Medieninformation der Universität Potsdam

Nr.: 302/10 vom 18.11.2010

Erstmals ERC Starting Grant für Universität Potsdam

Prof. Dr. Michael Lenhard erhält 1,5 Millionen Euro für seine genetischen Forschungen

Michael Lenhard, Professor für Genetik an der Universität Potsdam, ist Preisträger des renommierten ERC Starting Grant. Als erstem Wissenschaftler der Universität Potsdam hat ihm der Europäische Forschungsrat (ERC) eine Fördersumme von rund 1,5 Millionen Euro für einen Zeitraum von fünf Jahren vom 1. Dezember 2010 an bewilligt. Mit der Auszeichnung werden international herausragende Forscherinnen und Forscher gewürdigt.

An der Universität Potsdam beschäftigt sich Michael Lenhard damit, wie Gene die Größen von Blättern, Blüten und Samen steuern und wie diese Steuerung im Verlauf der Evolution modifiziert wird, um zum Beispiel aus großen Blüten kleine zu machen. Mit der Auszeichnung wird er nun eine Forschergruppe zusammenstellen und diese Forschungen fortführen.
"Die Bienchen und die Blümchen" sind ein stehender Ausdruck für geschlechtliche Fortpflanzung. Dies spiegelt die Tatsache wider, dass bei den meisten Pflanzenarten Fortpflanzung nur möglich ist, wenn durch Tiere Pollen von einem Individuum auf die Blüte eines anderen Individuums übertragen werden. Daher bilden diese Arten möglichst attraktive Blüten, die durch ihre Größe, Farbe, Duft und Nektar bestimmte Tiere als Bestäuber anlocken. Im Laufe der Evolution ist die Notwendigkeit zur Fremdbestäubung jedoch immer wieder verlorengegangen. So entstanden Arten, die sich durch Selbstbestäubung fortpflanzen können. In fast allen Fällen hat dieser Übergang zu einer starken Verkleinerung der Blüten und zu geringerer Duft- und Nektarproduktion geführt. Allerdings ist unklar, durch welche genetischen Veränderungen die Blüten so ihre Attraktivität für Bestäuber verloren. Diese Frage zu beantworten, ist das Ziel des vom ERC geförderten Projektes. Dabei werden zwei sehr nahe verwandte Arten aus der Gattung des Hirtentäschelkrauts (Capsella) benutzt. Die fremdbestäubte Art bildet große, duftende Blüten, während die selbstbestäubende Art deutlich kleinere Blüten ohne Duft zeigt. Langfristig werden die Wissenschaftler durch diese Studien die Frage beantworten, ob es für die Evolution nur eine "Hauptstraße" gibt, und alle Fälle der beschriebenen Blütenverkleinerung auf Mutationen in denselben Genen beruhen, oder ob der Evolution eine Vielzahl verschiedener Wege offen stehen, um aus großen Blüten kleine zu machen. In praktischer Hinsicht könnten die Erkenntnisse zum Beispiel genutzt werden, um Blüten von Zierpflanzen größer und damit auch für den Menschen attraktiver zu machen.
Michael Lenhard studierte Biologie in München und Oxford, mit Hauptinteressen auf den Gebieten der Genetik und Entwicklungsbiologie. Er promovierte 2001 in Tübingen zu den Mechanismen der Stammzellregulation am Sprosswachstumspunkt von Pflanzen. Nach einer Zeit als Postdoktorand an der Universität Freiburg i. Br. baute er dort von 2003 bis 2006 eine Nachwuchsgruppe zur Größenkontrolle bei Pflanzen auf. Mit einem David Phillips Fellowship des Biotechnology and Biological Sciences Research Council leitete er von 2007 bis 2010 eine Forschungsgruppe am John Innes Centre in Norwich (UK).

Hinweis an die Redaktionen:

Kontakt: Prof. Dr. Michael Lenhard, Institut für Biochemie und Biologie, Telefon: 0331/977-5580, E-Mail: michael.lenhard@uni-potsdam.de

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