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Unterwegs in Sansibar – Tag 4: Besuch im Totalreservat Chumbe Island

Potsdamer Wissenschaftler auf Forschungsreise in Ostafrika
Chumbe Island vor der Küste von Sansibar bei Ebbe. Foto: Dr. Michael Burkart.

Chumbe Island vor der Küste von Sansibar bei Ebbe. Foto: Dr. Michael Burkart.

Das Boot wartet bei Flut am Anleger eines benachbarten Hotels. Es ist aber Ebbe – also heißt es Strandschuhe anziehen und durch Schlick und Seegrastümpel unter bereits vormittags sengender Sonne zum Boot hinauswaten. Es bringt uns nach Chumbe Island, wo wir heute zum Besuch angemeldet sind. Ulli Kloiber fährt mit uns. Sie ist das ganze Jahr über hier und leitet das Projekt.

Chumbe ist ein Naturschutzprojekt, das sich selbst finanziert, also etwas ziemlich Ungewöhnliches. Die Insel, knapp 17 Hektar groß und in Regierungsbesitz und schon seit 20 Jahren von einer NGO gepachtet. Sieben komfortable Hütten stehen auf der Insel, die an Touristen vermietet werden, ein alter Leuchtturm, den man besteigen kann, eine kleine Moschee, denn die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hier sind Moslems, sowie ein großes Gemeinschaftshaus. Dessen Dacharchitektur sieht nicht nur hinreißend schwungvoll aus, sondern dient zugleich dem Sammeln von Regenwasser, denn Chumbe ist zu klein für süßes Grundwasser. Deswegen ist auch die Besucherzahl limitiert –nachhaltige Tragfähigkeit ist das Stichwort.

Ulli erklärt uns alles und kommt dann mit auf einen Rundgang durch den Wald, den Hauptgrund unseres Besuchs. Die Trockenwälder des Küstenstreifens samt vorgelagerter Inseln sind in ganz Ostafrika weitestgehend abgeholzt. Der Wald auf Chumbe ist hingegen unberührt. Der größere Nordteil der Insel wird als Totalreservat gemanagt – nur die Ranger haben Zutritt. Durch den Südteil führt aber ein Rundweg, der im Führungstempo (also recht langsam) 45 Minuten dauern soll. Die Botaniker unter uns brauchen allerdings viel länger. Erster Halt: ein gigantischer Baobab-Baum, vermutetes Alter 300 Jahre. Dann geht es ins Dickicht, zum Glück unter schattigem Blätterdach. Es herrscht noch die „kleine“ Regenzeit, die in diesem Jahr aber gar nicht so klein ausgefallen ist, und alles ist grün. Am Waldboden meterlange, schmale, dunkelgrüne, ledrige Blätter: Sansevierien! Die Botaniker werden aufgeregt, denn darauf haben sie gehofft. Im Schatten zeigt sich keine Blüte, aber an der Abbruchkante über dem türkisblauen Meer stehen ein paar Pflanzen sonniger und blühen – fast. Somit muss die Erfassung der Merkmale noch warten.

Nach einem opulenten Mittagessen im Gemeinschaftshaus besteigen wir den Leuchtturm und schauen uns alles aus rund 30 Metern Höhe an. Der Wald sieht von oben wie gigantischer Grünkohl aus. Allerlei Vögel zwitschern und fliegen herum. Ulli erklärt uns, dass die Indische Hauskrähe hier konsequent geschossen wird. Der Vogel ist ein Neubürger in Sansibar und ein sehr effektiver Räuber; Chumbe betreibt aktives Management solcher invasiven Arten.

Ein erneuter Abstecher in den Wald beschert uns endlich blühende Sansevierien – Zeit, die Messgeräte auszupacken. Die Pflanzenmerkmale werden erfasst, der Lichtgenuss gemessen – er ist hier wieder sehr gering – und schließlich ein paar Ableger für den Potsdamer Botanischen Garten mitgenommen. Ulli macht eine Ausnahme von der Totalreservatsregel und ist einverstanden, und eine künftige Forschungskooperation wird zumindest ins Auge gefasst.

Viel zu schnell ist das Boot wieder startklar und im abendlichen Streiflicht fahren wir zurück nach Sansibar. Ein wunderschöner und erfolgreicher Tag!

Weitere Informationen zum Projekt gibt es hier: https://www.uni-potsdam.de/de/umwelt/forschung/ag-landschaftsmanagement/forschungsprojekte/nakopa.html

Text: Dr. Michael Burkart
Online gestellt: Matthias Zimmermann
Kontakt zur Online-Redaktion: onlineredaktionuni-potsdamde