Medieninformation der Universität Potsdam

Nr.: 213/07 vom 19.10.2007

Eine Reise in das Innere des Protons

Sonntagsvorlesung am 28. Oktober 2007 im Potsdamer Alten Rathaus

Am 28. Oktober wird die Reihe "Potsdamer Köpfe" im Alten Rathaus Potsdam fortgesetzt. In seinem Vortrag "Eine Reise tief in das Innere des Protons - Mikroskopie von Elementarteilchen" berichtet Privatdozent Dr. habil. Johannes Blümlein vom Deutschen Elektronen-Synchrotron DESY in Zeuthen über die kleinsten bisher im Mikrokosmos untersuchten Strukturen.

Seit etwa 100 Jahren werden Atome und ihre Bausteine mit immer kurzwelligerer Licht- und Materieteilchen-Strahlung untersucht. Auf diesem Wege wurden drei weitere wesentliche Stufen der Zusammensetzung von Atomen entdeckt. 1911 fand Ernest Rutherford den Atomkern, in den 1930er Jahren wurde die Kernstruktur sichtbar und seit den 1970er Jahren kann man mit einigen wenigen riesigen Nukleonen-Mikroskopen, die weltweit gebaut worden sind, in das Innere der Kernbausteine vordringen. Das größte dieser Mikroskope ist die Hadron-Elektron Ring-Anlage HERA bei DESY in Hamburg. Die Bausteine der Nukleonen verhalten sich in vieler Hinsicht konträr zu anderen Elementarteilchen und besitzen eine Vielzahl neuer Eigenschaften. Eines der Teilchen, das Gluon, wurde 1979 erstmals bei DESY direkt nachgewiesen. Zwei wichtige Entdeckungen bei HERA betreffen eine neue Phase des Nukleons bei sehr hohen Energien, die zukünftig am Large Hadron Collider LHC am CERN in Genf weiter untersucht wird. Nukleonen in sehr starken Magnetfeldern zeigten vor 20 Jahren in Experimenten am CERN rätselhafte Eigenschaften, die mit HERA besser verstanden werden konnten. Die Untersuchungen an HERA haben neben den neuen Erkenntnissen zum Aufbau des Nukleons auch zu einem besseren Verständnis der Fundamentalkräfte des Universums geführt. Theoretische Vorhersagen über die Natur der starken Kraft (Physik Nobelpreis 2004) konnten mit hoher Genauigkeit bestätigt werden. Wichtige Fortschritte in der Physik ultrakleiner Materiestrukturen konnten durch eine starke Symbiose zwischen modernsten Experimentalmethoden, neuen Methoden in der Theoretischen Physik und der modernen Mathematik erreicht werden.

Johannes Blümlein studierte Physik an der Universität Greifswald und promovierte 1983 über Leitfähigkeitstheorie nicht-idealer Quanten-Plasmen. Seit 1982 arbeitet er auf dem Gebiet der Elementarteilchenphysik. 2005 habilitierte er sich über die Theorie der Tief-inelastischen Lepton-Nukleon Streuung bei hohen Energien an der Universität Dortmund. Johannes Blümlein hält regelmäßig Vorlesungen zur Quantenfeldtheorie und Elementarteilchen-Physik an der Universität Potsdam und Spezialvorlesungen an der Universität Dortmund.

Hinweis an die Redaktionen:

Zeit der Vorlesung: Sonntag, 28. Oktober 2007, 11.00 Uhr
Ort der Vorlesung: Altes Rathaus - Potsdam Forum, Am Alten Markt, 14467 Potsdam

Für weitere Informationen steht Ihnen PD Dr. Johannes Blümlein vom Deutschen Elektronen-Synchrotron DESY in Zeuthen telefonisch unter 033762/77311, E-Mail: Johannes.Bluemlein@desy.de zur Verfügung.

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