Medieninformation der Universität Potsdam

Nr.: 289/10 vom 09.11.2010

Gastwissenschaftlerin der Uni Potsdam erhält Kovalevskaja-Preis

Biologin kann mit Preisgeld der Alexander von Humboldt-Stiftung von bis zu 1,65 Millionen Euro forschen

Am 9. November 2010 erhält Dr. Isabel Bäurle, Gastwissenschaftlerin an der Universität Potsdam, den Sofja Kovalevskaja-Preis der Alexander von Humboldt-Stiftung. Die Auszeichnung wird von Bundesforschungsministerin Prof. Dr. Annette Schavan am Abend in Berlin überreicht. Isabel Bäurle sowie 16 weitere Nachwuchsforscherinnen und -forscher erhalten jeweils bis zu 1,65 Millionen Euro Preisgeld, um damit fünf Jahre lang ohne administrative Zwänge an einem selbst gewählten Forschungsinstitut in Deutschland arbeiten und eine eigene Nachwuchsforschergruppe aufbauen zu können.

Isabel Bäurle wird am Institut für Biochemie und Biologie der Universität Potsdam zum molekularen Gedächtnis von Pflanzen forschen. Negative Umwelteinflüsse verursachen bei Pflanzen Stress und führen so zu Ernteausfällen - ein Problem, das wahrscheinlich durch den Klimawandel noch verschärft wird. Die unmittelbare Reaktion von Pflanzen auf solche Einflüsse ist bereits gut erforscht, nicht aber die Anpassung an anhaltenden oder immer wiederkehrenden Stress, obwohl sie in der Natur von großer Bedeutung ist. Pflanzen "erinnern" sich durchaus an Stresssituationen und reagieren, wenn sich solche Situationen wiederholen. Diese "Erinnerungen" können sogar vererbt werden, ohne dass sich die genetische Sequenz ändert. Biologen sprechen von epigenetischen Veränderungen. Die zugrunde liegenden Mechanismen des pflanzlichen Erinnerungsvermögens für Stress sind noch weitgehend unbekannt. Isabel Bäurle will an der Ackerschmalwand (Arabidopsis) zeigen, wie Pflanzen auf molekularer Ebene Umwelteinflüsse wie z. B. Hitze speichern und wie sie überhaupt ohne Nervensystem ein zelluläres Gedächtnis entwickeln. Sie erforscht, wie sich dieses Gedächtnis während der Evolution verändert, um Pflanzen anpassungsfähig für verschiedene Lebensräume zu machen. Die erhofften Einsichten könnten neue Ansätze für die Optimierung von Erträgen liefern und sind damit auch von wirtschaftlicher Bedeutung.

"Für die Universität Potsdam habe ich mich entschieden, weil es mich gereizt hat, an eine junge und dynamische Uni zu gehen; das wissenschaftliche Umfeld in Potsdam und Berlin darüber hinaus ist exzellent. So passt sich mein Projekt sehr gut in den Profilbereich Pflanzengenomforschung und Systembiologie der Universität ein und das Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie sowie die Freie Universität und die Humboldt-Universität zu Berlin bieten weitere Kooperationsmöglichkeiten", erklärt Isabel Bäurle.

"Isabel Bäurle stärkt die Pflanzenforschung am Standort durch den Focus auf epigenetische Phänomene. Dies ermöglicht es umfassender als bisher, die Möglichkeiten von Pflanzen, auf Umweltstress zu reagieren, zu analysieren", sagt ihr Gastgeber an der Universität, Prof. Dr. Bernd Müller-Röber.

Die Auszeichnung ist einer der höchstdotierten Wissenschaftspreise Deutschlands und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert. Die Forschertalente erhalten durch den Preis in einer außergewöhnlich frühen Karrierephase Risikokapital für innovative Projekte und damit die Chance, eigenständig zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen.

Hinweis an die Redaktionen:

Kontakt: Dr. Isabel Bäurle, Universität Potsdam, Telefon: 0331/977-2812, E-Mail: isabel.baeurle@uni-potsdam.de

Weitere Informationen im Internet: http://www.humboldt-foundation.de/web/skp-2010.html

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