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Eberhard Knobloch
Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften

Erkundung und Erforschung
Alexander von Humboldts Amerikareise

Frau Dr. Margot Faak zu ihrem 80. Geburtstag gewidmet.

2. Die Route

„Als ich 1799 von Europa abreiste, war mein Plan, meine Expedition in den Tropen in zwei oder drei Jahren zu beenden. Ich plante, von La Coruña über die Kanarischen Inseln nach Havanna zu gehen, von dort nach Mexico, von Acapulco über Guayaquil nach Quito und durch den Isthmus von Panama nach Spanien zurückzukehren. Eine Verkettung von Umständen hat mich diesen Plan erweitern lassen und hat mich gezwungen, meine Route fast jeden Augenblick zu ändern“ (Humboldt 2003b, 176).

So fasste Humboldt seine ursprünglichen Absichten im Tagebuch zusammen: weder Venezuela, noch Kolumbien noch Peru waren danach ursprünglich vorgesehen.

Aus den zwei bis drei wurden mehr als fünf Jahre. Die „Pizarro“, benannt nach dem spanischen Eroberer Francisco Pizarro des Inkareichs Peru, segelte mit Humboldt am 5. Juni 1799 aus Nordspanien ab. Sie hatte zur Überraschung Humboldts Befehl, im venezolanischen Cumaná auf dem Weg nach Havanna anzulegen. Angesichts einer Seuche an Bord beschloss Humboldt, das ungastliche Schiff in Cumaná zu verlassen: ohne die Seuche wäre er nie, wie er in der „Relation historique“ bekennt, an den Orinoco, den Casiquiare, bis an die Grenze der portugiesischen Besitzungen am Río Negro gekommen (Humboldt 1814-1825 I, 217; Ette 1991, 208). Mit anderen Worten, Humboldt hätte nicht experimentell nachgewiesen, dass die Flusssysteme des Orinoco und des Amazonas miteinander verbunden sind. Humboldt nahm diese Wendung der Dinge als glückliche Fügung.

Ja, er hatte Recht: seine gesamte Reiseroute war ein Ergebnis von Improvisationen, sein Forschungsprogramm war es nicht. Vom ersten Tage seiner Reise an setzte er zu Wasser und zu Lande sein umfangreiches Instrumentarium ein und führte ein Tagebuch, sammelte Pflanzen, Tiere, menschliche Totenschädel, Gesteine, studierte Archive und Statistiken. Hier war er von geradezu pedantischer Sorgfalt. Man nehme nur eine beliebige Seite seines «Journal de route» seiner «Relation historique», das die Messdaten der Seereise von Spanien nach Venezuela verzeichnet:

Abb. 1. «Journal de route» (Humboldt 1814-1825, I, 274, Kopie nach dem Expl. der A. v. Humboldt-Forschungsstelle Berlin).

Abb. 1. «Journal de route» (Humboldt 1814-1825, I, 274, Kopie nach dem Expl. der A. v. Humboldt-Forschungsstelle Berlin).

Abb. 1. «Journal de route» (Humboldt 1814-1825, I, 274, Kopie nach dem Expl. der A. v. Humboldt-Forschungsstelle Berlin).

Eine Krankheit Bonplands dehnte den Venezuelaaufenthalt aus: sie ordneten ihre Sammlungen, Humboldt berechnete seine astronomischen Beobachtungen, eine seiner Kernaufgaben. Da ist es schon erstaunlich zu lesen, „Humboldt habe vielleicht nicht gerechnet“ (Lepenies 2001, 8). Gibt es doch kaum etwas, was er mehr getan hat.

Ihren Plan, eine Weltreise zu machen und sich Kapitän Baudin an den Küsten Perus auf der Fahrt zu den Philippinen anzuschließen, mussten sie angesichts falscher Nachrichten später ganz aufgeben. Mangels eines segelfertigen Schiffes von Kolumbien nach Panama entschlossen sie sich damals für den Landweg Bogotá, Popayán, Quito, Lima: Auch die zweite große Landreise auf dem Rio Magdalena und durch die Anden, die mehrfach überquert werden mussten, war also ursprünglich nicht geplant. Der Wunsch, den berühmten spanischen Botaniker José Celestino Mutis in Bogotá zu treffen, die Vulkankette in Ekuador kennen zu lernen, gab den Ausschlag (Moheit 1993, 189; Moheit 1999, 134; Humboldt 2003 b, 178).

Von Lima ging es mit Schiff über Guayaquil nach Acapulco in Mexiko, das Humboldt in Veracruz Richtung Kuba verließ. Von dort segelte er Richtung Philadelphia zu den USA. Am 3. August 1804 erreichte Humboldt wieder Bordeaux. Anders als seine Vorgänger La Condamine, Bouguer, Malaspina, Cook, Bougainville war er keinem staatlichen Auftraggeber verpflichtet. Seine Stellung als selbst zahlender Privatmann verlieh ihm die Unabhängigkeit, Route, Begleiter, Verkehrsmittel frei wählen zu können (Holl 2001, 55). Die Kosten brauchten ihn nicht zu interessieren und haben ihn nur widerwillig interessiert.

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Letzte Aktualisierung: 09 Januar 2007 | Kraft

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