichtigen Begriffe nicht übersetzt bzw. erläutert, zur Funktion des capataz oder contramayoral, das heist, die direkten Aufseher und Antreiber der Sklaven-„Gangs“ bei der Feldarbeit (die immer Sklaven waren), siehe: Gloria García Rodríguez, La esclavitud desde la esclavitud. La visión de los siervos, México: Centro de Investigación Científica „Ing. Jorge Y. Tamayo“, 1996, S. 7-57, hier S. 30-34.

[71] Die Anmerkungen Humboldts sind im „Cuba-Werk“ mit Sternchen gekennzeichnet (*). Die Anmerkung ** im Cuba-Werk ..., S. 163 nimmt Bezug auf „Eine königliche Verordnung vom 31. Mai 1789“, die versucht hatte, all dies zu regeln. Sie ist, wie Humboldt schreibt „ ... niemals vollzogen worden“. Ibid. Dabei handelt es sich um die „Real Instrucción de Su Magestad sobre Educación, Trato y Ocupaciones de los Esclavos [...] (bekannt als „Código Negro Español“, 1789), in: Richard Konetzke, Colección de documentos para la historia de la formación social de Hispanoamérica, 3 Bde./5 Teilbde., Madrid 1959/62, III/2,  S. 553ff. (Dok. Nr. 280). Diese Instrucción hatte die Krone etwa zeitgleich zur Entmonopolisierung des Sklavenhandels verfügt, übrigens unter tatkräftiger Pression von Arango. Sinn beider Veranstaltungen war es, die Massensklaverei zu fördern, aber sie gleichzeitig einheitlichen, zentral gesetzten Regeln im Sinne langfristiger Stabilität zu unterwerfen. Die Hacendados lehnten dieses Eingriff in den Rechtsraum Plantage vehement ab, siehe den Protest der Hacendados von Havannna: Levi Marrero, Cuba: Economía y Sociedad. Azúcar, Ilustración y Conciencia (1763-1868)(II), Bd. IX, Madrid: Editorial Playor, S.A., 1975, S. 220-225.  

[72] Ganz eindeutig in dem Textfragment „Esclavage“, welches Humboldt nicht publiziert hat: Vorabend ..., S. 249-254. Deutlich wird diese Haltung auch in seinem kontinuierlichen Wirken für eine Politik der Prinzipien in Preußen, die zum Gesetz gegen die Sklaverei vom 24. März 1857 führte, siehe: Karl Bruhns, Alexander von Humboldt. Eine wissenschaftliche Biographie, bearb. u. hrsg. v. Karl Bruhns, 3 Bde., Leipzig 1872, II, S. 296f. Allerdings ist der direkte Einfluß von Humboldt auf die Gesetzgebung gar nicht so leicht nachzuweisen, siehe: Donner, Vanessa, Hintergründe und historische Wirkungen des preußischen Abolitionsgesetzes von 1857, Diplomarbeit, Köln 2000 (Themensteller: Michael Zeuske).

[73] Vorabend ..., S. 66, geschrieben in Guayaquil, Anfang 1803, in einem Textfragment mit dem Titel „Colonies“, Ibid., S. 63-67.

[74] Cuba-Werk, S. 91; siehe auch: Antonio del Valle Hernández, Sucinta noticia de la situación presente de esta colonia. 1800, ed. E. Chávez Álvarez, La Habana: Ed. Ciencias Sociales, 1977. Pérez de la Riva verweist auf Intertextualitäten zwischen Valle Hernández und Humboldt und auf Zahlen die Humboldt ohne Angabe von Valle Hernández übernommen habe.    

[75] Humboldt, Reise auf dem Río Magdalena ..., II: Übersetzungen, Anmerkungen und Register, S. 410. Die angegebene Stelle, Bd. 8, S. 311 ist falsch.

[76] Cuba-Werk ..., S. 70.

[77] Ebd., S. 163.

[78] Ebd.

[79] Ebd., S. 182.

[80] Ebd., S. 64f.

[81] Ebd., S. 65.

[82] Ebd., S. 158.

[83] Ebd., S. 141.

[84] Ebd., S. 64; siehe auch: Zeuske; Munford, Clarence J., „Die ‚Große Furcht‘ in der Karibik: Frankreich, St. Domingue und Kuba (1789-1795)“, in: Ibero-Amerikanisches Archiv. Zeitschrift für Sozialwissenschaften und Geschichte. Neue Folge, Jg. 17, Berlin (1991), Heft 1, S. 32-65; Gaspar, D. Barry; Geggus, David, A Turbulent Time. The French Revolution and the Greater Caribbean, Bloomington and Indianapolis: Indiana University Press, 1997; Hernández Guerrero, D., La Revolución haitiana y el fin de un sueño colonial (1791-1803), México: UNAM, 1997; Knight, Franklin W., „The Haitian Revolution“, in: American Historical Review (AHR), Vol. 105:1 (February 2000), S. 103-115.

[85] Cuba-Werk ..., S. 64.

[86] Ebd., S. 159.

[87] Die Furcht der Sklavenbesitzer vor aktiven Farbigen (den Sklaven traute man – trotz Saint-Domingue! – politische Akteurschaft nicht zu) unterstreicht der Antrag von Andrés de Zayas 1827 auf Verbot der Zirkulation des Essai Politique: „... daß dieses Werk, unter vielen Aspekten sehr bewundernswert, ohne Zweifel aber ungewöhnlich gefährlich ist, wegen der Meinungen seines Autors über die Sklaverei und in erster Linie wegen des Bildes, das je wahrer, umso schrecklicher ist, den gentes de color [freie Farbige  - M.Z.] ihre inmense Kraft auf dieser Insel und ihr exzessives Übergewicht auf allen Antillen und an den Küsten des Kontinents zeigt...“, zit. nach: „Expediente en que el exmo. Ayuntam.to, sobre que se recoja la obra del Barón de Humboldt titulado ensayo politico de la Isla de Cuba y que se nieguen las licencias a la gente de color, para escuelas“, in: Boletín del Archivo Nacional, La Habana, LVI (enero-diciembre 1957), S. 32-33.

[88] Ebd., S. 81f. und Anmerkung.

[89] Ebd., S. 64; Puig-Samper; Naranjo Orovio; García González, Ensayo Político ..., S. 174: „confederación americana de los estados libres de las Antillas ...“ (diese Übersetzung von „confederation africaine“ geht wohl auf das Konto der Übersetzer von 1827).

[90] Ebd., S. 64.

[91] Paquette, Robert L., Sugar Is Made With Blood. The Conspiracy of La Escalera and the Conflict between Empires over Slavery in Cuba, Middletown, CT: Wesleyan University Press, 1988.

[92] Zeuske; Zeuske, Kuba 1492-1902 ..., S. 322-336.

[93] Fradera, „¿Por qué no se promulgó las leyes Especiales de Ultramar?“, in: Fradera, Gobernar colonias, Barcelona: Ediciones Península, 1999, S. 71-94.

[94] Stanley C. Urban, “The Africanization of Cuban Scare, 1853-1855”, in: HAHR 47 (1957), S. 33 und Levi Marrero, Cuba. Economía y Sociedad, 15 Bde., Río Piedras-Madrid, 1972-1992, Bd. IX, S. 108 schreiben den Satz dem “Heraldo de Madrid” (1851) zu; Ramira Guerra, Manual de historia de Cuba, La Habana: Ed. de Ciencias Sociales, 1971, S. 389 erwähnt den spanischen Abgeordneten Vicente Sancho 1837 als Präger dieses fatalen Wortes.

[95] „Representación al Rey sobre la extinción del tráfico de negros y medios de mejorar la suerte de los esclavos coloniales“ vom 28. Mai 1832, in: Arango y Parreño, Obras ..., II, S. 529-536.

[96] Zeuske; Munford, Die „Große Furcht“ in der Karibik ..., S.51-98.

[97] Arango in seiner unerreichten Trockenheit: „Ese documento es uno de los comprobantes de la Representación [de 1811], y en ella se explica muy bien que el sentido de la frase que se copia no es el que se presenta por el señor Barón, a quien suplico que modere su rigor ...“ („Dieses Dokument ist eines Beweisstücke der Repräsention [von 1811] und in ihm wird sehr gut erklärt,daß der Sinn der Satzes nicht der ist, den der Baron hier präsentiert, dem ich empfehle, daß er seinen Rigor mäßigen möge ...“): Humboldt, Ensayo Político ..., S. 207, Anm. 53.

[98] „Discurso sobre la agricultura de la Habana y medios de fomentarla“ La Habana, 24 Januar 1792, in: Arango y Parreño, Obras ..., I, S. 114-175, S. 134. Zur Entstehung und allgemein zur kreolisch-kubanischen Elite, siehe: González-Ripoll Navarro, Cuba, la isla de los ensayos ..., S. 152-163 und passim.

[99] Informe de Nicolás Calvo al Real Consulado, 6 de Septiembre de 1797, ANC, Real Consulado y Junta de Fomento de la Isla de Cuba, leg. 85, No. 3489, f. 7v.-8r.

[100] Fradera, „¿Por qué no se promulgó las leyes Especiales de Ultramar?“, in: Fradera, Gobernar colonias, Barcelona: Ediciones Península, 1999, S. 71-94.

[101] Puig-Samper, Naranjo Orovio; García González, Ensayo Politico ..., S. 239, Anm. 50: „Desearía que el Barón viese mi corazón, o al menos mis ojos ...“ („Ich wünschte, daß der Baron mein Herz sähe, aber wenigstens meine Augen ...“).

[102] Matthias Röhrig Assunção/Michael Zeuske, „’Race’, Ethnicity and Social Structure in 19th  Century Brazil and Cuba“, in: Ibero-Amerikanisches Archiv. Zeitschrift für Sozialwissenschaften und Geschichte. Neue Folge, 24 (1998), Heft 3-4, S. 375-443; Zeuske, „Hidden Markers. Open Secrets. Race Marking, Naming and Race Making in Cuba“,  (in progress); Naranjo Orovio, Consuelo; García González, Armando, Racismo e Inmigración en Cuba en el siglo XIX, Madrid (Aranjuez): Doce Calles, 1996. Fradera, „Raza y ciudadanía. El factor racial en la delimitación de los derechos de los americanos“, in: Fradera, Gobernar colonias ..., S. 51-70.

[103] Zeuske, „Europa und Amerika 1492-1992. Conquista und neuzeitliche Kontinentaldebatte. Eine Einleitung“, in: Debatten um die Conquista. Probleme, Perspektiven und Kontroversen, Heft 1/1993 der Zeitschrift COMPARATIV, hrsg. v. M. Zeuske, S.16-28.

[104] Bertrand, Michel, „A. von Humboldt und die « Wiederentdeckung » Mexikos am Beginn des 19. Jahrhunderts”, in : Comparativ 1 (2001) : Humboldt in Amerika, ed. Michael Zeuske (im Erscheinen).

[105] Arias de Greiff, Jorge, “Encuentro de Humboldt con la ciencia en la España americana" : transferencias en dos sentidos », in : El regreso de Humboldt. Exposición en el Museo Nacional de Colombia, Marzo-Mayo del 2001, ed. Holl, Frank, Quito: Imprenta Mariscal, 2001, S. 33-41.

[106] López-Ocón, Leoncio, Puig-Samper, Miguel Ángel, “Los condicionantes políticos de la comisión científica del Pacífico: Nacionalismo e Hispanoamericanismo en la España bajoisabelina (1854-1868)”, in: Revista de Indias, Vol. 47 (1987), No. 180, S. 667-682; López-Ocón, De viajero a historiador. Las actividades americanistas del científico español Marcos Jiménez de la Espada, 2 Bde., Madrid, 1991; López-Ocón, “Un naturalista en el panteón. El culto a Humboldt en el Viejo y el Nuevo Mundo durante el siglo XIX”, in: Cuadernos Hispanoamericanos, No. 586 (Abril de 1999), S. 21-33.

 

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