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Kurt-R. Biermann / Ingo Schwarz

Warum bezeichnete sich Alexander von Humboldt
als DER ALTE VOM BERGE (Vecchio della Montagna)?

Zuerst erschienen in: Alexander von Humboldt-Stiftung. Mitteilungen. AvH-Magazin Nr. 60, Dezember 1992, S. 71-73.

3. Woher kannte Humboldt die Rolle und Bedeutung des Alten vom Berge?

Er hatte in Vorbereitung auf seine asiatische Reise arabische und persische Sprachstudien betrieben und sich mit der Geschichte des Islam vertraut gemacht.[1] Dabei musste er auch auf den Sektenführer treffen. Aber es bedurfte gar nicht solcher Spezialstudien. Humboldt konnte bei jedem seiner Briefpartner die Kenntnis des Alten vom Berge bzw. die Möglichkeit rascher Information voraussetzen,[2] hatten doch die deutschsprachigen Konversationslexika, wenigstens seit 1825, diesem Stichwort einen festen Platz eingeräumt (Ludwig in Wien, Pierer in Altenburg, Meyer in Leipzig, Brockhaus in Leipzig), zumindest im Artikel über die Assassinen. Die Lexikon-Redakteure gingen also davon aus, dass die Leser Interesse am Alten vom Berge hatten. Übrigens gilt das bis in die Gegenwart; vgl. Brockhaus in Mannheim 1989. Aber auch in der Reiseliteratur behauptet der Alte vom Berge seinen Platz bis in unsere Tage, siehe das (ganz kürzlich wieder aufgelegte) Buch von Freya Stark Im Tal der Mörder. Persische Reisen. Hamburg, Stuttgart, Baden-Baden 1949, S. 216, von der Spezialliteratur über den Islam ganz zu schweigen.

Noch bleibt die Frage offen, warum sich Humboldt gelegentlich der italienischen Übersetzung des Titels des Alten vom Berge bediente. Das „missing link“ liefert sein Examen critique de l’histoire de la géographie du Nouveau Continent (Vol. 1, Paris 1836, p. 295): Humboldt war bei geographiegeschichtlichen Studien darauf gestoßen, dass der berühmte italienische Reisende Marco Polo 1295 Kunde vom Vecchio della Montagna nach Europa gebracht hatte.

 

[1] Vgl. dazu: Ingo Schwarz/Werner Sundermann: Alexander von Humboldts persische und russische Wortsammlungen. In: Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Berichte und Abhandlungen. Bd. 6, Berlin 1998, S. 219-328 (Berichte und Abhandlungen der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Band 6); Hanno Beck: Der Iran im Denken des frühen und des späten Alexander von Humboldts. In: Iranzamin. Echo der iranischen Kultur. XIV. Jg. Ausgabe 10/11 (N.F.) Frühjahr u. Sommer 2006, S. 571-576.

[2] So nannte auch Gottfried Keller in einem Brief an Ludmilla Assing vom 15.3.1860, in dem er sich zu den gerade erschienenen Briefen von Alexander von Humboldt an Varnhagen von Ense äußerte, die Korrespondenzpartner die „beiden Alten vom Berge.“ Carl Helbling (Hrsg.): Gottfried Keller. Gesammelte Briefe. Bern 1951, S. 92. Dankenswerter Hinweis von Oliver Lubrich, Berlin.

 

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Letzte Aktualisierung: 21 November 2008 | Kraft
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