Wissenschaft Aktuell - Projekte an der Universität Potsdam


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13.04.1999

Wissenschaft Aktuell - Projekte an der Universität Potsdam

Fit im Alter

Alter ist keine Entschuldigung für Inaktivität, betonten Fachleute kürzlich auf einer Fortbildungsveranstaltung zum Thema "Sportliche Belastbarkeit im Alter und Kinesiologische Untersuchungen", die die Universität Potsdam gemeinsam mit dem Landesverband Brandenburg der Gesellschaft für Sportmedizin e.V. durchführte. Dem drohenden Einrosten müsse vor allem rechtzeitig Einhalt geboten werden, sagte Prof. Dr. Gernot Badtke aus dem Institut für Sportmedizin und Prävention der Universität Potsdam. Dabei komme es bei älteren Menschen weniger auf sportliche Spitzenleistungen an als vielmehr auf eine kontinuierliche und angemessene Bewegung. Empfehlen kann der Sportmediziner Badtke vor allem Radfahren, Schwimmen, schnelles Gehen oder Skilanglauf. Von Schnellkraftdisziplinen rät er hingegen dringend ab: "Das macht das Gewebe nicht mehr mit." Feste Formeln für die Dosierung sportlicher Anstrengungen gibt es allerdings nicht: Über die Belastbarkeit und Fitness entscheidet weniger die Anzahl der Lebensjahre als vielmehr der Gesundheitsstatus, die Trainingserfahrung, der Körperbau und das Gewicht.

Weitere Auskunft erteilt Ihnen Prof. Dr. Gernot Badtke, Institut für Sportmedizin und Prävention der Universität Potsdam, Tel.: 0331/977-1764, Fax: 0331/977-1296.

Geistige Leistungen im Alter

Mit Kopfrechenaufgaben haben Kognitionswissenschaftler um Prof. Dr. Reinhold Kliegl an der Universität Potsdam demonstriert, daß sich im Alter nicht die gesamte Leistungsfähigkeit des Gehirns verschlechtert, sondern vor allem das Arbeitsgedächtnis betroffen ist. Als Versuchsteilnehmer stellten sich junge Studierende und rüstige ältere Erwachsene ab 65 Jahren zur Verfügung. Sie sollten Zahlen zwischen eins und neun im Kopf addieren oder subtrahieren. Bei einigen Aufgaben galt es zunächst, Klammern aufzulösen. Das überraschende Ergebnis der Untersuchung: Die ungeklammerten Aufgaben lösten die älteren Teilnehmer so gut wie die Jüngeren. Bei den geklammerten Rechenaufgaben erreichten die älteren Versuchsteilnehmer dagegen nicht mehr die gleiche Genauigkeit. Während die Operationen bei den ungeklammerten Aufgaben einfach der Reihe nach erledigt werden, müssen bei den geklammerten Aufgaben zunächst verschiedene Zwischenergebnisse im Arbeitsgedächtnis behalten werden. Erst dann kann mit diesen weitergerechnet werden. Dieses Behalten von Zwischenergebnissen im Arbeitsgedächtnis ist jedoch für Ältere schwieriger. Kliegl beschäftigt sich jedoch nicht nur mit dem Abbau der geistigen Fähigkeiten im Alter, sondern auch mit Strategien dagegen. So zeigen Untersuchungen von älteren Schachspielern, daß diese weniger Züge gründlich durchdenken als ihre jüngeren Kollegen. Aus der Vielzahl der Züge wählen sie jedoch zielsicher diejenigen aus, die tatsächlich der Mühe wert sind. Eine solche Strategie, die die Erfahrung nutzt, wenden wahrscheinlich viele ältere Menschen unbewußt an, ob beim Autofahren, beim Lesen oder bei anderen Tätigkeiten. Teilnehmer gesucht: Rüstige ältere Erwachsene (ab 65 Jahre), die an solchen Untersuchungen gegen ein kleines Entgelt teilnehmen möchten, können sich bei Petra Grüttner in der Potsdamer Forschungsstelle des Instituts für Psychologie in der Gutenbergstr. 67 melden (Tel.: 0331/2755080, Fax: 0331/2755057).

Für weitere Informationen steht Ihnen Prof. Dr. Reinhold Kliegl, Institut für Psychologie der Universität Potsdam, gerne zur Verfügung, Tel.: 0331/977-2869, Fax: 0331/977-2793; e-mail: kliegl@rz.uni-potsdam.de.

Wie sprechen die Brandenburger?

Wie im gesamten deutschen Sprachraum ist auch in Brandenburg die Zahl der Dialektsprecher in den letzten 100 Jahren stark zurückgegangen. Doch Reste der alten Mundarten sind heute noch vorhanden. In einer landesweiten Erhebung hat eine Forschungsgruppe des Instituts für Germanistik der Universität Potsdam unter Leitung von Prof. Dr. Joachim Gessinger über 1.000 Personen über ihren Sprachgebrauch befragt. Im Land Brandenburg ist für die alltägliche Kommunikation eine stark berlinisch geprägte regionale Umgangssprache besonders wichtig. Die verwendete Sprache hängt insbesondere mit der Situation, dem Alter, der Bildung und dem Sozialstatus der Sprecherinnen bzw. Sprecher zusammen. Vor allem die Jüngeren können als Träger des Berlinischen in Brandenburg identifiziert werden. Plattdeutsch dagegen wird fast nur noch von der älteren Generation auf dem Land in privaten Situationen verwendet. Eine ausführliche Darstellung der Untersuchungsergebnisse mit vielen Karten und Diagrammen findet sich im Internet auf den WWW-Seiten des Instituts für Germanistik: http://www.uni-potsdam/u/germanistik/ls_dia/umfrage/index.htm. Wer über einen Computer mit moderner Ausstattung verfügt (Sound-Karte und Lautsprecher), kann hier auch Hörproben einzelner brandenburgischer Mundarten abrufen. Für weitere Informationen können Sie sich an Dr. Christian Fischer aus dem Institut für Germanistik der Univeristät Potsdam wenden, Tel.: 0331/977-2139 oder -2202, Fax: 0331/977-2616, e-mail: cfischer@rz.uni-potsdam.de.

Verwaltungsreform in Rußland

Der Jurist Prof. Dr. Dieter C. Umbach, der an der Potsdamer Universität die Professur für Verwaltungsrecht innehat, wird sich im Rahmen des Tacis-Projekts der Europäischen Gemeinschaft mit der Verwaltungsreform in Rußland beschäftigen. Das Rechercheprojekt, das von der EU mit einem Budget von zwei Millionen ECU ausgestattet ist, war international ausgeschrieben und ging trotz renommierter Mitbewerber an die Potsdamer Wissenschaftler. Diese wollen nun die Langzeitperspektiven sämtlicher Funktionen der russischen Verwaltung beleuchten und einen Entwurf für ein russisches Verwaltungsverfahrensgesetz erarbeiten, der die Etablierung eines funktionsfähigen Rechtsstaates unterstützt. Auch Methoden des New Public Managements sollen auf ihre Tauglichkeit für das Partnerland untersucht werden. Des weiteren wird sich das Projekt mit der Weiterbildung von Multiplikatoren in der russischen Verwaltung beschäftigen.

Weitere Informationen erteilt Ihnen Prof. Dr. Dieter C. Umbach, Juristische Fakultät der Universität Potsdam, Tel.: 0331/977-3226, Fax: 0331/977-3310, e-mail: umbach@rz.uni-potsdam.de. Ausführliche Berichte zu diesen Themen erscheinen in der nächsten Ausgabe der PUTZ am 20. April und können gerne vorab von der Pressestelle angefordert werden. Der Abdruck ist gegen Zusendung eines Belegexemplars kostenfrei.


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[ Letzte Aktualisierung 13.04.99 Jens Habecker]