HiN - Internationale Zeitschrift für Humboldt-Studien (ISSN: 1617-5239)

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HiN XI, 21 (2010)

Von Humboldts Hand
From Humboldt's hand
De la mano de Humboldt
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Carolin Schulz

„Ein scharfsinniger Kopf aus Berlin!“
Ein unveröffentlichtes Empfehlungsschreiben für Leopold von Buch

Abb. 1: Brief von Alexander von Humboldt an Christoph Girtanner, Jena, den 16. April 1795
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Im Zusammenhang mit einer geplanten Wiederveröffentlichung des Bandes Die Jugendbriefe Alexander von Humboldts 1787-1799 durch den Akademie Verlages im Andenken an die kürzlich verstorbene Mitherausgeberin Ilse Jahn sollen in loser Folge bisher unpublizierte Briefe aus der Jugendzeit Alexander von Humboldts in der Rubrik Von Humboldts Hand erscheinen.

Der folgende Brief Alexander von Humboldts an den Göttinger Arzt Christoph Girtanner (s. Abb. 1) steht am Anfang dieser Reihe, welche sukzessive versucht, neuere Erkenntnisse der Alexander-von-Humboldt-Forschungsstelle in Bezug auf die Jugendbriefe zu publizieren. Das Schreiben, welches zur so genannten Berlinka-Sammlung[1] der Biblioteka Jagiellońska in Krakau gehört, gelangte während des Zweiten Weltkrieges nach Polen, und ist der Forschungsstelle vor einiger Zeit zugänglich gemacht worden. Editorisch werden sich die in dieser Rubrik erscheinenden Briefe Humboldts in den bestehenden Band der Jugendbriefe von 1973 einfügen.[2]

Alexander von Humboldt an Christoph Girtanner, Jena, den 16. April 1795

Handschrift: Kraków, Uniwersytet Jagielloński, Biblioteka Jagiellońska, Autographen-Sammlung Girtanner aus der ehem. Preußischen Staatsbibliothek zu Berlin, gegenwärtig in der Jagiellonen Bibliothek Krakau.[3]

Referat: 1. Henrici, Versteigerung 88, v. 13-14.5.1924, Los Nr. 204. 2. Die Jugendbriefe Alexander von Humboldts 1787-1799. Hrsg. von Ilse Jahn und Fritz G[ustav] Lange. Berlin: Akademie-Verlag 1973 (Beiträge zur Alexander-von-Humboldt-Forschung. Bd. 2), S. 416.[4]

Sie erlauben, mein Guter, daß ich Ihnen einen scharfsinnigen Kopf, einen Herrn von Buch[5], aus Berlin empfehle. Als ein Freund von mir schenken Sie ihm gewiß Augenblikke der Muße u[nd] nur um Augenblikke bitte ich Sie. Der Mensch ist ein treflicher Mineraloge u[nd] Chemist. Wir lernten zusammen in Freiberg auf der Bergakademie. Er ist Schüler nicht Anhänger von Gren.[6] Sie werden mehr curiosa über diesen Skeptiker von ihm erfahren. Mein Bruder[7] grüßt herzlich. Wir sind alle böse, daß Sie nicht hiher kommen.

Ihr    [Alex. v.][8] Humboldt.

Jena den 16 Apr[il] [17]95

Abb. 2: Briefumschlag von Alexander von Humboldt an Christoph Girtanner, Jena, den 16. April 1795
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In den Jugendbriefen von Jahn/Lange findet sich lediglich ein Referat zu diesem Brief. Darin wird nur auf die Empfehlung des deutschen Geologen Leopold von Buch durch Alexander von Humboldt hingewiesen. Ein weiteres Empfehlungsschreiben für Buch sandte Humboldt am 18. April 1795 an den Bibliothekar der Göttinger Universitätsbibliothek Jeremias David Reuß (1750-1837).[9] Dabei scheint es nicht verwunderlich, dass Humboldt die Empfehlungsschreiben für seinen ehemaligen Freiburger Kommilitonen an wissenschaftliche und einflussreiche Persönlichkeiten in Göttingen richtete: Die dortige Universität war zu jener Zeit Wirkungsstätte namhafter Wissenschaftler. Dazu zählten unter anderem Humboldts Lehrer Christian Gottlob Heyne (1729-1812) und Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799). Am 4. Mai 1795 immatrikulierte sich Leopold von Buch dann ebenfalls an der Georgia Augusta.

Christoph Girtanner (1760-1800) war ab 1787 als Privatgelehrter in Göttingen tätig und publizierte medizinische und chemische Übersichten. Der Beginn der Korrespondenz Humboldts mit Girtanner lässt sich auf das Jahr 1791 datieren. Bereits in seinem Briefwechsel mit Paulus Usteri (1768-1831), einem Schweizer Publizisten und Politiker, finden Girtanners Versuche über die Reizbarkeit organischer Wesen Humboldts interessierte Beachtung. Erstmals traf dieser den forschenden Arzt und Chemiker 1791 in London, wo ihn Girtanner auf Lavoisiers[10] antiphlogistische Chemie aufmerksam machte. Das hier angeführte Schreiben vom 16. April 1795 markiert den letzten in den Jugendbriefen dokumentierten Kontakt Humboldts zu Girtanner. Über dessen Theorien korrespondierte Humboldt jedoch in den folgenden Jahren unter anderem mit seinem langjährigen Vertrauten, dem sächsischen Oberberghauptmann Carl von Freiesleben (1774-1846) und dem Mediziner Samuel Thomas von Soemmerring (1755-1830).[11]

Die Anschrift des Humboldt-Briefes vom 16. April 1795: Herrn Geheimen Hofrath Girtanner  Wohlgeboren in Göttingen (s. Abb. 2)


 

[1]  Eine umfangreiche Handschriftensammlung aus dem Besitz der Preußischen Staatsbibliothek.

[2]  Die Jugendbriefe Alexander von Humboldts 1787-1799. Hrsg. von Ilse Jahn und Fritz G[ustav] Lange. Berlin: Akademie-Verlag 1973, S. XIXff.

[3]  Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Bibliothek.

[4]  Nach Referat 1.

[5]  Gemeint ist der Geologe Leopold von Buch (1774-1853). Gemeinsam mit Alexander von Humboldt studierte er bei Abraham Gottlob Werner (1749-1817) in Freiberg.

[6]  Friedrich Albrecht Carl Gren (1760-1798). Der deutsche Chemiker war Anhänger der überholten Phlogiston-Theorie. Das Phlogiston (griech.: verbrannt, brennbar) war eine hypothetische Substanz von der man im 17./18. Jahrhundert annahm, dass sie in brennbaren Körpern enthalten ist und im Verbrennungsprozess entweicht. Girtanners Werk „Anfangsgründe der antiphlogistischen Chemie“ (1792) wandte sich gegen diese Theorie.

[7]  Wilhelm von Humboldt war seit 1788 an der Georgia Augusta immatrikuliert, um sich dort der Rechtswissenschaft zu widmen.

[8]  Alex. v. von fremder Hand ergänzt.

[9]  Vgl. Jahn/Lange 1973, S. 418.

[10]  Antoine Laurent de Lavoisier (1743-1794).

[11]  Zu Humboldts Äußerungen zu Christoph Girtanner vgl. Jahn/Lange 1973, S. 473ff., 482ff., 504, 586f.

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Letzte Aktualisierung: 26 April 2011 | Kraft
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