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Unterwegs in Kenia – 17./18. Februar 2018: „He who goes gently, goes safely. He who goes safely, goes far“ (J. Thomson)

Reisetagebuch: Potsdamer Geowissenschaftler auf Exkursion im Ostafrikanischen Riftsystem
Mittagspause an der Menengai Kaldera. Foto: Corinna Kallich.

Mittagspause an der Menengai Kaldera. Foto: Corinna Kallich.

Heute haben wir einen Transfertag in das nördlichste Riftsegment und die letzten Stationen unserer Exkursion in das Ostafrikanische Grabensystem vor uns. Auf dem Weg dorthin nehmen wir ein paar Umwege in Kauf. Wir sind auf den Spuren des schottischen Geologen Joseph Thomson, der sich 1883 als Leiter einer geologischen Expedition in Kenia aufhielt. Diese führte ihn vom Elementaita-See über eine 4.300 Meter hohe Gebirgskette, die von ihm den Namen Aberdare Ranges erhielt, zu den Wasserfällen von Nyaharuru, die er als erster Europäer besuchte und schließlich mit seinem Familiennamen taufte: Thomson Falls. Von dort führte seine Expedition weiter über die Menengai-Kaldera zum Baringo-See und schließlich zur Elgeyo-Bruchstufe im nördlichen Kenia-Rift. Wir folgen exakt dieser Route, allerdings mit viel größerer Geschwindigkeit und sicherlich komfortabler als vor 135 Jahren, denn die Temperaturen steigen wieder auf über 30 Grad am Baringo-Ssee.
Wir fahren die östliche Grabenschulter hinauf in die Aberdare-Hochebene und machen Halt bei den Thomson Falls auf 2400 m ü.N.N. Von hier entwässern Flußsysteme ausschließlich nach Nordosten in den Indischen Ozean und schneiden tiefe Schluchten in das vulkanische Gestein, das in Form von sieben Millionen Jahre alten Phonoliten aufgeschlossen ist. Von hier schneiden sich die Flüsse stetig und immer weiter in die Hochebene hinein.
Nördlich von Nakuru genießen wir den Ausblick auf den imposanten Menengai-Vulkankollaps. Mit einem Durchmesser von zwölf Kilometern handelt es sich bei diesem Krater um einen der größten Kalderenvulkane im zentralen Kenia-Rift, der zuletzt vor 36.000 Jahren eruptierte. Inzwischen werden der durch Magmen aufgeheizte Untergrund und sein Grundwasser zur geothermischen Energiegewinnung genutzt. Hier soll demnächst ein weiteres Geothermie-Kraftwerk entstehen. Am Kraterrand teilen wir unsere Lunchpakete mit Kindern aus einem nahe gelegenen Dorf und überlassen ihnen die inzwischen wertvoll gewordenen stabilen Pappkartonagen, da seit 2015 – der Umwelt zuliebe – Plastiktüten nicht mehr verwendet werden dürfen.
Wir überqueren den Äquator und erreichen schließlich den Baringo-See. Akazienwälder und Sisal-Plantagen säumen die einzige Asphaltstraße in dieser abgelegenen Region. Ein laues Lüftchen sorgt für etwas Abkühlung und wird von einem Regenschauer gefolgt, der ein Vorbote der kommenden Regenzeit ist.
Am nächsten Tag fahren wir nach Westen in Richtung Elgeyo Escarpment, einer hohen Bruchstufe von über 1500 Metern Höhe, die das Kenia-Rift im Westen von Baringo begrenzt. Wir überqueren die Tugen Hills und fahren hinab in das Tal von Kerio, bevor wir eine weitere steile Stufe überwinden müssen: das Elgeyo Escarpment. Hier finden wir die mit 500 bis 550 Millionen Jahren ältesten Gesteine unserer Expedition. Es handelt sich um Gneise, die den afrikanischen Grundsockel des sogenannten Mozambikgürtels repräsentieren – eine ehemalige Kollisionszone zwischen zwei Kontinentalplatten, ähnlich der heutigen Region zwischen Indien und Eurasien, wo sich der Himalaja hebt und die Erdkruste verformt wird. Die ursprünglichen Strukturen und Schwächezonen in den Gesteinen des Mozambikgürtels beeinflussen noch heute die Orientierung und Lage der Grabenschultern und der jungen Störungssysteme des Rifts, die sich ab etwa zwölf Millionen Jahre vor heute entwickelten. Bedeckt werden die Sockelgesteine am Elgeyo Escarpment von den ältesten Vulkaniten des Kenia-Rifts – 13 bis 15 Millionen Jahre alte und bis zu 400 Meter mächtige und vertikale Säulen bildende Phonolite, die am steilen Rand des Grabenbruchs über allen anderen Gesteinen thronen.
Unsere Reise auf den Spuren von Joseph Thomson beschließt eine Bootstour zum Ol Kokwe Island im Baringo-See. Hier wollen wir aufgrund der hohen Temperaturen und später einsetzenden Winde bereits morgens um 6:30 Uhr die aktive tektonische und vulkanische Hauptachse des Kenia-Rifts erkunden. In dieser Region gibt es nahezu täglich kleine Erdbeben, die immer wieder die aufgebauten Spannungen abbauen. Wir finden Fumarolen, heiße Quellen und atmen Luft mit Schwefelgeruch. Vergleiche zu Island bleiben nicht aus. Einheimische Inselbewohner entdecken uns und bieten selbstgemachte Souvenirs zum Verkauf an. Wir nutzen diese gute Gelegenheit, um unsere Familien und Freunde mit Mitbringseln zu versorgen und sie an unseren Eindrücken in Kenia teilhaben zu lassen.
Morgen werden wir zurück nach Nairobi fahren und die letzte Nacht vor der Rückkehr ins kalte Deutschland verbringen. Am letzten Abend in der Einsamkeit und fernab der Zivilisation teilen wir die überwältigenden Eindrücke und Erlebnisse der letzten neun Tage. Eine gewisse Melancholie macht sich in der Gruppe breit. Eine Zeit geht zuende, die viel zu schnell verging.
Dies ist der letzte Eintrag unseres Reisetagebuches. Wir bedanken uns für die unglaublich freundschaftliche Atmosphäre und Kollegialität unter den deutschen, italienischen und kenianischen Partnern und bei dem Potsdamer Organisationsteam um Manfred Strecker, Henry Wichura und Simon Riedl für diese wunderschönen Erfahrungen. Asante sana und kwaheri!
 
Text: Corinna Kallich
Online gestellt: Matthias Zimmermann
Kontakt zur Online-Redaktion: onlineredaktion@uni-potsdam.nomorespam.de

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