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Ingo Schwarz
Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften

„Humbug und Taktlosigkeit“ oder „ein anlockendes Aushängeschild“
Alexander von Humboldt als Held einer Novelle – 1858

4. Gründe für Humboldts scharfe Ablehnung der Dedenrothschen Novelle

Was mögen – außer der literarischen Qualität – die Gründe für Humboldts scharfe Reaktion im Fall der „Orinoco-Novelle“ gewesen sein? Die Erzählung berichtet von einer – freilich frei erfundenen – Begegnung zwischen Humboldt und einem Amerikaner, der Gründe für die Annahme zu haben glaubte, der Sohn des Forschers zu sein. Die Novelle schließt mit Reflexionen des Erzählers, die Humboldt wahrscheinlich nicht sehr amüsant fand:

„Sein Manuskript ließ er [der Amerikaner] mir lächelnd als Andenken zurück – er ahnte es vielleicht wozu ich es gebrauchen würde, aber er zweifelte selbst daran, daß er der Sohn des Einzigen sei.

 

‚Aber,’ fragte einer meiner Freunde, dem ich die Begegnung mitteilte, ‚sollte Humboldt nie geliebt haben? Die Geschichte des Indianers bringt mich auf ganz eigene Gedanken. Humboldt steht zu rein, zu isolirt, zu wenig menschlich da – warum kennt Niemand Etwas von dem Leben seines Herzens?’


‚Das Leben seines Geistes hat Alles übertönt,’ war meine Antwort.


‚Und dennoch hat er ein Herz, wie das eines Kindes.’


‚Wahrscheinlich,’ lächelte ich, ‚weil er nie geliebt hat. Er hatte keine Zeit zum Lieben und darum ist sein Herz jung geblieben.’


‚Ich halte es eigentlich für ein Unrecht, die Geschichte des Amerikaners zu veröffentlichen,’ fuhr ich mit stillem Zweifel fort, ‚es sieht aus wie ein Plagiat.’


‚Nein,’ lächelte der Freund, aber Du hängst Dich an einen großen Namen.’


‚Das thut Jeder; auf meinem Passe steht sogar der Name des Königs – und der Name Humboldt’s soll nur der Paß für diese Geschichte sein, die ich in die Welt schmuggeln will.!’


‚Und Deine Tendenz ist?’ – fragte mein Freund.


‚Die Tendenz?’ – ich sann eine Weile nach – endlich fand ich eine Antwort.


‚Meine Tendenz,’ sagte ich, ‚soll die Frage sein, ob Alexander von Humboldt nie geliebt hat – in Maypures scheint nur sein Packträger das Herz verloren zu haben.’


‚Geliebt – pah – jeder Mensch hat einmal in seinem Leben geliebt – ’ sagte mein Freund, ‚man weiß es nur nicht von Jedem.’


‚Von Jedem ist’s auch nicht interessant, – aber Das möchte ich wissen,’ rief ich, ‚was es für ein Weib war, dem Alexander von Humboldt gegenüber fühlte, daß er auch ein Jüngling und nicht immer ein Gelehrter gewesen ist! – ’“[1]


Ganz offensichtlich hatte der Autor hier – auch wenn er Humboldt eigentlich nicht zu nahe treten wollte – Grenzen überschritten, die der berühmte, jede Form von Indiskretion verabscheuende, Forscher eingehalten sehen wollte. Soweit wir heute wissen, hat Humboldt den Namen Eugen Hermann von Dedenroth später nie mehr erwähnt.


[1] Hermann, Eugen: Ein Sohn Alexander’s von Humboldt oder der Indianer von Maypures. Adel und Gesellschaft. Zwei Novellen. Leipzig und Philadelphia 1858, S. 137-138.

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Letzte Aktualisierung: 21 Juni 2007 | Kraft
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