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Robert Hoffmann

Die Entstehung einer Legende.
Alexander von Humboldts angeblicher Ausspruch über Salzburg.

1. Einführung (von Ingo Schwarz)

Alexander von Humboldt hat sich über viele Orte auf der Welt geäußert. Das ist nicht verwunderlich, sah er doch auf seinen ausgedehnten Reisen große Teile Europas, Amerikas und Asiens mit eigenen Augen. Nicht alle Plätze sind dabei gut weggekommen. Seine Vaterstadt Berlin beispielsweise, für deren geistige Entwicklung Humboldt so viel getan hat, nannte er in einem Brief an den Mathematiker Jacobi „eine moralische Sandwüste, geziert durch Akaziensträucher und blühende Kartoffelfelder“[1]. Potsdam charakterisierte er in einem vertraulichen Schreiben an Varnhagen von Ense einmal als „öde Kasernenstadt“[2]. Solche mokanten Bemerkungen fanden natürlich kaum den Weg in Bücher, die ein positives Bild einer Gegend zeichnen und damit Besucher anlocken wollten. Anders verhält es sich mit der folgenden Textstelle aus dem 2. Kapitel der „Reisen in die Äquinoktial-Gegenden des Neuen Kontinents“, der man auf Teneriffa – gleichwohl selten im vollen Wortlaut[3] – immer wieder begegnet: „Wenn man ins Tal von Tacoronte hinabkommt, betritt man das herrliche Land, von dem die Reisenden aller Nationen mit Begeisterung sprechen. Ich habe im heißen Erdgürtel Landschaften gesehen, wo die Natur großartiger ist, reicher in der Entwicklung organischer Formen; aber nachdem ich die Ufer des Orinoco, die Kordilleren von Peru und die schönen Täler Mexicos durchwandert, muß ich gestehen, nirgends ein so mannigfaltiges, so anziehendes, durch die Verteilung von Grün und Felsmassen so harmonisches Gemälde vor mir gehabt zu haben.“[4]

Dieses und andere Urteile aus Humboldts Feder mögen die Verfasser von Reiseführern und Ortschroniken dazu angeregt haben, den berühmten Naturforscher mit lobenden Bemerkungen über ihre Stadt oder deren Umgebung in Verbindung zu bringen. So vermutet man bis heute, Humboldt habe Koblenz als „eine der schönst gelegenen Städte der Welt“ gesehen. Bad Honnef soll Humboldt als das „Deutsche“ oder das „Rheinische Nizza“ bezeichnet haben. Bad Füssing, so sagt man, habe Humboldt „eine der sieben schönsten Städte der Welt“ genannt. Den Blick auf Bahnhof Rolandseck südlich von Bonn hat Humboldt, glaubt man einer Publikation über das Bauwerk, „als einen der sieben schönsten der Welt“[5] gepriesen. Ein Führer für Weiden in der Oberpfalz behauptet: „Der große Naturforscher und Weltreisende A. v. Humboldt nennt den Parkstein den schönsten Basaltkegel der Erde.“[6]

Dies sind nur einige Beispiele. Gemeinsam ist den Äußerungen vor allem, daß sie ohne Quellenangabe erscheinen, wodurch gründliche Forscher immer wieder zu Bitten an die Alexander-von-Humboldt-Forschungsstelle veranlaßt werden, nach verläßlichen Quellen zu suchen, was allerdings nur selten von Erfolg gekrönt wird.

In dem folgende Beitrag hat Robert Hoffmann in anregender und aufschlußreicher Weise dargetan, wie der berühmte, Humboldt zugeschriebene Satz „Die Gegenden von Salzburg, Neapel und Constantinopel halte ich für die schönsten der Erde“ seinen Weg in die Literatur gefunden hat. Die Arbeit wurde zuerst gedruckt in den Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, 141. Vereinsjahr, 2001, S. 265-278. Eine leicht modifizierte und gekürzte Version dieser Abhandlung erschien unter dem Titel Alexander von Humboldts angeblicher Ausspruch über Salzburg. Nur eine Legende im Dienste des Fremdenverkehrs? in „Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Bestandsaufnahmen und Zukunftsaussichten.“ Hrsg. von Josef Ehmer, Dietmar Goltschnigg, Peter Revers und Justin Stagl (Edition Praesens) (2003), S. 249-266.

Berlin, Februar 2006

Ingo Schwarz
Alexander-von-Humboldt-Forschungsstelle der 
Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften



[1] Briefwechsel zwischen Alexander von Humboldt und C. G. Jacob Jacobi. Hrsg. v. Herbert Pieper. Berlin 1987 (Beiträge zur Alexander-von-Humboldt-Forschung, Bd. 11), S. 65.

[2] Briefe von Alexander von Humboldt an Varnhagen von Ense aus den Jahren 1827 bis 1858. [Hrsg. v. Ludmilla Assing]. 5. Aufl. Leipzig 1860, S. 283.

[3] Vgl. z.B.: Humboldt über Teneriffa. Hrg. v. Ken Fisher und Hans König. Puerto de la Cruz 2001, S. 1.

[4] Humboldt, Alexander von: Reise in die Äquinoktial-Gegenden des Neuen Kontinents. Hrsg. v. Ottmar Ette. Mit Anmerkungen zum Text, einem Nachwort und zahlreichen zeitgenössischen Abbildungen sowie einem farbigen Bildteil. Bd. 1. Frankfurt am Main und Leipzig 1991, S. 118.

[5] Sofsky, Günter: Vom Provinzbahnhof zum Künstlerzentrum. In: Lebendiges Rheinland-Pfalz 11 (1974) 5, S. 114-119, hier S. 115. Für den Hinweis auf diese Publikation danke ich Astrid von Asten, ARP Museum Bahnhof Rolandseck.

[6] Buckeley, Joseph: Weiden (Oberpfalz) und Umgebung. Illustrierter Führer. Weiden 1916, S. 31. Für den Hinweis auf diese Publikation danke ich Bernhard M. Baron, Weiden i.d.OPf.

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Letzte Aktualisierung: 29 April 2006 | Kraft

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