Medieninformation der Universität Potsdam

Nr.: 170/10 vom 21.06.2010

Sensationsfund: Verschollene Sanskrit-Grammatik entdeckt

Humboldt-Stipendiat des Romanistischen Instituts der Universität Potsdam fand die verloren geglaubte "Grammatica Grandonica" in Italien

Eine verschwundene Sanskrit-Grammatik aus dem 18. Jahrhundert wurde im Rahmen eines an der Universität Potsdam durchgeführten Forschungsprojekts aufgespürt. Die Schrift des Jesuitenmissionars Johann Ernst Hanxleden ist nun von ihrem Entdecker, Dr. Toon Van Hal, präsentiert worden.

In das Karmeliterkloster von Montecompatri nahe Roms hat den belgischen Sprachwissenschaftler Dr. Toon Van Hal die Spur einer Schrift geführt, die seit langem verschollen war: "Grammatica Grandonica" lautet der Name des Manuskripts, das als einer der frühesten sprachwissenschaftlichen Texte im Westen zum Sanskrit gilt. Sanskrit, das verschiedene Formen des Alt-Indischen zusammenfasst, bezeichnet einen der ältesten Zweige der indogermanischen Sprachfamilie. Daher dient es Sprachwissenschaftlern seit den Anfängen der Linguistik als Grundlage sprachhistorischer Untersuchungen der europäischen Sprachen.

Im Rahmen eines von Prof. Dr. Gerda Haßler am Potsdamer Institut für Romanistik durchgeführten Forschungsprojekts für ein Archiv zur Linguistik der Renaissance (RLA) konnte der damalige Humboldt-Stipendiat Toon van Hal den Verbleib der "Grammatica Grandonica" aufklären. Diese war im 18. Jahrhundert von dem deutschen Jesuiten Johann Ernst Hanxleben verfasst worden, der als Missionar im indischen Kerala gewirkt und von einheimischen Brahmanen das Sanskrit erlernt hatte.

Von der Untersuchung des wiederentdeckten Textes erwarten Sprachwissenschaftler Erkenntnisse sowohl über die frühe europäische Sprachwissenschaft als auch über die - durch Hanxleben dokumentierte - zeitgenössische indische "Grammatikografie" des Sanskrits. Der derzeit in Leuven tätige Entdecker der Schrift, van Haal, wird im Juli 2010 nach Potsdam zurückkehren, um gemeinsam mit den Potsdamer Romanisten das digitale RLA zu einer Online-Plattform auszubauen und ein Projekt zur Diversität der Sprachen in der Renaissance zu beginnen.

Hinweis an die Redaktionen:

Kontakt: Prof. Dr. Gerda Haßler, Institut für Romanistik, Telefon: 0331-977-4114, E-Mail: hassler@uni-potsdam.de

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