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Unterwegs in Südafrika – Soweto, 3. Mai 2015, Tag 9

Anglistikstudierende untersuchen die Sprachenvielfalt des Landes
Seitdem wir aus dem Flugzeug gestiegen sind, haben wir dazugelernt, und so verärgern wir einige der Straßenhändler mit unseren inzwischen perfektionierten Handelskünsten. Foto: Diana Banmann

Foto: Diana Banmann

„Soweto, Soweto, welcome to Soweto.“ Die Tür unseres Shuttles ist noch nicht ganz offen und schon haben uns die Touristenfänger umkreist. Sie haben uns wahrscheinlich schon bei der Einfahrt in die Straße gesehen Eine afrikanische Tanztruppe bietet eine afrikanische Version eines bayerischen Schuhplattlers, im Lendenschurz statt Lederhosen. Zwei kleine Jungen in abgerissener Kleidung begrüßen uns mit dem Soweto-Song, begleitet von einem Beat, den sie auf ihrer Brust trommeln. Entkommen kann man nur mit einer Spende oder dem Versprechen einer solchen. 

8115 Orlando West – Mandelas altes Haus hat diesen Teil des riesigen Townships neben Johannesburg in eine mit Touristen überfüllte Einkaufsstraße verwandelt. Die Führung durch das Haus, in dem Mandela mit seiner Familie bis zu seiner Inhaftierung und kurz danach gelebt hat, ist kurz und man erfährt nur wenig wie: „Das war Mandelas Küche, dies sein Schlafzimmer.“ Der Tour-Guide sieht aus wie eine Mischung aus Harry Potter und Buddy Holly und ist nach eigenen Angaben ein Student, der freiwillig Dienst in Mandelas früherer Lebensstätte tut. Buddy Potter wirkt, als wolle er uns so schnell wie möglich los werden, um wieder in den Schatten eines Baumes zu verschwinden und dort auf die nächsten Touristen zu warten. Bis auf ein Einschussloch in der Frontmauer, das für jahrelange Übergriffe der Apartheid Polizei auf Mandela und seine Familie stehen soll, bietet das Museum kaum nennenswerte Informationen. Es ist vollgestopft mit Kopien von Briefen aus Mandelas Zeit in Haft, den wohl bekanntesten Fotografien Mandelas und so vielen Ehrendoktortiteln, dass es wirkt, als seien die Wände damit tapeziert worden. Zumindest sind die 20 Rand ermäßigter Eintritt nicht überteuert. Wieder draußen müssen einige von uns ihre Spenden-Versprechen einlösen. Einige der Jungen stehen bereits zum zweiten Mal Schlange.

Am Ende der völlig vermüllten Straße gibt es einen großartigen Ausblick auf das größte der südafrikanischen Townships. In einer „natural church“ predigt ein Geistlicher stimm- und wortgewaltig zu seiner kleinen Kongregation. Zwischen den Wellblechhütten und Backsteinbaracken sehen die eigens für die Fußball-WM gebauten Bus- und Zugstationen völlig fremd aus. Auch das riesige Stadion wirkt wie ein Gebäude, das eher zufällig als beabsichtigt zwischen die verkommen Hütten gestellt wurde. 

Verzweifelte Versuche von über-enthusiastischen Developern inmitten eines Meeres von Armut. Zwischen den überall angebotenen afrikanischen Schnitzereien und Kleidern ist die enge, stark abschüssige Straße verstopft von europäischen Luxuswagen. Hier lässt hier die Oberklasse ihre Wagen waschen, während sie einen Soweto-Burger verspeist. Vom Genuss des Street-Braais kann man getrost abraten, es sei denn man kaut gerne Knorpel. Seitdem wir aus dem Flugzeug gestiegen sind, haben wir dazugelernt, und so verärgern wir einige der Straßenhändler mit unseren inzwischen perfektionierten Handelskünsten. 

Nachdem wir uns mir Schlüsselanhängern, Hüten und afrikanischen Kleidern eingedeckt haben, versucht sich unser Fahrer noch an einer Rundfahrt durch das Township. Er fährt uns durch wechselweise mittelklassige Viertel und heruntergekommene Wellblechsiedlungen zur Universität und danach zu Südafrikas größtem Krankenhaus. In beiden dürfen wir weder fotografieren noch den Wagen verlassen, um uns umzuschauen. Erspart bleibt uns nur die – offenbar übliche – Durchsuchung unseres Busses nach Leichen auf dem Rückweg. Als wir Soweto verlassen, ist unsere Straßenseite verwaist, die hineinführenden Wege sind verstopft. Jene, die in Johannesburg arbeiten kehren zurück in ein Leben, auf das wir nur einen sehr kurzen Blick durch die Fenster unseres Autos erhaschen konnten. 

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Text: Julius Wolf
Online gestellt: Agnes Bressa
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