159/99 vom 18.10.1999

Neuer Glanz für die Kronleuchter Schloß "Sans Souci" 

Potsdamer Mineraloge enträtselt Herkunft der Bergkristalle in den königlichen Schlössern

Dank des Potsdamer Mineralogen um Prof. Roland Oberhänsli von der Universität Potsdam und der Detektivarbeit seiner Baseler Kollegen können Kronleuchter aus den preußischen Schlössern von Friedrich II nun originalgetreu vervollständigt werden. Denn nicht alles, was bisher unter der Decke der alten Säle funkelte, war echt. So mancher schöne Stein war statt aus Quarz, aus Glas. Doch aus welchem Quarz? Die meisten Quarze unterscheiden sich zwar in Farbe und Transparenz kaum. Aber unter der Lupe sieht man, daß die Einschlüsse in den Quarzen unterschiedlich sind. Wie bei einem Fingerabdruck formen die geologischen Verhältnisse in jeder Quarz-Mine ihre eigenen, typischen Einschlüsse von Flüssigkeiten und Gasen.
Nach langer Detektivarbeit fand Oberhänsli heraus: Der Quarz für den brillanten und überaus transparenten Behang der prachtvollen Leuchter, die Friedrich II zwischen 1746 und 1771 in Paris für seine preußischen Schlösser kaufte, kommt aus einem kleinen Gebiet am Südrand des Aarmassives in den Schweizer Zentralalpen. Die Einschlüsse im Quarz zeigen, unter welchen geologischen Bedingungen sich diese Mineralien gebildet hatten. Die Zuordnung ergab eindeutig: Die königlichen Quarze stammen aus den Klüften Hegdorn und Wasenhorn im östlichen Wallis, der Kluft am Zinggenstock im Grimselgebiet, auf der Göscheneralp und aus dem Klüften Sandbalm und Urschlaui im oberen Reusstal in den schweizer Zentralalpen.
Nun wollen die Restauratoren neues Quarzrohmaterial aus exakt den gleichen Klüften beziehen. Für Historiker ergeben sich außerdem neue Hinweise auf die Wege des Quarzhandels zwischen der Schweiz, Mailand und Paris. Der meisterhaft geschliffene Quarzbehang für den Preussenkönig zeichnete sich durch besondere Transparenz und Leuchtkraft aus und stammte aus Mailand. Daß das Rohmaterial dazu aus den Schweizer Zentralalpen kam, war aus Archiven bekannt, nicht jedoch aus welchen Klüften. Neben dem Institut für Geowissenschaften der Universität Potsdam beteiligten sich an dieser Untersuchung die Museologin Frau Klappenbach von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg und Herr Dr. Mullis vom Mineralogisch-Petrographischen Institut in Basel.

Hinweis an die Redaktionen:
Weitere Informationen erteilt Ihnen gerne Prof. Dr. Roland Oberhänsli, Institut für Geowissenschaften der Universität Potsdam, Tel.: 0331/977-2047, Fax: 0331/977-2087, E-Mail: roob@geo.uni-potsdam.de

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[ Letzte Aktualisierung 19.10.99 Habecker]