Vorlesungs- und Lehrendenverzeichnis

WiSe 2020/21

EinfĂŒhrung in die Philosophien des Trans- und Posthumanismus

Michael Schumann

PULS

Seit Mitte der zweiten HĂ€lfte des vorherigen Jahrhunderts wird der Humanismus als Theorie und Rechtfertigungsrekurs fĂŒr die Handlungspraxis von zwei Seiten her belagert: Zum einen von diversen Technologiefeldern, welche die SelbstverstĂ€ndlichkeit der Vorgabe des naturbelassenen Menschen im Sinne der distinkten Merkmale der Spezies Homo sapiens sapiens, mit einem ‚Möglichkeitshorizont‘ trans- und interspezifischer Kreuzungen (Stichwort: transgene Menschen), technischer Hybridisierungen (Stichwort: Cyborg), usw. konfrontieren. Zum anderen von diversen kritisch-reflexiven Diskursen, wie Psychoanalyse, Gender-Studies, oder mit dem Label ‚Poststrukturalismus‘ etikettierte Philosophien, welche u.a. die mit dem Humanismus assoziierten Subjekt-Konzeptionen und ‚IdentitĂ€ten‘ ihrer Ein-/ AusschlĂŒsse ins ‚wahre Menschsein‘ wegen infrage stellen, da dem Humanismus als das Handeln orientierender Theorie vorgeworfen wird mit den vorgegebenen Menschenbildern bislang Kolonialismus, Imperalismus sowie Rassismen und Sexismen wenn nicht explizit gerechtfertigt, so doch zumindest verdeckt zu haben. In Verbindung mit den erwĂ€hnten Technologiefeldern kam es zumal zu einer Erosion vormalig selbstverstĂ€ndlicher und als unabĂ€nderlich hingestellter gesellschaftlicher Institutionen, die nicht nur die bio-physische Vorgabe sondern auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der LebensfĂŒhrung im Sinne forcierter Individualisierung und Emanzipierung als neujustierbar erscheinen lassen.
Aus diesem Kontext heraus haben sich nun zwei bis heute an PopularitĂ€t zunehmende Diskursrichtungen etabliert, welche erwĂ€hnte VerĂ€nderungsmöglichkeiten und Infragestellungen zu ihrer erklĂ€rten Voraussetzung haben: Einerseits der ‚Transhumanismus‘, mit seinem primĂ€ren Fokus einer Apologie der VerfĂŒgbarmachung diverser Technologieoption, bei oftmals fehlender Problematisierung des gesellschaftlich-politischen Rahmens eines nur durch den Markt regulierten Zugangs hierzu andererseits der ‚Posthumanismus‘ als einer reflexiv-kritischen Denkhaltung die sich intellektuell u.a. aus den oben genannten Diskursquellen speist und etwa breitflĂ€chig das VerhĂ€ltnis zum ‚Tier‘, zum technisch-vermittelten Weltzugang in seinen RĂŒckwirkungen fĂŒr die Gestaltbarkeit des Zusammenlebens, sowie den genannten Verwischungen einer distinkten Grenze der Spezies Homo sapiens sapiens zu seinen Alterationen und Hybridisierungen als neuen Lebensgestaltungsmöglichkeiten problematisiert.
Das Seminar wird sich beiden Diskursrichtungen eingehend widmen und dafĂŒr bekannte Positionierungen skizzieren, um eine breite Übersicht zu geben (Die Seminarliteratur wird gemischt sein aus deutschen Übersetzungen und englischen Originaltexten.)

Literatur

Wird vom Seminarleiter als Digitalisierung vollstÀndig bereitgestellt!

Leistungspunkterwerb

Leistungsbewertung (achtmalige wöchentliche unbenotete Textaufgabe oder fĂŒnfseitiger Essay)
In Vorbereitung, wird im Anschluss an jede Seminarsitzung, ein die nĂ€chste WochenlektĂŒre begleitendes Dokument, mit drei textbezogenen Fragen, in Moodle eingestellt, von denen wöchentlich, auf ca. einer halben Seite, eine der Textfragen zu beantworten und ĂŒber Moodle, zwei Tage vor der nĂ€chsten Sitzung hochzuladen ist. Auf diese Weise wird durch regelmĂ€ĂŸige Abgabe, ĂŒber das Semester verteilt, der Umfang eines kleinen Essays erzielt, wodurch fĂŒr die Abschlusssitzung nur eine schriftliche Zusammenfassung bzw. Diskussion eines interessierenden Aspektes der gelesenen LektĂŒre (ca. 1 Seite) vorzulegen ist. – Die Leistungserfassung beginnt mit der vierten Sitzung. Von Beginn der Leistungserfassung ab fĂŒhrt dreimaliges VersĂ€umen der Abgabe zum NICHT BESTEHEN.
Alternativ zur wöchentlichen Textaufgabe ist es den Studierenden selbstverstĂ€ndlich freigestellt einen Essay im Umfang von ca. 5-6 Seiten vorzulegen. Da dies jedoch gesonderte AnsprĂŒche an die Leistungsbewertung stellt, bittet der Dozent bei Wahl dieser Option um vorherige RĂŒcksprache!

StudiengÀnge und Module

LPSWSbenotet
B2 Philosophie 2010
  171 
Seminar, Basismodul Mensch, Gesellschaft und Kultur
3
2
nein
  172 
Seminar, Basismodul Mensch, Gesellschaft und Kultur
3
2
nein
B2 Philosophie 2015
  211312 
Seminar, PHI_BA_005 Basismodul Mensch, Gesellschaft und Kultur
4
2
nein
BA Philosophie 2019
  211312 
Seminar (Seminar), PHI_BA_005 Basismodul Mensch, Gesellschaft und Kultur
4
2
nein
BA Volkswirtschaftslehre 2019
  211312 
Seminar, PHI_BA_005 Basismodul Mensch, Gesellschaft und Kultur
4
2
nein
BS Soziologie 2017
  211312 
Seminar, PHI_BA_005 - Basismodul Mensch, Gesellschaft und Kultur
4
2
nein
Philologische Studien (Orientierungsphase) 2019
  211312 
Seminar (Seminar), PHI_BA_005 Basismodul Mensch, Gesellschaft und Kultur
4
2
ja
Studium+ 2008
  4301 
Veranstaltung (4301-10), Veranstaltungen 3 LP
3
2
ja/nein
Studium+ 2009
  10020 
Wissenschaftliches Arbeiten und Schreiben, Grundmodul
3
2
ja/nein

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Philosophische Fakultät
Am Neuen Palais 10
14469 Potsdam

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