Wissenschaft Aktuell - Projekte an der Universität Potsdam


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25.01.1999

Wissenschaft Aktuell - Projekte an der Universität Potsdam

Ackerbodenverluste im Nordwesten der USA
Ohne Bäume, Hecken und Sträucher erstrecken sich die Felder im Nordwesten der USA bis zum Horizont. Nichts schützt die maschinengerechten und intensiv genutzten Ackerflächen vor Bodenerosion: Wind und Regen tragen die wertvolle Oberschicht des Bodens fort. Langfristig bedroht dieser Prozeß die Existenz vieler Farmer. Um das Ausmaß der Bodenerosion zu ermitteln, hat im vergangenen Herbst der Geoökologe Prof. Dr. Hans-Rudolf Bork mit einer Gruppe von Studierenden in den nordwestlichen Bundesstaaten Oregon und Washington Bodenaufschlüsse untersucht und die landwirtschaftliche Vergangenheit anhand von Bodenfunden und historischen Quellen dokumentiert.
Besonderes Augenmerk galt dabei der Suche nach datierbarem Material im Bodenprofil. In 30 bis 40 Zentimetern Tiefe fanden sich in den Tälern beispielsweise die Aschen des Mount St. Helens-Ausbruchs vom 18. Mai 1980. Am Rand eines Feldes bargen die Teilnehmer auch einen metertief unter der Erde vergrabenen alten Pflug. Wie sich ein alter Farmer erinnern konnte, wurde das Gerät um 1940 dort stehengelassen. Nun ließ sich unter Einbeziehung von Geländevermessungen berechnen, wieviel Boden seither verlagert wurde. An diesen Standorten ergab sich die enorme Menge von über 150 Tonnen Boden pro Hektar und Jahr.
Weitere Informationen bei Prof. Dr. Hans-Rudolf Bork, Institut für Geoökologie, Universität Potsdam, Tel.: 0331/977-2110 oder -2921, Fax: 0331/977-2068, E-Mail: bork@zalf.de.

Gußfehler im Motorblock


Konturtomographie hilft bei der Werkstoffprüfung

Weil die dreidimensionale Computertomographie, wie sie für medizinische Untersuchungen entwickelt wurde, zu teuer für die Materialprüfung ist, hat der Potsdamer Mathematikprofessor Dr. Peter Maaß eine "schlankere" Version für die Industrie entwickelt: Mit seinem mathematischen Verfahren wird sichtbar, ob die Konturen im Inneren des Werkstücks Defekte aufweisen. So werden Risse, Sprünge oder andere Gußfehler nachgewiesen, wofür nur ein Bruchteil von Zeit und Aufwand notwendig ist.
Zusammen mit Dr. Hartmut Schachtzabel, ebenfalls Mathematiker an der Uni Potsdam, hat Maaß die Firma WiSenT GmbH gegründet, die inzwischen auch einen Prototyp eines Konturtomographen gebaut hat. Die ersten Feuerproben an einem Motorblock des Modells BOXSTER von Porsche hat das Gerät bereits bestanden. Während sich Patienten für mindestens zehn Minuten durchstrahlen lassen müssen, gibt es vom Motorblock schon nach 30 Sekunden ordentliche Bilder.
Zur Zeit wird bei Porsche noch jeder hundertste Motorblock zur Kontrolle aufgesägt, um Gußfehler zu entdecken. Dabei wird dieser Motorblock allerdings zerstört. Mit der Konturtomographie könnte dagegen jeder einzelne Motorblock überprüft werden, ohne Schaden zu nehmen. Mit der neuen Methode ließen sich hochwertige Werkstücke sozusagen am laufenden Band auf Herz und Nieren prüfen, bevor sie in die teure Weiterverarbeitung gehen.
Weitere Auskunft erteilt Ihnen gerne Prof. Dr. Peter Maaß, Institut für Numerische Mathematik, Universität Potsdam, Tel.: 0331/977-1663, Fax: 0331/977-, 1578, E-Mail: maass@rz.uni-potsdam.de,
Internet: http://www.uni-potsdam.de/u/mathe/numerik

Die übervorsichtigen Kinder


Entwicklung von Kindern mit Down-Syndrom

In einer Längsschnittstudie hat die Potsdamer Entwicklungspsychologin Prof. Dr. Hellgard Rauh dreißig Kleinkinder mit Down-Syndrom aus Berlin über zehn Jahre lang begleitet. Die Down-Syndrom-Kinder entwickeln sich wie normale Kinder - nur wesentlich langsamer. So machen sie die Trotzphase zum Teil erst mit drei oder vier Jahren durch und verharren auch länger in diesem Verhalten.
"Die meisten Kinder mit Down-Syndrom verhalten sich ein bißchen so wie alte Menschen", meint Hellgard Rauh. Während gesunde Kinder gerne an und sogar über ihre Leistungsgrenzen gehen, scheuen viele Kinder mit Down-Syndrom eine Herausforderung. Das ist angesichts ihrer geringeren körperlichen Robustheit auch durchaus verständlich. Andererseits bestehe aber die Gefahr, daß solche Kinder zu wenig Entwicklungsfortschritte machen, weil sie immer deutlich unterhalb ihrer Leistungsgrenzen blieben, erklärt Hellgard Rauh. Es geht also darum, sie aus ihrer Reserve herauszulocken, ohne sie zu überfordern. Denn fühlen sie sich der Situation nicht gewachsen, reagieren sie mit Angst, demonstrativer Hilflosigkeit oder Ausweichmanövern.
Auch die Psyche scheint etwas labiler zu sein, und die Anfälligkeit gegen kleine Fehler in der Erziehung, die einem gesunden Kind meist wenig schaden, ist erhöht. Sie bedürfen also einer ganz besonders guten und stützenden Erziehung. "Die meisten Eltern machen das in der Regel mit viel Phantasie und Begabung", sagt Hellgard Rauh anerkennend.
Für weitere Informationen können Sie sich gerne an Prof. Dr. Hellgard Rauh wenden, Institut für Psychologie, Universität Potsdam, Tel.: 0331/977-2862, Fax: 0331/977-2860, E-Mail: rauh@rz.uni-potsdam.de.

Zu allen hier vorgestellten Forschungsprojekten stellen wir Ihnen gern auch ausführliche Berichte zur Verfügung. Diese erscheinen auch Ende Januar in der nächsten Ausgabe der Potsdamer Universitätszeitung PUTZ. Der Abdruck ist gegen Zusendung eines Belegexemplars kostenfrei.

 


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[ Letzte Aktualisierung 25.01.99 Jens Habecker ]