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Unterwegs in den Anden – 4. März 2019: Ein Wink des Himmels

Reisetagebuch: Doktoranden auf Exkursion in Nordwestargentinien
Quebreda de las Flechas. Foto: Gregor Lauer-Dünkelberg.

Quebreda de las Flechas. Foto: Gregor Lauer-Dünkelberg.

Heute verlassen wir Cafayate und fahren weiter nach Norden in Richtung des Puna-Hochplateaus. Wir fahren durch die am Fuße der Berge gelegenen Ortschaft Animaná. In Cacán, der nicht mehr praktizierten Sprache der indigenen Bevölkerung, bedeutet dies „Himmelsplatz“. Die ersten Menschen betraten Südamerika von Asien über die Beringstraße kommend genau wie zuvor die Arten des GABI über den Isthmus von Panama, vor etwa 14.000 Jahren. Menschliche Aktivitäten in den Valles Calchaquíes gehen auf etwa 10.000 Jahre zurück.

Die ersten Siedlungsaktivitäten fielen mit der sogenannten jüngeren Dryas-Zeit zusammen, in der es kälter war und mehr regnete als heute und somit die Bedingungen für den Siedlungsbau und die Bewässerungslandwirtschaft günstig waren. Auf unseren Luftbildern sehen wir die Grundrisse von Häusern und Bewässerungsanlagen dieser alten Kultur. Die Ortschaft Animaná liegt im Angastaco-Becken, wo heutzutage meist nur wenig Niederschlag fällt. Nichtsdestotrotz kommt es auch hier in bestimmten zeitlichen Abständen immer wieder vor, dass sogenannte Rosby-Wellen ihren Weg von der Antarktis über Patagonien bis hierher finden, die wassergesättigte warme Luft des Südamerikanischen Monsuns im Sommer abkühlen und dazu zwingen sich abzuregnen. In der Zeit zwischen November und März kann es dadurch große Überflutungen geben, die in Zeiten des großräumigen Wetterphänomens La Niña noch extremer sind. In manchen Fällen transportieren die Flüsse solch große Mengen an Sediment, dass in der Umgebung der Flüsse weiträumige sandige und konglomeratische Ablagerungen entstehen. Die für den Ackerbau sehr ertragreichen Böden in den Flußauen werden dadurch überdeckt und unbrauchbar – mit weitreichenden Folgen für die lokalen Bauern. Die Untersuchungen im StRATEGy-Projekt können dazu beitragen, dass solche Extremereignisse und die Grundvoraussetzungen für die Erosions- und Sedimentationsprozesse in diesem Teil der Anden früh erkannt oder auch vorhergesagt werden können, was letztlich hilft, die Existenz der lokalen Bevölkerung zu schützen. Unsere Arbeiten zeigen nämlich, dass sich die extremen Niederschlagsereignisse innerhalb der letzten Jahrzehnte in diese Region verlagert haben und somit die ungeschützte Landoberfläche angreifen können.

Auch erdgeschichtlich sind solche extremen Ereignisse und variablen Umweltbedingungen durch Sedimentschichten der Guanaco- und Piquete-Formationen deutlich dokumentiert. Allerdings gibt es auch geologische Einheiten, die auf ein länger anhaltendes, stabiles feuchtes Klima hindeuten. Dies manifestiert sich in fossilen Bäumen, Pollen, aber auch in den hier vorgefundenen Fossilien. In den Teichen und Flussauen der heute ariden Angastaco-Region tummelten sich die Yacarés, Breitschnauzenkaimane, aber auch Breitmaulfrösche, die sich während der trockenen Wintermonate des Monsuns im Schlamm eingruben. Die Lebensräume beider Arten wurden allerdings durch die zunehmende Trockenheit im Zuge der Heraushebung der östlich vorgelagerten Gebirgsblöcke nach etwa drei Millionen Jahren zerstört. Heute finden sich die nächsten lebenden Verwandten dieser Arten in den Schwemmebenen des Rio Bermejo, im warmen, feuchten und flachen Vorland der Anden.

Vom Wunsch getrieben, unseren Durst mit kühlem Wasser zu stillen, hielten wir es für eine gute Idee, einen kurzen touristischen Stopp einzulegen. Die Kirche von Molinos gilt als eine der ältesten christlichen Gotteshäuser der Region, die von den spanischen Besetzern im späten 17. Jahrhundert errichtet wurden. Das Dach des Adobebaus wurde überwiegend aus Kaktusholz erbaut und steht direkt gegenüber des ehemaligen Gouverneurssitzes von Salta, der von dort aus im 18 Jahrhundert regierte. Nicolás Severo de Isasmendi war der letzte königliche Gouverneur, dessen Mumie in einem Nebenraum der Kirche lagert. ¡Mejor irnos de aquí! – Wir gehen jetzt lieber.

Am späten Abend treffen wir in unserer neuen Unterkunft in Cachi ein. Cachi liegt auf ungefähr 2500 Metern Höhe und begrüßt uns mit spektakulären Blitzen am Nachthimmel.

Hintergrundinformationen zur Reise der Potsdamer Geowissenschaftler

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Text: Marisa Repasch, Malte Stoltnow, Gregor Lauer-Dünkelberg
Online gestellt: Alina Grünky
Kontakt zur Online-Redaktion: onlineredaktion@uni-potsdam.nomorespam.de