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Franz-J. Weihrauch

Nachrichten aus Amerika oder wie man in Koblenz von Humboldts Reise nach Amerika erfuhr

6. Von Paris nach Koblenz: Die Distribution des Wissens

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts blickt alle Welt nach Paris. Paris ist das  europäische Zentrum schlechthin. Noch Jahrzehnte später wird Carl Gustav Carus  Paris als den “Vulkan“ Europas bezeichnen.[1] Und das ist Paris nicht nur in politischer, sondern auch in kultureller und wissenschaftlicher Hinsicht. Nach Paris muss man reisen, wenn es um Kunst und Kultur geht; in Paris sind – nicht zuletzt durch Napoleons Eroberungszüge in Europa –Kunstschätze angehäuft; in Paris versammeln sich die Koryphäen der Naturwissenschaft. Kurzum: Nachrichten aus Paris sind also immer willkommen und, sofern es sich um ‚news‘ handelt, immer einen Abdruck wert. Genauso wie die Herausgeber in Koblenz nach Paris schauen, wenn es um die große Politik geht, saugen sie alle Informationen gierig auf, wenn es um die neuesten wissenschaftlichen Entwicklungen geht. Und Koblenz, als Hauptstadt des Départements Rhin et Moselle, war – anders als die deutschen Städte rechts des Rheines – verwaltungstechnisch, aber auch in puncto Wissenschaft, Kultur und Bildung direkt an Paris angebunden.

Darüber hinaus gibt es konkrete Belege für die Beziehungen des Herausgebers Lassaulx nach Paris, dessen Buchhandlung direkten Kontakt nach Paris zu einem gewissen Pougens, dem Buchhändler Napoleons hatte, wie Leo Just in seiner Lassaulx-Biographie anmerkt.[2]  Hier kommt es zum gegenseitigen Austausch der Verlagsprogramme und –schriften. Im Lassaulxschen Verlag selbst erscheinen des Weiteren ein paar aufschlussreiche Werke. Der zukünftige Schwager von Lassaulx, Joseph Görres, wendet sich, enttäuscht von der Revolution, gänzlich von der Politik ab und widmet sich als Lehrer und Wissenschaftler den Naturwissenschaften. Zur Buchmesse im Herbst 1800 erscheinen die von Görres übersetzten „Synoptischen Tabellen der Chemie“[3]. Verfasser dieser Tabellen ist kein anderer als Antoine François de Fourcroy.[4] Auch Becker kennt Fourcroy, denn er erwähnt ihn – wenn gleich in anderem Zusamenhang – 1799 in seiner Reisebeschreibung als einen der führenden Wissenschaftler in Frankreich.[5] Auch in Koblenz ist man also durchaus auf der Höhe der Zeit, wenn es um die Rezeption der neuesten Ergebnisse aus Forschung und Wissenschaft geht. Bei diesen engen Verbindungen nach Paris ist die Annahme mehr als wahrscheinlich, dass durch die hier skizzierten Kommunikationskanäle auch der Humboldt-Brief nach Koblenz gelangt ist.

 


[1] Carl Gustav Carus: Paris und die Rheingegenden 1835. In: Ders.: Reisen und Briefe. Ausgewählt von Eckhart von Sydow, 2. Teil. Leipzig, S. 28.

[2] Vgl. Leo Just: Franz von Lassaulx. Ein Stück rheinischer Lebens- und Bildungsgeschichte im Zeitalter der großen Revolution und Napoleons. Bonn 1926, S. 102.

[3] Vgl. Antoine François de Fourcroy : Système des connaissances chimiques et de leures applications aux phénomenes de la nature et de l’art. T. 1-10, table alphabétique et analytique des matières, par Mme Dupiery, Paris Baudon, an IX – X (1801-1802), Universitäts-Bibliothek Bonn, Alter Katalog, Signatur: AB 326.

[4] Vgl. Just (wie Anm. 9), S. 101. Weitere Übersetzungen Fourcroyscher Werke folgen, siehe ebd.: S. 121/122.

[5] Becker, Johann Nikolaus: Beschreibung meiner Reise in den Departmentern (wie Anm. 11), S.. 57. Vgl. auch: Quellen zur Geschichte des Rheinlandes im Zeitalter der Französischen Revolution 1780–1801. Gesammelt und hrsg. von Joseph Hansen. 4. Bd. 1797–1801. Bonn, 1938. S. 950.

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Letzte Aktualisierung: 28 April 2006 | Kraft

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