Vorlesungs- und Lehrendenverzeichnis

WiSe 2020/21

Transformation des europäischen Judentums (1750-1933)

Carsten Schapkow

PULS

Die Jahre von 1750 bis 1933 zeichneten sich durch gravierende Umgestaltungen in Europa aus. Diese beeinflussten das Wirtschaftsleben, das politische und gesellschaftliche Leben und kulminierten im Verlauf des 19. Jahrhunderts in der Auspr√§gung von nationalstaatlichen Kulturen. Der Hintergrund f√ľr diesen Prozess war die Aufkl√§rung. Dabei sollten sich auch die rechtlichen Rahmenbedingungen f√ľr die Juden in den unterschiedlichen europ√§ischen L√§ndern im Verlauf des sp√§ten 18. und 19. Jahrhunderts √§ndern und ihnen im Westen und der Mitte Europas Staatsb√ľrgerrechte verliehen werden. Der Prozess der Emanzipation der Juden basierte auf der Vorstellung, sobald ihnen die Rechte und Pflichten von Staatsb√ľrgern zugefallen seien, w√ľrde dies auch die Barrieren zwischen Juden und Christen einrei√üen und Juden sich als Franzosen, Engl√§nder und Deutsche j√ľdischen Glaubens verstehen. Die j√ľdische Aufkl√§rung, die Haskalah, diskutierte die im Anschluss an Christian Wilhelm von Dohm angeregten M√∂glichkeiten nach einer ‚ÄěVerbesserung der Juden‚Äú, um sie zum integrierten Bestandteil der europ√§ischen Staaten und ihrer Kulturen werden zu lassen. Als eine Konsequenz daraus ver√§nderten sich auch deren Lebensentw√ľrfe. Am Abschluss des Zeitalters der Emanzipation der Juden waren sie im Westen Europas mit Staatsb√ľrgerrechten ausgestattet. Dennoch standen auch die Jahre nach der erfolgten b√ľrgerlichen Gleichstellung weiterhin unter dem Vorzeichen eines Strebens nach Integration und gegen Ausgrenzung und Antisemitismus.
Die Bestrebungen nach Integration verliefen im Westen Europas anders als im Osten. Insbesondere in Osteuropa wurden die Juden als Volk verstanden und die j√ľdische Kultur der Juden Osteuropas nahm √§u√üere Faktoren der Einflussnahme auf ihre traditionellen Lebensweisen vergleichsweise weniger auf als die im Westen Europas. Zudem wurden in Osteuropa Juden im geringeren Ma√üe von den Eliten der Mehrheitsgesellschaft aufgefordert, sich b√ľrgerlich zu verbessern um am Abschluss dieses Prozesses gleichberechtigt integriert zu sein. Erst mit dem Zerfall des Russl√§ndischen Reiches wurden die Juden hier von ihrem Sonderstatus befreit.
Die Funktion von Sprache nahm innerhalb dieser √úberlegungen nach einer Umgestaltung oder Transformation des Judentums eine zentrale Bedeutung ein. Die j√ľdischen Gesellschaften in Osteuropa orientierten sich in ihrer Mehrheit weniger ausschlie√ülich an den modernen, ‚Äěaufgekl√§rten‚Äú Sprachen wie beispielsweise der deutschen Sprache, der sogar die Funktion einer universalen Sprache zukam. Sie behielten das Jiddische bei und wurden daf√ľr auch von den j√ľdischen Aufkl√§rern kritisiert.
Das Seminar geht den Ambivalenzen dieses Prozesses nach, da es keine einheitlich verlaufende Umgestaltung oder Transformation eines traditionellen Judentums in ein eher s√§kularisiertes und individualisiertes Verst√§ndnis von Judentum und j√ľdischer Identit√§t gegeben hat. Vielmehr stand die Vielseitig, ja Hybridit√§t von Identit√§tsentw√ľrfen mit unterschiedlichen Formen von Zugeh√∂rigkeit in einem Spannungsverh√§ltnis zueinander. An zentralen Texten aus unterschiedlichen Genres, die auch die Autobiographie und novellistisches Schreiben von Frauen und M√§nnern mit einbeziehen, wird dies im Seminar mit der Ausrichtung auf unterschiedliche L√§nder und Judenheiten unter ausdr√ľcklicher Ber√ľcksichtigung von Aspekten wie Selbst- und Fremdwahrnehmung sowie der Ausbildung einer modernen j√ľdischen Identit√§t vorgenommen.

Literatur

David Sorkin: Jewish Emancipation. A History Across Five Centuries. Princeton: Princeton University Press 2019. (ca. 35 Euro, bitte käuflich erwerben)
Alle anderen Texte werden auf Moodle zur Verf√ľgung gestellt.

Leistungspunkterwerb

Referat und wöchentliche Einträge im Lerntagebuch von ca. 1. Seite

Studiengänge und Module

LPSWSbenotet
B2 Geschichte 2011
  1062 
Proseminar , Basismodul Staat und Gesellschaft in der Moderne
2
2
nein
B2 Geschichte 2015
  222311 
Proseminar, GES_BA_008 Basismodul Staat und Gesellschaft in der Moderne
10
2
nein
B2 J√ľdische Studien 2010
  200 
Vorlesung / Seminar, Aufbaumodul Geschichte
2
2
nein
  201 
Seminar, Aufbaumodul Geschichte
2
2
nein
  230 
Seminar / Vorlesung, Erweiterungsmodul 2
2
2
nein
  231 
Seminar / Vorlesung, Erweiterungsmodul 2
2
2
nein
  232 
Seminar / Vorlesung, Erweiterungsmodul 2
2
2
nein
B2 J√ľdische Studien 2017
  221411 
Seminar, Aufbaumodul Geschichte und Gesellschaft
6
2
ja
B2 Religionswissenschaft 2014
  294411 
Seminar, Aufbaumodul Räume
3
2
nein
B2 Religionswissenschaft 2017
  294411 
Seminar, REL_BA_010: Vertiefungsmodul Räume
3
2
nein
BA Geschichte, Politik und Gesellschaft 2016
  222311 
Proseminar, GES_BA_008 Basismodul Staat und Gesellschaft in der Moderne
10
2
ja
BA J√ľdische Theologie 2013
  291321 
Vorlesung/Seminar J√ľdische Kultur, Aufbaumodul Geschichte und Kultur (nicht f√ľr das Kantorat)
3
2
nein
  291322 
Vorlesung/Seminar Emanzipation und Reformen , Aufbaumodul Geschichte und Kultur (nicht f√ľr das Kantorat)
3
2
nein
BA J√ľdische Theologie 2017
  291312 
Vorlesung oder Seminar, UEG_BA_004: Basismodul Geschichte und Kultur
3
2
nein
  291313 
Seminar, UEG_BA_004: Basismodul Geschichte und Kultur
3
2
nein
BA Volkswirtschaftslehre 2019
  222311 
Proseminar, GES_BA_008 Basismodul Staat und Gesellschaft in der Moderne
10
2
nein
BL Geschichte 2011
  1062 
Proseminar Moderne, Basismodul Staat und Gesellschaft in der Moderne
2
2
nein
BL Geschichte 2013
  220313 
Seminar (Proseminar), GES_BA_019 Basismodul Staat und Gesellschaft in der Moderne Lehramt
4
2
ja

Kontakt

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Philosophische Fakultät
Am Neuen Palais 10
14469 Potsdam

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