Kolloquium Mi. 11.07.2018

Ort: FH Potsdam, Theaterwerkstatt
Kiepenheuerallee 5, 14469 Potsdam
Zeit: 18:00–19:30

18:00 PD Dr. rer. nat. David Buttelmann (Institut für Psychologie . Universität Bern):
Theory of Mind in Transition: Neuere Methoden erfordern erweitertes Verständnis

Menschen richten ihr Handeln nicht an der Realität aus, sondern an ihrer Repräsentation der Realität, d.h. sie handeln gemäß ihren „Beliefs“ (Überzeugungen). Beliefs zu verstehen spielt deshalb eine entscheidende Rolle, wenn man erfolgreich interagieren möchte. Obwohl es bereits eine beachtenswerte Menge an Forschungsarbeiten zu diesem Themenbereich gibt, ist die Natur der zugrundeliegenden Mechanismen noch weitestgehend ungeklärt. Ich postuliere, dass Menschen schon früh in ihrer Individualentwicklung spontan die Beliefs von anderen erfassen können. Diese Annahme fußt auf dem Befund, dass Kleinstkinder die Beliefs von anderen mit einbeziehen, wenn sie ihr eigenes Verhalten regulieren. Ich werde Daten präsentieren, die darauf hinweisen, dass nicht nur Menschen, sondern auch ihre engsten Verwandten, die Menschenaffen, diese Fähigkeit besitzen. Ebenso werde ich erstmals Belege vorstellen, die dafür sprechen, dass auch Kinder innerhalb des Autismusspektrums spontan Beliefs erfassen. Ein weiterer Fokus meines Vortrags sind ältere Menschen. Frühere Studien haben behauptet, dass das Verstehen von Beliefs im Alter nachlässt. Ich werde zeigen, dass bisherige Belege für diese These aufgabenbezogen sind und dass es kein entsprechendes Defizit im späten Erwachsenenalter gibt.