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Unterwegs in Nigeria – 13. Oktober 2017

Studierende der Anglistik und Amerikanistik auf Exkursion nach Ibadan
Im Museum of National Unity (MNU). Foto: Isabel Dückert/Valerie Pobloth.

Im Museum of National Unity (MNU). Foto: Isabel Dückert/Valerie Pobloth.

13. Oktober – Ibadan

Heute begeben wir uns auf die Spuren der Geschichte und Kultur Nigerias und besuchen dafür das Museum of National Unity (MNU) in Ibadan, das eine Reihe von wertvollen Artefakten zeigt. Es wurde 1973, drei Jahre nach dem Bürgerkrieg (1967–70), von der Regierung gegründet, um die Einheit der Nigerianer zu fördern. Nach einigen Schwierigkeiten wurde es im Zuge der Demokratisierungsbemühungen 2002 endlich eröffnet. Im Eingangsbereich sehen wir eine Skulptur, die diese Wiedervereinigung verkörpern soll. Sie besteht aus drei Köpfen, welche die drei Haupt-Ethnien Yorùbá, Hausa und Igbo repräsentieren.
Das Museum ist in vier Galerien eingeteilt: Neben einer Masken- und einer Tonwarengalerie gibt es eine Yorùbá- und eine Galerie der Einheit. Letztere zeigt zahlreiche traditionelle Musikinstrumente wie Trommeln, Gongs, Rasseln und Xylophone. Uns interessiert besonders eine kuriose zylinderförmige Trommel, „Joko-tofofo“ genannt. Sie ist mit einem hölzernen nackten Mann verziert und soll, wenn sie bei zeremoniellen Anlässen eingesetzt wird, Impotenz heilen. Eine andere rituelle Trommel kann, von einem Priester gespielt, angeblich älteren Frauen helfen, einen Ehemann zu finden. Wenn da nicht für jeden etwas dabei ist …
Weiter geht es in der Tonwarengalerie: Hier sind diverse Keramikgefäße in unterschiedlichen Formen und Größen ausgestellt, die nach häuslichen, industriellen, rituellen, medizinischen und zeremoniellen Anlässen, in denen sie zum Einsatz kommen, sortiert sind. Zwei sehr praktische Objekte, die uns ins Auge fallen, sind ein antiker Kühlschrank namens „Kula“ und ein durchlöcherter Topf namens „Ikoko“, der zum Frittieren und Sieben genutzt wurde. Die Ausstellungsstücke deuten darauf hin, dass diese Yorùbá-Handarbeiten schon vor 3.000 Jahren existierten. Die Kuratorin erklärt uns jedoch, dass der Bedarf an Tonwaren nach und nach abgenommen hat und sie heutzutage nur noch als Blumentöpfe oder dekorative Gegenstände verwendet werden.
In der Yorùbá-Galerie erfahren wir, dass der Kopf laut des „Ori Kults“ von den Yorùbás als wichtigstes Körperteil angesehen wird. Demzufolge hängt die Qualität des Lebens von der Qualität des Kopfes ab, der die Essenz einer Persönlichkeit ausmacht. Vielleicht erklärt dies, warum so viele Nigerianer um uns herum tagtäglich wunderschöne traditionelle Hüte tragen. Der Yorùbá-König darf sogar niemals ohne Kopfbedeckung gesehen werden. Ist er ohne seine Krone unterwegs, muss er seinen Kopf mit einem Hut bedecken. 
Am Ende der Tour angelangt, sind wir dankbar für die Einblicke in die Reichhaltigkeit der nigerianischen Kultur. Zugleich gibt uns der Zustand des Museums zu denken. Da der Strom ausgefallen und der Generator kaputt ist, gibt es noch nicht einmal Licht und wir können die ausgestellten Objekte nur im Schein unserer Taschenlampen betrachten. Ohnehin scheint das Museum nur wenige Besucher und schon gar nicht die Aufmerksamkeit zu erhalten, die es zweifellos verdient.

Text: Sandra Hesse, Anna Korneva und Valerie Pobloth
Online gestellt: Marieke Bäumer
Kontakt zur Online-Redaktion: onlineredaktion@uni-potsdam.nomorespam.de

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