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Robert Hoffmann

Die Entstehung einer Legende.
Alexander von Humboldts angeblicher Ausspruch über Salzburg.

2. Vorbemerkung

Der Name Humboldt lebt als Bezeichnung von Ortschaften, Flüssen, Bergen, Straßen in allen Kontinenten, insbesondere aber in Nord- und Südamerika. Er wurde außerdem Pflanzen, Tieren, Mineralen zugelegt, Hotels und Kaffeehäuser, Schulen und wissenschaftliche Institutionen borgen vom Glanz des großen Namens. Ulrich-Dieter Oppitz’ listet in einer Untersuchung über die Verbreitung des „Namens der Brüder Humboldt in aller Welt“[1] – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – annähernd 1000 Beispiele auf, wobei aber Namensgebungen nach dem Bruder Wilhelm kaum ins Gewicht fallen. Der bewussten Traditionspflege im Dienste der Wissenschaften stand schon bald die kommerzielle Auswertung gegenüber. Bereits zu Lebzeiten Alexander von Humboldts wurde sein Name in der Werbung benutzt, etwa für ein heilsames Badesalz, und hierher gehören im Grunde auch alle jene Ortsbezeichnungen, die sich von einem oft nur legendären Besuch oder Lobspruch Humboldts herleiten.[2]

Angesichts dieser inflationären Verbreitung des Namens Humboldt verwundert es nicht, dass man auch in Salzburg des großen Gelehrten gedenkt, der hier – nachdem er bereits 1792 kurz in der Stadt geweilt hatte – den Winter 1797/98 in intensiver Vorbereitung der großen Reise verbrachte, die ihn in die Neue Welt führen sollte. Kurios ist allerdings, dass dieser Aufenthalt niemals im Zentrum einer regionalen Salzburger Humboldttradition gestanden ist.[3] Diese beschränkt sich vielmehr bis heute auf die Wiedergabe des berühmten Salzburglobs: „Die Gegenden von Salzburg, Neapel und Constantinopel halte ich für die schönsten der Erde“. Seit mehr als hundert Jahren prägt dieser angebliche Ausspruch Humboldts das Image von Salzburg in der ganzen Welt und er hat – das lässt sich unschwer nachweisen – im Dienste der Fremdenverkehrswerbung ganz entscheidend zur Ausformung des Mythos von der „schönen Stadt“ Salzburg beigetragen. Bevor aber der im regionalen Kontext durchaus heiklen Frage nachgegangen wird, ob der berühmte Ausspruch Humboldts authentisch ist oder auch nicht, sei zunächst auf das Bild der „schönen Stadt“ eingegangen, wie es sich bereits vor dem Bekanntwerden des angeblichen Humboldtausspruchs in Literatur und Kunst manifestierte.

 


[1] Ulrich-Dieter Oppitz: Der Namen der Brüder Humboldt in aller Welt. In: Alexander von Humboldt. Werk und Weltgeltung. Hg. v. Heinrich Pfeiffer, München 1969, 275-429.

[2] Ebd., 275 f.

[3] Zur wissenschaftlichen Beschäftigung mit Humboldts Salzburg-Aufenthalten s. Gustav Zeller, Alexander von Humboldts Aufenthalt in Salzburg, in: MGSL 40 (1900), 53-66; Georg Stadler: Alexander von Humboldt in Salzburg und Wien 1792 uns 1797/98. In: Österreich in Geschichte und Literatur 17 (1973), 214-230; Humboldt und Salzburg. Hg. u. bearb. von J. F. G. Grosser u. F. Schmeidler, Salzburg, München 1982: (Beitr. d. 2. Alexander-von-Humboldt-Kolloquiums d. Academia Cosmologica Nova).

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Letzte Aktualisierung: 29 April 2006 | Kraft

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