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Unterwegs in Nigeria – 15. Oktober 2017

Studierende der Anglistik und Amerikanistik auf Exkursion nach Ibadan

Foto: Unterwegs mit unseren Securitymännern. Foto: Valerie Pobloth/Isabel Dückert.

15. Oktober – Osogbo

Die Nacht haben wir im Nike Gasthaus am Rande der Stadt Osogbo verbracht. Dessen Inhaberin ist die sympathische Künstlerin Nike, die wir in der vergangenen Woche in der Galerie in Lagos kennengelernt haben. Wir sind so froh, nun hier sein zu dürfen, auch weil das Gasthaus verglichen mit unserer Unterkunft in der Uni ein echtes Upgrade bedeutet. Das Frühstückbuffet wird im wunderschönen Garten serviert – und zur Unterhaltung bringt uns das Hotelpersonal zwei riesige Schildkröten. Wer jetzt vielleicht denkt, Schildkröten, diese gähnend langsamen, langweiligen Tiere, seien nicht unterhaltsam, der irrt. Zumindest wir verdanken ihnen einen unvergesslichen Moment. Eine der beiden Schildkröten fühlt sich von einem Security-Mann, der mit dem Lauf seines Gewehrs auf ihren Kopf zielt, anscheinend gestört. Kurzerhand lässt sie ihren Ärger an dem Büfett aus: Innerhalb von Sekunden hat sie den Tisch erfasst und stürzt ihn mitsamt aller Gerichte um. Die Security-Leute können ihren Augen kaum trauen, stehen ziemlich hilflos daneben und wirken etwas lächerlich mit ihren in ihren Militäruniformen und Gewehren. Wir interpretieren die Aktion kurzerhand als Rache der Schildkröte und schmunzeln in uns hinein. Fazit: Unterschätzt nie die Kraft einer Schildkröte!

Erholt von der kleinen Attacke fahren wir in Richtung des 2500 Quadratkilometer großen Old Oyo Nationalparks, in dem wir hoffen, nigerianischen Wildtieren ein Stück näher zu kommen. Hunderte von Vogelarten, Affen, Antilopen, Elefanten, Büffel und vieles mehr soll es dort zu sehen geben. Leider haben wir die lokalen Straßenverhältnisse erheblich unterschätzt: Für eine Entfernung, von der wir dachten, sie innerhalb einer Stunde zurücklegen zu können, brauchen wir die dreifache Zeit. Bis wir beim Park ankommen, wäre es dann schon dunkel. So entschließen wir uns, vorerst nur zum Oyo Park Office zu fahren. Hier erklärt uns der Parkranger, dass das Ende der Regenzeit, in der wir uns gerade befinden, eine schlechte Zeit ist, um den Park zu besuchen: Der Dschungel ist einfach zu dicht, um Tiere zu sichten. Dazu kommt, dass seit einigen Jahren viele Wilderer im Park ihr Unwesen treiben, worunter die Tierwelt stark leidet. Nigeria ist bei Touristen nicht so beliebt wie Kenia, Tansania oder Südafrika und kann es sich schlicht und einfach nicht leisten, mehr in den Naturschutz zu investieren. Etwas enttäuscht begnügen wir uns mit ein paar eingezäunten Straußen und Landschildkröten, bevor wir den Rückweg antreten. Andererseits ist es nicht allzu schlimm, denn die Fahrt an sich ist auch schon ein Abenteuer. wir bewegen uns hauptsächlich auf kleineren Straßen durch verschlafene Dörfer, wobei die Fahrbahn streckenweise beschädigt oder schlicht nicht vorhanden ist. So etwas wie Autobahnen gibt es ohnehin kaum. Wir legen also unser ganzes Vertrauen in die Erfahrung des Busfahrers, der den Minibus gekonnt an allen Hindernissen vorbeimanövriert. An einer heikleren Stelle verdient er sich prompt ein Ständchen: Wir singen und klatschen „Ein Hoch auf unseren Busfahrer“, was die anwesenden Nigerianer mehr als amüsiert. Auch einer unserer Sicherheitsmänner trägt dazu bei, dass unsere Fahrt nicht langweilig wird: Er erweist sich als begabter Sänger, der seinem Idol Shaggy zum Verwechseln ähnlich klingt. So kommt es, dass wir uns im Laufe des Tages immer wieder gegenseitig dabei erwischen, wie wir dessen Hit „Angel“ vor uns hin summen.

Zurück in der Universität, sind wir am Abend zu Prof. Igboanusi und seiner Familie nach Hause eingeladen. Seine Frau und drei Töchter haben für uns ein wunderbares Abendessen vorbereitet. Das Büfett besteht aus uns bereits bekannten nigerianischen Speisen, ergänzt um leckeren Kohlsalat, Kürbisblätter, die wie Spinat schmecken, und Suya – kleinen Spießen aus Rindfleisch. Die Igboanusis kochen außerdem so umsichtig, dass sie die Schärfe der Speisen an unseren europäischen Geschmackssinn anpassen. Dadurch können sogar diejenigen unter uns, die Probleme mit dem sonst sehr scharfen hiesigen Essen haben, genussvoll schlemmen. Während des Essens kommen wir ein weiteres Mal auf die Vielseitigkeit des Lebens in Nigeria zu sprechen. Von Religion und Politik bis zu Korruption und Wissenschaft lassen wir kaum ein Thema aus.

Text: Sandra Hesse, Anna Korneva und Valerie Pobloth
Online gestellt: Alina Grünky
Kontakt zur Online-Redaktion: onlineredaktion@uni-potsdam.nomorespam.de

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