HiN - Internationale Zeitschrift für Humboldt-Studien (ISSN: 1617-5239)

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HiN XIV, 26 (2013)

Von Humboldts Hand
From Humboldt's hand
De la mano de Humboldt
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Katja Mönnich

Eine Freundschaft, die Jahrzehnte überdauerte!
Ein unveröffentlichter Brief Alexander von Humboldts
an seinen langjährigen Freund Johann Karl Freiesleben

 

 

Zusammenfassung

Der vorliegende Brief Alexander von Humboldts an seinen Jugendfreund Johann Karl Freiesleben (1774-1846) reiht sich ein in das Vorhaben, unpublizierte Briefe aus Humboldts Jugendzeit der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Editorisch fügt sich der Brief in die von Ilse Jahn und Fritz Gustav Lange herausgegebenen Jugendbriefe Alexander von Humboldts 1787-1799[1] ein. In diesem Band findet der Brief seinen Platz zwischen zwei Briefen Humboldts an Freiesleben, die er während seines Aufenthaltes in Dresden am 10.07.1797[2] sowie am 11. oder 18.07.1797[3] geschrieben hat.

Resumen

La carta de Alexander von Humboldt a su amigo de juventud Johann Karl Freiesleben (1774-1846) es parte del proyecto de investigación, que presenta cartas del joven Humboldt todavía no publicadas. Editorialmente, la carta fue adaptada a la publicación de la edición Jugendbriefe Alexander von Humboldts 1787-1799, presentada por Ilse Jahn y Fritz Gustav Lange. En este volumen, la carta está ubicada entre dos cartas de Humboldt a Freiesleben, que escribió en Dresde el 10 de julio y el 11 o 18 de julio 1797.

Abstract

The letter of Alexander von Humboldt to his childhood friend Johann Karl Freiesleben (1774-1846) is part of the project of making unpublished letters from Humboldt’s youth accessible to the public. Editorially, the letter fits in the edition Jugendbriefe Alexander von Humboldts 1787-1799, published by Ilse Jahn and Fritz Gustav Lange. In this volume, the letter is placed between two letters from Humboldt to Freiesleben, which he wrote during his stay in Dresden on 10th of July and on 11th or 18th of July 1797.

* * *

Johann Karl Freiesleben war im Jahr 1797 Bergamt-Assessor in Marienberg.

Der Beginn der Korrespondenz Humboldts mit ihm lässt sich auf das Jahr 1791 datieren. In diesem Jahr begann Humboldt sein Studium an der Bergakademie im sächsischen Freiberg, wo er die Bekanntschaft mit dem älteren Studenten Freiesleben machte, der ihn unter seine Fittiche nahm[4]. Aus der Bekanntschaft wurde eine tiefe langjährige Freundschaft, die erst mit dem Tod Freieslebens im Jahre 1846 endete. Der Brief vom 15. Juli 1797 fügt sich ein in die Vielzahl an Briefen[5], die diese enge Bindung der Beiden dokumentiert.

Diese Freundschaft wird aber nicht nur durch die jahrelange Korrespondenz, durch die gegenseitigen Besuche und gemeinsamen Reisen beispielsweise in die Schweiz bezeugt; auch die Hilfe Freieslebens bei der Fertigstellung von Humboldts Werken gibt Hinweise auf sein Verhältnis zu Humboldt.

Der bisher unveröffentlichte Brief vom 15. Juli 1797 ist einer von vielen, der die Unterstützung von Freiesleben bei den Werken Humboldts bezeugt. Er wurde zu der Zeit verfasst, in der Humboldt mit seiner Schwägerin Caroline und deren Kindern etwa seit dem 3. Juni 1797 in Dresden weilte.[6] Die eher kurz gehaltene Nachricht beinhaltet die Korrespondenz über Materialien für ein Buch, das Humboldt bis dato noch nicht fertig gestellt hatte. Vermutlich handelt es sich hierbei um das 1799 erschienene Werk Ueber die unterirdischen Gasarten und die Mittel, ihren Nachtheil zu vermindern. Ein Beytrag zur Physik der praktischen Bergbaukunde, denn in dessen Vorrede, geschrieben von Wilhelm von Humboldt, heißt es: 

Da aber Reisen und andere chemische Arbeiten ihn abhielten, sich ununterbrochen damit zu beschäftigen; so würde die gegenwärtige Schrift schwerlich ohne die Hülfe seiner Freunde zu Stande gekommen seyn. […] Schon viele überaus nützliche Materialien zu dieser Schrift verdankt er besonders dem Herrn Bergamts-Assessor Freyesleben zu Marienberg […].[7]

Der vorliegende Brief enthält aber nicht nur sachliche Informationen über die gemeinsame Arbeit der Freunde an einem Werk Humboldts, sondern gibt am Ende auch Auskunft darüber, welche Pläne Alexander von Humboldt in ferner Zukunft im Jahre 1797 verfolgte. In der Nachricht  bittet er Freiesleben, die Materialien zum erwähnten Buch zusammen mit einem Manuskript nach Wien nachzuschicken. Humboldt reiste zehn Tage nach dem Verfassen des Schreibens nach Wien, weil er sich dort weiter auf seine große amerikanische Forschungsreise vorbereiten wollte.[8]

Alexander von Humboldt an Johann Karl Freiesleben, Dresden, den 15. Juli 1797

Abb.1.: Brief von Alexander von Humboldt an Karl Freiesleben, Dresden, 15. Juli 1797
HiN XIV, 26 (2013) Zoomansicht

Handschrift: Staatsbibliothek zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz, Handschriftenabt., Autograph I/4257.

Hier, mein lieber Fr[eiesleben] übersende ich Dir schon die Zeichnungen[9]

die ich genau durchgesehen. Sie sind ungemein schön

und deutlich und ich mag daher nichts daran ändern

lassen. Da Du die mühsame Arbeit des redigirens

einmal übernommen, so wage ich nun die Bitte,

daß Du zwar Buchstaben auf die Zeichnungen

machst, aber nur mit Bleistift. Es kommt darauf

an, daß es recht wenige sind, denn ich habe an mei-

nen lezten Buche[10] erfahren, wie sehr Buchstaben den Stich

Abb. 2: Anschrift von Karl Freiesleben, Dresden, 15. Juli 1797
HiN XIV, 26 (2013) Zoomansicht

verundeutlichen. Auch ist das Ganze so deutlich vorge-

stellt, daß man kaum 3-4 Buchstaben braucht und alles[11]

andere mit Worten hinzufügen kann. Da Du mir doch

das MSS. nach Wien nachsendest, so bitte ich Dich dann

auch die Zeichnungen selbst mit beizupakken. Das Journal

des mines[12] nimm, als ein kleines Andenken von mir. Ewig

                        Dein

                                                                        Humboldt

Dresden, den 15 Jul[ius] [17]97

            ich reise den 20sten Juli

Anschrift: Dem / Herrn Assessor Freiesleben / in / Marienberg

* * *

Zitierweise

Mönnich, Katja (2013): Eine Freundschaft, die Jahrzehnte überdauerte! Ein unveröffentlichter Brief Alexander von Humboldts an seinen langjährigen Freund Johann Karl Freiesleben. In: HiN - Humboldt im Netz. Internationale Zeitschrift für Humboldt-Studien (Potsdam - Berlin) XIV, 26, S. 6-11. Online verfügbar unter <http://www.uni-potsdam.de/u/romanistik/humboldt/hin/hin26/moennich.htm>

Permanent URL unter <http://opus.kobv.de/ubp/abfrage_collections.php?coll_id=594&la=de>


 

[1] Die Jugendbriefe Alexander von Humboldts 1787-1799. Herausgegeben und erläutert von Ilse Jahn und Fritz G. Lange. Berlin 1973 (Beiträge zur Alexander-von-Humboldt-Forschung, Bd. 2).

[2]  Ebd., S. 586.

[3]  Ebd., S. 587.

[4] Richter, Thomas: Alexander von Humboldt. Hamburg 2009, S. 143.

[5] Über 80 Briefe von und an Freiesleben befinden sich in dem Band Jugendbriefe Alexander von Humboldts 1787-1799.

[6] Jahn, Lange: Jugendbriefe, S. 581.

[7] Humboldt, Friedrich Alexander v.: Ueber die unterirdischen Gasarten und die Mittel, ihren Nachtheil zu vermindern. Ein Beytrag zur Physik der praktischen Bergbaukunde. Braunschweig 1799, S. IV-V.

[8] Vgl. Richter, Alexander von Humboldt, S. 143.

[9] Gemeint sind vermutlich Materialien zu: Humboldt, Friedrich Alexander v.: Ueber die unterirdischen Gasarten und die Mittel, ihren Nachtheil zu vermindern. Ein Beytrag zur Physik der praktischen Bergbaukunde. Braunschweig 1799.

[10] Humboldt, Friedr[ich] Alexander von: Versuche über die gereizte Muskel-und Nervenfaser, nebst Vermuthungen über den chemischen Proceß des Lebens in der Thier- und Pflanzenwelt. 2 Bde. Posen/Berlin 1797[-1798].

[11] (1) als (2) alles Humboldts Korrektur.

[12] Vgl. Description de deux machines. De l’intervention de M. Humboldt, destinées à conserver la vie des hommes et la lumière des lampes dans les souterrains infectés de vapeurs délétères. In: Journal des mines. Publié par le Conseil des Mines de la République. Vol. 2, Paris, (1797-1798), Vol. 2, Numéro XLVII, Thermidor, S. 839-852.

 

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Letzte Aktualisierung: 27 Mai 2013 | Kraft
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